Mindestlohn 4,50 Euro pro Stunde

Warum wir einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn brauchen - und er viel besser ist als die Plan der Großen Koalition.

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup fordert einen flächendeckenden Mindestlohn in Höhe von 4,50 Euro. Dies solle mit einem umfangreichen Kombilohnmodell verbunden werden, bei dem der Staat Einkommen von Geringverdienern durch Lohnzuschüsse ergänzt, schreibt Rürup in der ZEIT. Die Einführung eines „moderaten Mindestlohns“ sei auch „aus ökonomischer Sicht nicht grundsätzlich schlecht“, betont der Wirtschaftsweise in der ZEIT.

Rürup wirft der Großen Koalition vor, ihre Mindestlohn-Konzepte dienten vor allem als „Hilfe für bestimmte Unternehmen und Branchen, die vor neuen Konkurrenten geschützt werden sollen“. Es entstehe der Eindruck, dass es der Koalition „weniger um die Beschäftigten im Niedriglohnbereich“ gehe, sagt der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Die Spitzen von CDU/CSU und SPD hatten sich diese Woche nicht auf einen Mindestlohn für Briefzusteller einigen können, was zu Ärger in der Koalition geführt hatte. Den kompletten Beitrag von Bert Rürup können Sie am Donnerstag in der gedruckten Ausgabe der ZEIT lesen.

 
Leser-Kommentare
  1. Soll wohl ein Witz sein, 4.50 EUR pro Stunde.Ein Monat hat übrigens keine 200 Stunden, sondern so ca. 180.Dann bleiben nach Ihrer Rechnung noch 1440 EUR brutto, d.h.ca. 1030 netto, davon kann man vielleicht gerade noch so leben.Dass viele Unternehmen sich aufgrund des schon vorhandenen Kombilohnmodelles (ALG II) auf Kosten des Staates bereichern und die Löhne nach Lust und Laune nach unten drücken können, ist ein Skandal (s. Postkonkurrenzunternehmen) und nebenbei machen sie damit die etablierten Unternehmen kaputt.

    • ali-ch
    • 14.11.2007 um 14:34 Uhr

    ich war auch gerade am Rechnen ... hat nicht der Norm-Monat 22 Arbeitstage? (Und damit 176 Stunden?) Mir ist so ...
    Mit dem Kombilohn habe ich auch meine Schwierigkeiten. Das bereits Angesprochene wäre ja schlimm genug. Hinzu kommt aber, dass ein solcher Arbeitnehmer immer noch der Verfolgungsbetreung unterliegt: Er muss immer noch alle paar Monate seine Kontoauszüge vorweisen (Ersparnisse ist nicht; Pech, wenns Auto kaputt geht), seine Wohnungsgrösse, sein Badezimmer (Wieviel Zahnbürsten) und Schlafzimmer (bei Herren: Damenhöschen unterm Bett?) kontrollieren lassen.
    Noch schlimmer, wenn er Familie hat.
     

    • MeIkor
    • 14.11.2007 um 15:41 Uhr

    ein Jahr hat 365 Tage,
    365/12= 30,42 Tage pro Monat
    30,42/7= 4,35 Wochen Pro Monat im Schnitt

  2. Für einen im Niedriglohnsektor Beschäftigten kommt man in der Tat nicht auf 200 Stunden / Monat. Im Gegensatz zu den meisten Höherqualifizierten ist es diesen Beschäftigten schlicht nicht zuzumuten, 10 bis 12 Stunden am Tag zu arbeiten oder mal ein Wochenende durchzuarbeiten. Im Gegensatz zu fast jedem Studenten in Deutschland kann sojemand natürlich auch nicht von weniger als 1000 € netto leben (die meisten Studenten kommen mit gerade mal 500€ aus). Wo kämen wir denn da hin?

    • MeIkor
    • 14.11.2007 um 16:15 Uhr

    Leider haben Sie trotz Ihrer Ironie nur allzu Recht.
    Die betreffende Arbeit ist in Ihrer Form leider meist körperlich und geistig schwer belastend; durch Ihre einseitige Wiederholung, durch körperliche Beanspruchung, durch fehlende Anerkennung, durch geringe Aufstiegschancen, durch geringe Entscheidungsrelevanz/Selbstverwirklichung.
    Dies mit dem gesamtgesellschaftlich subventionierten kurzfristigen Studentendasein zu vergleichen zeugt von schlimmer Ignoranz.
    Dies schreibt übrigens ein Ihrem Bilde entsprechender Student

  3. Dass die ZEIT einem pseudowissenschaftlichen [Dieser Kommentar entsprach leider nicht den Regeln. Bitte unterlassen
    Sie Beleidigungen.
    Die Redaktion / ft] wie dem Rürup ein Forum gibt, reiht sie wieder einmal in die für dumm (ver-)käuflichen Medien ein. Da befindet sie sich in bester Gesellschaft mit der Süddeutschen und den lächerlichen Aquariumsgesprächen mit Sinn.Es gibt da diese herrlich entlarvende Werbestory für die private Rentenversicherung und den Finanzdienstleister AWD in der SUPERillu, wo Rürup und Riester mit dem AWD-Chef Händchenhalten spielen.Wie unglaublich platt und falsch die Gutachten des Sachverständigenrates zudem sind, deren "Oberweiser" Rürup ist, hat sehr gut u.a. Thomas Fricke in der Financial Times Deutschland offengelegt.Hinlänglich zu dem Thema wird auf den NachDenkSeiten berichtet. Einen Mindestlohn so anzusetzen, dass er erst mit einem staatlichen Kombilohn zu einem existenzsichernden Einkommen führt, ist reine Subventionierung der Löhne für die Unternehmen. Sind solche Strukturen erst einmal eingeführt, bedienen sich noch mehr Unternehmen der Dumpinglohnmethode, die nun schon über den Quasi-Kombilohn mittels AlG II möglich ist. Von einem vernünftigen makroökonomischen Konzept ist das Lichtjahre entfernt. Die Binnennachfrage wird mit wachsendem Lohndumping weiter abnehmen, da die Kaufkraft der stärker konsumorientierten Einkommen noch drastischer absinken wird. Die Binnenwirtschaft wird somit weiter geschwächt. Arbeitsplätze werden in den Branchen, die überwiegend für den Binnenmarkt produzieren(und das sind die meisten), verloren gehen.Der unternehmerische Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, wird durch den chronischen Rückgang an Massenkaufkraft der konsumorientierten Einkommen immer weiter zugunsten der Großindustrie und der Exportwirtschaft geschwächt, die von Dumpinglöhnen ausschließlich profitieren. Dieser Trend ist nicht neu und ist zuletzt durch die jüngste Unternehmenssteuerreform weiter vorangetrieben worden. Die Zahlen, die diesbezüglich in Zeiten eines sogenannten Aufschwungs  für die Binnennachfrage vorliegen, sind bereits alarmierend. Allen Ernstes reden Bundeswirtschaftsminister Glos und auch der Sachverständigenrat und somit Rürup davon, dass im nächsten Jahr der Aufschwung durch die dann einsetzende Binnenkonjunktur fortgesetzt werden könnte. Reines Wunschdenken, wie wir sehen werden. Interessant wird nur sein, wie der Abschwung erklärt werden wird. Kann man den Menschen hierzulande dann vormachen, dass die Verlängerung von AlG I dafür verantwortlich ist? Mal sehen, ob die ZEIT sich dann an einer solchen Kampagne beteiligt.Festzuhalten bleibt, dass eine geradezu selbstmörderische volkswirtschaftliche Politik betrieben wird, in die sich die Forderung eines kaum existenzsichernden Mindestlohns nahtlos einfügt. Aufschlussreich zu der Frage des Post-Mindestlohns und auch darüber, wie heutzutage hierzulande Politik funktioniert, ist ausnahmsweise ein Artikel der FAZ: "Kein Mindestlohn bei der Post".  Don't get brainwashed: www.NachDenkSeiten.de

    • Manul
    • 14.11.2007 um 16:39 Uhr

    Der Kombilohn an sich ist zwar kein schlechter Ansatz, ist und bleibt trotzdem eine total beknackte Idee, weil... wer zahlt letztendlich für die Kombilöhne ? Richtig. Der Steuerzahler. Und angesichts der Umsätze einiger Unternehmen ist das schwer zu verstehen warum man aus Steuergeldern Arbeitsplätze bezuschussen soll, weil die jeweiligen Unternehmen sich davor drücken den Menschen anständige Gehälter zu bezahlen. Noch weniger zu verstehen ist es, warum gewählte Volksvertreter sich so sehr davor wehren mit diesem Lohndumping endlich mal Schluss zu machen und dafür zu sorgen, dass Menschen von ihrer Arbeit auch leben können. Am dollsten finde ich aber immer das Argument, dass die Wirtschaft unterm Mindeslohn leiden müsste - und da stellt man sich gleich direkt zwei Fragen. Leiden denn die Arbeitnehmer nicht darunter, wenn sie Sozialfälle sind, trotz Arbeit ? Und wieso bricht die Wirtschaft nicht in den Ländern zusammen, die einen Mindestlohn haben ? - Und das sind mittlerweile fast alle EU-Länder, bis auf ein paar Ausnahmen, wo selbst in mancheinem osteuropäischen Land Mindeslöhne gelten. Das Gegenteil ist der Fall, höhere Löhne bedeuten nämlich auch, dass der Konsum steigt und das hilft letztendlich wieder nicht nur der Wirtschaft, sondern auch dem Staatshaushalt durch höhere Steuerabgaben. Ökonomen aber denken kurzfristig, von Politikern sollte man allerdings schon etwas mehr Weitsicht erwarten können...     

  4. Nach Adam Riese ergeben 4,50 € Studenlohn monatlich, also mal 165 Stunden, einen Bruttolohn von 742 €, davon müssen mindestens 150 € (20%) für die Abgaben an die Sozialversicherung abgezogen werden, damit blieben netto 592 €, falls dieser Lohn nicht noch der Lohnsteuer unterliegt. Ein ALG II-Empfänger (ledig, keine Kinder) erhält aber mindestens 647 € netto (347 Regelsatz plus bis zu 300 € Wohngeld), alle Sozialversicherungen dazu kostenlos. Wenn also eine Gleichheit zwischen dem nicht arbeitenden ALG II-Bezieher und dem Mindestlohnbezieher bestehen sollte, müsste Letzterer mindestens einen Bruttolohn in Höhe von 647 € plus 160 € (Sozialversicherungsabgaben = 20 %), also 807 € erhalten. Das wäre aber dann ein fiktiver Mindestlohn von 807 € dividiert durch 165 Monatsstunden =  ca. 4,90 €. Zugleich wird man einräumen müssen, dass jemand, der arbeitet, schon etwas mehr haben sollte als der, der nicht arbeitet, vor allem, wenn man unterschiedliche Familienkonstellationen (verheiratet, mehrere Kinder) berücksichtigt, die das ALG II erheblich höher ausfallen lassen. Deshalb wird es mit einem GENERELLEN MINDESTLOHN, der die durchschnittlichen Lebenssachverhalte in etwa richtig abdeckt, nicht unter der Grössenordnung von 7,50 € je Stunde gehen. Zum wirklichen Leben wird das immer noch eher das Minimum minimorum sein. In Frankreich und Grossbritannien, wo die Lebenhaltungkosten vergleichbar hoch sind, liegt der Mindestlohn deshalb vernünftiger Weise auch oberhalb von 7,50 €.Richtig am Konzept ist, dass man einen EINHEITLICHEN MINDESTLOHN als sittlich und moralisch gebotene Lohnuntergrenze querbeet durch alle Branchen vorschlägt, denn der mit dem Entsendegesetz geschaffene absurde Flickenteppich unterschiedlicher Mindestlöhne für einzelne Branchen ist weder intellektuell nachvollziehbar, noch funktionsgerecht und der grundlegenden Idee der Mindestlohn-Regelung widersprechend: eine unterste sittlich und moralisch gebotene Lohngrenze zu definieren, die den Lohnbezieher in den Stand setzt, von seiner Hände Arbeit auch LEBEN zu können. Eine so richtig verstandene Mindestlohn-Regelung überliesse es korrekter Weise dann auch den Tarifpartnern, durch Tarifverträge darüber hinausgehende Tariflöhne auszuhandeln. Die SPD-Strategie mit der Ausdehnung des Instruments des Entsendegesetzes liefert dagegen eine nicht kontrollierbare und keineswegs gerechtfertigte staatlich sanktionierte Lohnhierarchie verschiedener Branchen: die Bauarbeiter als Luxusvariante bei ca. 15 € je Stunde, die Gebäudereiniger bei 8 € je Stunde usw. usw. bis zu den Friseurinnen bei 4,50 € je Stunde. Die vernünftige und pragmatische Lösung liefern also unsere Nachbarn Frankreich und Grossbritannien mit ihren GESETZLICHEN EINHEITLICHEN MINDESTLÖHNEN und es wäre tausendmal klüger, diesem Modell zu folgen als sich wieder einen absurden "deutschen Sonderweg" auszudenken. Dieser generelle GESETZLICHE Mindestlohn böte dann auch die Einführung eines Kombilohns in gesellschaftspolitisch besonders förderwürdigen Bereichen, in denen die Zahlung des Mindestlohnes von den Nachfragern nicht gezahlt werden kann, wie u.a. in der Pflege, bei der Kinderbetreuung usw. Diese Bereiche müssen aber ganz eng gefasst werden, auf keinen Fall wäre es akzeptabel, wenn Steuerzahler die zu billige Haarfrisur von Gutverdienern subventionieren müssten, weil Friseurinnen zu ihrem Lohn von 4,50 € je Stunde noch ALG II aus Steuermitteln erhalten. Also bitte Mut zur allein richtigen Lösung: zum EINHEITLICHEN GESETZLICHEN MINDESTLOHN, aber höher als Rürup und so hoch, dass das unsinnige und unkontrollierbare Aufbessern mit ALG II aus Steuermitteln endlich ein Ende hat.

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