Kapitalanlage Auf dem Holzweg

Holzinvestments finden in der Finanzbranche immer mehr Anhänger. Doch die Renditen der Vergangenheit lassen sich nicht einfach auf die Zukunft übertragen.

Holz – das ist der Stoff, aus dem derzeit so mancher Anlegertraum geschnitzt wird. Mit der anhaltenden Diskussion um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Aktienmärkte und Anlegerdepots mehren sich derzeit die Stimmen, die Waldbesitz als zukunftsträchtiges Investment propagieren.

„Als Anlageklasse wird Holz erst entdeckt“, wirbt die Deutsche-Bank-Investmenttochter DWS und bietet passend zur neuen Entdeckung ein Holz- und Waldzertifikat an. Auch andere Banken wie UBS oder Societé Générale haben hölzerne Anlagezertifikate im Angebot. Ganz direkt kann man bei Aquila – einem Entwickler von geschlossenen Fonds – zum Wald-Mitbesitzer werden: Ab 20.000 US-Dollar können Anleger dem WaldInvest-Beteiligungsfonds beitreten, der mit brasilianischem Waldbesitz eine Jahresrendite von neun Prozent prognostiziert.

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Dass Holz kein Wald- und Wieseninvestment ist, soll der Verweis auf David Swensen, den erfolgreichen Vermögensverwalter der Yale-Universität zeigen, dessen Stiftungsfonds auch massiv in Waldbesitz investiert ist. Die Zertifikatebeschreibung der DWS singt eine Lobeshymne auf den Rohstoff Holz, der vom Musikinstrument bis zum Hausbau vielseitig einsetzbar ist, den Kohlendioxid-Haushalt reguliert und als nachwachsender Rohstoff niemals ausgeht. Nicht zuletzt dank des zunehmenden Wohlstandes in den Schwellenländern sei langfristig damit zu rechnen, dass die Nachfrage das nur langsam nachwachsende Angebot übersteigt. Da sieht der Leser vor seinem geistigen Auge schon die Massen des chinesischen Volkes, die in Peking und Shanghai Ikea-Märkte stürmen.

Den Werbestrategen der Holzinvestment-Anbieter fehlt somit nichts, was eine gute Investment-Story braucht: In der Vergangenheit wurden hohe Renditen erzielt, erfolgreiche Fondsmanager haben die Anlageklasse im Portfolio, und für optimistische Prognosen gibt es genügend fundiertes Datenmaterial.

Trotzdem ist das Happy-End keinesfalls vorprogrammiert, denn es gibt auch einige Haken. Zunächst einmal setzen die Zertifikate bislang ausschließlich auf Aktien von Unternehmen, die Forstwirtschaft betreiben. Zwar sind solche Titel durchaus dem defensiven Segment zuzurechnen, doch ganz unabhängig von allgemeinen Börsentrends sind auch die solidesten Massivholzaktien nicht. Dazu kommt, dass viele Holzunternehmen ihren Sitz in den USA haben, so dass Anleger auch ein beträchtliches Devisenkursrisiko mit ins Depot holen.

Beim direkten Investment über ein Beteiligungsmodell stellt sich zunächst einmal die Frage nach der Qualität des Emittenten. Waldbesitz erfordert viel Erfahrung, und ein Neuling hat zwei Möglichkeiten: Entweder versucht er sein Glück auf eigene Faust oder er sucht sich für die Bewirtschaftung einen kompetenten Partner. Die erste Variante bringt ein hohes Risiko, und die zweite kostet einen Teil der Rendite, weil der externe Verwalter Gebühren verlangt.

Dazu kommen rechtliche Risiken, denn viele interessante Waldgebiete liegen in Ländern mit eher wackligem Rechtsstaat. Was geschieht mit dem Vermögen der Waldbesitzer, wenn ein Staat das nachmacht, was ein paar südamerikanische Staaten mit der faktischen Enteignung von Erdöl- und Gasförderern bereits vorexerziert haben? Wenn ein Präsident die patriotische Trommel rührt und ausländischen Investoren den Wald per Dekret entreißt, dürfte die Grundbucheintragung nicht einmal mehr das Papier wert sein, auf dem sie geschrieben ist.

Bedenklich stimmt, dass mit dem im vergangenen Jahre eröffneten Konkurs von Prime Forestry, einem in der Schweiz ansässigen Anbieter von Waldbeteiligungen, die Branche schon die erste Pleite zu verzeichnen hat. 14 Prozent hatten die Eidgenossen mit Teakholz-Plantagen in Panama versprochen – was übrig bleibt, ist wohl kaum mehr als ein Häufchen Asche. Gerade bei Beteiligungsmodellen sollte – wenn überhaupt – der Einstieg erst erfolgen, wenn Seriosität und Kompetenz des Anbieters akribisch geprüft worden sind. Auf Holzaktien-Zertifikate kann der Anleger hingegen getrost verzichten, weil die Branche viel zu eng gefasst ist. In einem gut gemanagten internationalen Öko-Aktienfonds ist von vornherein ein gewisser Anteil an Unternehmen aus der Forstwirtschaft enthalten, so dass mit einem solchen Fonds eine vernünftigere Streuung möglich ist. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt: Institutionelle Anleger wie die Universitäts-Stiftungen können ihre hohen Gewinne in erster Linie deshalb erzielen, weil sie direkt und ohne Umwege Wald kaufen, ohne dass teure Fondsmanager und Vertriebe einen guten Teil der Rendite selbst einstecken. Keinesfalls sollten sich private Investoren daher dem Trugschluss hingeben, dass mit den Bäumen die Rendite in den Himmel wächst. Wer das glaubt, ist auf dem Holzweg.

 
Leser-Kommentare
  1. Holz kann eine sehr lukrative Anlage sein. Es gibt dabei viele Kriterien die den Erfolg beeinflussen oder auch verhindern. Holzarten, Modetrends, Wettereinflüsse, Brand, Diebstahl, Schädlinge, technische Weiterentwicklungen, staatliche Regeln, Umweltbewusstein, Käuferverhalten, Währungsschwankungen, Transportmöglichkeiten, Kaufkraftentwicklung, Inflation .... Kann man diese Kriterien alle berücksichtigen in der Prognose? Natürlich nicht und übrigens auch bei keiner anderen Anlage. Also gilt es sich einen fairen und kompetenten Partner für die jeweilige Anlageklasse heraus zu suchen.
    Ich als unabhängiger Finanzmakler habe mich nur für 2 Anbieter im Holzinvestment entschieden und werbe nicht mit 12 % Rendite, sondern setze lieber die Low-Variante heran. Wenn es mehr wird hat noch nie jemand was dagegen gehabt.
    Aber Gier frisst bekanntlich Hirn.
    Wenn es um Sicherheit bei diesen Anlagen geht, dann nur darum, dass mit jedem guten Mix ein Maß an Sicherheit erzielt wird.
    Ernst Haas

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