Bundesliga Danke, FußballgottSeite 2/2

Vor allem das 1:0 war ein bemerkenswerter Treffer: Mit dem Bauch hat Gomez den Ball über die Linie gedrückt und wirft damit die Frage auf, ob es für dieses Körperteil in der Torjäger-Statistik nicht eine eigene Rubrik geben könnte. Das 2:0 hingegen fällt klar in die Rubrik Torhüterfehler, das 3:0 schließlich war ein Blackout der gesamten Bayern-Abwehr, da kann man dem Titan-Kahn keine Schuld geben.

Die Fans der Liga jubeln, stoßen Dankesgebete gen Himmel. Nur in Cottbus oder Nürnberg hält sich die Schadenfreude in Grenzen. Was nützt es auch den Teams aus dem Ligakeller, wenn es am oberen Ende der Tabelle spannend zugeht oder gar gerecht. Von unten betrachtet ist und bleibt die Welt ungerecht. Da hilft kein Fußballgott und auch nicht die Sozialdemokratie. Denn wenn wirklich die Besseren auf dem Platz gewinnen sollen, dann hätte der Klub am Sonntag drei Punkte verdient gehabt und die Lausitzer in Rostock zumindest einen.

Bevor die Agnostiker unter den Fußballfans sich jetzt bestätigt fühlen, sollten sie allerdings nach Bremen schauen und vor ihrem geistigen Auge jene Szene ablaufen lassen, die in der 25. Minute zum 1:0 führte. Denn wenn es noch einen Beweis dafür bedürft hätte, dass es einen Fußballgott gibt, dann wurde dieser am Samstag im Weserstadion erbracht. Selbst ein genialer Fußball-Künstler wie Diego kann einen solchen Ball nicht ohne überirdischen Beistand ins Tor bringen.

Bei seiner Bogenlampe zum 1:0 flog der Ball von der Strafraumgrenze eine merkwürdige Kurve über Karlsruhes Torhüter Kornetzky hinweg und senkte sich wider alle physikalischen Gesetze doch noch ins Netz. Ein Tor für die Ewigkeit. Was wäre der Fußball also ohne seine Götter?

Nachspiel. Die Fußball-Kolumne auf Zeit online. Nach jedem Bundesliga-Spieltag kommentiert Christoph Seils den Kampf um Tore und Punkte, um Meisterschaft und Abstieg. Zum Stand der Liga gibt es jede Woche schließlich etwas Neues zu erzählen. Doch weil Fußball, Politik und Gesellschaft vieles gemein haben, Steilvorlagen und vergebene Chancen zum Beispiel, versteht es sich von selbst, dass mit Hilfe des Fußballs die Lage der Nation erörtert wird.

 
Leser-Kommentare
    • hagego
    • 12.11.2007 um 11:29 Uhr

    Da in Hollywood zur Zeit wegen eines Streiks keine Drehbücher geschrieben werden, machen das die Bayern im Alleingang.Beckenbauer grantelt. Hoeneß schweigt. Rummenigge ist so richtig sauer. Und Hitzfeld bleibt gelassen. Die Handlung ist schnell erzählt: Bayern hat das erste Saisonspiel und das Ex-Rotbäckchen die Contenance verloren. Und hat sich vor laufender Kamera als ein drohender Wolf dargestellt. Ob seine Mathe-Gleichung aufgeht wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Die Schweizer Fußballanhänger werden die Münchener Zwistigkeiten mit Freude zur Kenntnis genommen haben, steigen doch ihre Chancen, Hitzfeld als Nationaltrainer zu bekommen.Ach so, noch 'was, Herr Seils, das Tor für die Ewigkeit fiel in Stuttgart. Darauf würde ich mich schon versteifen. Fragen Sie mal Mario Gomez, wie er den Ball ins Tor bugsiert hat. Es könnte ein fruchtbares Kurzinterview werden...

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