Fernsehen Wenn „Dr. House“ ausfällt

Ein schnelles Ende des Arbeitskampfes der US-Drehbuchautoren ist nicht absehbar. Es geht um die Zukunft des gesamten Gewerbes: der Neugestaltung von Urheberrechten im digitalen Zeitalter

Letterman , Leno und bald auch Desperate Housewives : Amerikas Zuschauer müssen sich darauf einstellen, dass ihre Lieblingsprogramme ausfallen, denn die Fernseh- und Filmautoren streiken. Die ganze vergangene Woche über schon hatten sich protestierende Autoren der Writer’s Guild of Amerika (WGA) vor der großen Studios und Fernseh-Networks versammelt, um ihren Forderungen nach einem neuen Tarifvertrag Nachdruck zu verleihen. Gingen Führungskräfte zur Arbeit, wurden sie von den Streikenden mit Parolen begrüßt.

Manche hatten ihre Kinder mitgebracht und ihnen Plakate mit der Aufschrift „It’s Old Media to me“ in die Hand gedrückt – ein Kommentar, der den Standpunkt der Autoren in der Diskussion um ihre Beteiligung an den Einnahmen aus den sogenannten „Neuen Medien“ - Webstreams, Downloads und Internet-TV - auf den Punkt bringt. „Für einen 14-Jährigen sind das keine Neuen Medien. Für den ist das Fernsehen“, sagt der TV-Autor Bob Odenkirk in einem Interview.

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Der Writer’s Guild ist es gelungen, ihre Mitglieder auf den Streik einzuschwören, was erleichtert wurde durch die unnachgiebige Verhandlungsposition der Studios. Junge Comedy-Autoren, alte Hollywoodhasen, die Autoren-Produzenten erfolgreicher TV-Serien, Autoren, die sich Storylines für Computerspiele ausdenken – sie alle gehen jetzt gemeinsam auf die Straße. Neben neuen Regeln für die Neuen Medien fordern sie auch einen höheren Anteil an den DVD-Einnahmen – statt 0,3 Cent pro Dollar 0,6 Cent pro Dollar. „In 40 Jahren waren die Autoren noch nie so bereit und so gut organisiert. Alle sind fest entschlossen, für eine gerechte Bezahlung zu kämpfen“, beschreibt Richard Stayton, Chefredakteur des WGA-Magazins written by “, die Stimmung.

Die erste Woche des Arbeitskampfes lief für die Autoren durchaus erfolgreich, die Auswirkungen waren sofort spürbar. Die Late-Shows von Jay Leno und David Letterman und Comedy-Shows wie Jon Stewarts Daily Show und der tägliche Colbert Report hatten schon zu Beginn vergangener Woche kein neues Material mehr und mussten Wiederholungen senden. Jay Leno brachte den streikenden Donuts, wie überhaupt regelmäßig Schauspielprominenz - Robin Williams, Eva Longorina, David Duchovny – auf eine Stippvisite vorbeischaute, meist mit Snacks und TV-Kameras im Gepäck.

Die Fernsehserie Desperate Housewives drehte währenddessen die letzten geschriebenen Szenen ab, Grey’s Anatomy und The Office (das amerikanische Stromberg ) stellten ebenfalls die Produktion ein. Für den Dezember haben die Sender noch frische Folgen ihrer Quotenhits auf Vorrat, ab dann sieht es für Serienfans schlecht aus. Die Ausstrahlung der nächsten Staffel von 24 wurde schon auf nach dem Streik verschoben. Allenfalls Lost verfügt angeblich über einen ausreichend großen Vorrat, um noch im Frühjahr neue Folgen senden zu können (und somit die Quoten zu dominieren), so spekulieren zumindest hoffnungsvolle Fans.

Angesichts des drohenden Streiks hatten die Sendeanstalten in den vergangenen Monaten versucht zu reagieren. Zahlreiche Piloten – eine Prototyp-Folge einer neuen TV-Serie oder -Show – oder gleich ganze Serienstaffeln wurden in Auftrag gegeben. Dadurch halten die Sender nun zumindest einige fertige Drehbücher in der Hand, die sie produzieren können. Auch die Filmstudios haben sich beeilt, ihre anstehenden Projekte vor Streikbeginn unter Dach und Fach zu bringen. Paramount kaufte gleich vier hochkarätige Autoren – Stuart Beattie, John Lee Hancock, Brian Koppleman und David Levien – ein, um das Buch für die 100-Millionen-Dollar-Produktion G.I. Joe noch rechtzeitig in Form zu bringen. Bei einigen anderen Großprojekten wie dem neuen James Bond (Drehbuch Paul Haggis) oder der Dan Brown-Verfilmung Angels & Demons (beide Sony) ist dies – laut dem Branchenblatt Variety - wohl gescheitert.

Leser-Kommentare
  1. ...hinkt zugegeben etwas, doch ist der Hinweis des Autors unmissverständlich.
    In beiden Streiks sind irgendwann berufsfremde Menschen betroffen.
    Aber auch bei der WGA ist der Streik gerechtfertigt, ob nun als Stellvertreterauseinandersetzung oder nicht.
    House ist eine Fiktion, für die Menschen täglich arbeiten müssen. Sie sollen auch angemessen entlohnt werden.Und gerade die Entlohnung durch Verwertung in den Neuen Medien ist sehr strittig.Genau dort wollen die Produzenten Pioniergewinne.
    Mit freundlichen Grüßen Diemo Schaller

  2. Ziemlich einseitiger Artikel, ich kann die Autoren trotzdem verstehen. Hoffen wir, dass bald ein vernünftiger Kompromiss gefunden wird - es sei den Autoren vergönnt. Und den Leuten, die gerne Dr. House sehen. ;)

  3. der kampf der kulturen ist nicht zwischen nord sued sondern zw.euro und ketchupnuke D.C. not Teheran

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