Italien Ein offenes GeheimnisSeite 2/2

Mit Hilfe der ultrarechten „Irriducibili“, die gleichsam auf Befehl mal den Fußballverbandssitz, mal das Finanzministerium oder die römische Finanzdirektion belagerten, gelang es dem umtriebigen neuen Lazio-Präsidenten, eine Stundung der riesigen Steuerschuld des Klubs von 148 Millionen Euro zu erwirken. Die „Irriducibili“ unter den Anführern, Fabrizio Toffolo, Yuri Alviti, Paolo Arcivieri sowie Fabrizio Piscitelli, waren eine regelrechte Macht im Klub, die vom Präsidenten Geld und Freitickets bekamen.

Als Lotito sich dann der zwielichtigen Helfer plötzlich entledigen wollte, wurde er mit dem Leben bedroht. Jetzt hat er Tag und Nacht Polizeischutz, weil er sich weigert, den Klub an eine von der Verbrecherorganisation Camorra bestimmten Käufergruppe zu veräußern. Mit Hilfe der „Irriducibili“, die tatsächlich einer effizienten paramilitärischen Gruppierung ähneln, wollte auch der frühere Präsident und Spieler Giorgio Chinaglia die Klubmehrheit von Lazio übernehmen. Das zeigte Präsident Lotito sofort an. Im vergangenen Mai wurden deswegen Haftbefehle sowohl gegen die „Irriducibili“-Anführer als auch gegen Giorgio Chinaglia erlassen. Die Fan-Anführer wurden verhaftet, erhielten aber schon bald „Hausarrest“. Jetzt warten sie gelassen darauf, dass die langsam mahlenden Mühlen der italienischen Justiz diese und andere Anklagen gegen sie abwickeln.

Die Macht um den Underdog-Klub Lazio Rom tobt unterdessen ähnlich verbissen wie einst die Macht um und in Rom und um die gegenwärtige fragile politische Macht im Lande. Es wäre kein Wunder, wenn über den Tod Sandris auch die Regierung Romano Prodis straucheln würde, der in diesen Tagen ohnehin eine kurze Lebensdauer prophezeit wird.

 
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  • Quelle ZEIT online, 6.5.2008 - 05:24 Uhr
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  • Schlagworte Rechtsextremismus | Rassismus | Fußball
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