Italien Am Rand des Abgrunds

Der Tod eines Fußballfans durch Polizeikugeln löst in Italien schwere Krawalle aus. Die Ereignisse werfen ein neues Schlaglicht auf die Gewalt in und vor den Stadien des Landes

Der gewaltsame Tod eines Fans hat den italienischen Fußball am Sonntag an den Rand des Abgrunds getrieben. Nachdem ein 26 Jahre alter Anhänger von Lazio Rom auf dem Weg zum Auswärtsspiel seines Clubs bei Inter Mailand auf einem Autobahnrastplatz von einem Polizisten erschossen worden war, kam es vor vielen Spielen zu schweren Ausschreitungen und Angriffen auf die Ordnungskräfte.

Die Bilanz der Ausschreitungen allein in Rom: 40 Verletzte, drei Festnahmen. Randalierer griffen Polizeidienststellen an, setzten mehrere Autos in Brand und zerstörten am Sitz des Nationalen Olympischen Komitees Marmorskulpturen, die Countdown-Uhr für die Spiele in Peking 2008 sowie Büroeinrichtungen.

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Zuvor hatte der italienische Fußballverband das Spitzenspiel von Meister Inter gegen Lazio abgesagt. Die Partie zwischen Atalanta Bergamo und dem AC Mailand musste nach nur sieben Minuten wegen Fan-Randale abgebrochen werden, ebenso wie die Drittligapartie in Taranto. Die übrigen Nachmittagsspiele wurden mit zehnminütiger Verspätung angepfiffen, Spieler und Schiedsrichter liefen mit Trauerflor auf.

Aus Angst vor weiterer Randale sagte Roms Polizeichef die für den Abend vorgesehene Partie AS Rom gegen US Cagliari ab. In mehreren Wellen griffen teilweise vermummte Hooligans daraufhin Polizeikräfte außerhalb des Stadio Olimpico an. Sie bewarfen die Einsatzkräfte unter anderem mit Flaschen und mit Eisenstücken. Motorräder und ein Auto wurden beschädigt. Die Polizei versuchte, die Gruppe der Randalierer aufzulösen. Etwa zehn Beamte wurden verletzt.

"Es war ein tragischer Fehler", sagte der tief betroffene Polizeichef von Arezzo, Vincenzo Giacobbe, der La Gazzetta dello Sport . Ministerpräsident Romano Prodi äußerte sich "höchst besorgt" über die tragischen Ereignisse, Oppositionsführer Silvio Berlusconi sprach von einem "schrecklichen Tag".

Der 26-jährige Römer ist bereits der zweite Tote, den der italienischen Fußball in diesem Jahr zu beklagen hat. Bei schweren Fan-Ausschreitungen war am 2. Februar ein Polizist in Catania von Randalierern erschlagen worden. Daraufhin hatte die Regierung die Gesetze gegen Gewalt rund um den Fußball drastisch verschärft, das Problem jedoch nicht in den Griff bekommen. Justizminister Clemente Mastella forderte deshalb am Sonntag "noch härtere Maßnahmen" gegen gewaltbereite Fußballfans, Innenminister Giuliano Amato versprach eine "schnelle Aufklärung des tragischen Fehlers".

Leser-Kommentare
  1. 1. Mob

    Das Ausleben der Aggressionen einzelner Gruppen, speziell beim sehr populären Fußball wird toleriert, solange:damit viel Geld verdient wird,der Mob keinem Aussenstehenden Schaden zufügt,deren Ziele der politischen Richtung der Elite nicht widersprechen.Die Zerechtweisung einzelner Extremisten ist Aufgabe der Exekutive mit Gewaltmonopol. Tote werden da als Kollerteralschäden billigend in Kauf genommen. Mehr oder weniger. Das ist nicht nur in Italien so, sondern auf der ganzen Welt. Freut euch, daß es hierzulande eher weniger sind. Wer daran etwas ändern will, kommt mit Schreiben und Reden nicht weiter, da muss gehandelt werden. 

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