Koalition Wahlkampfstimmung

Ein wenig macht sich auch die Union Sorgen über die Zeit ohne Müntefering. Eigentlich aber freut sie sich an der neu gewonnenen Stärke. Ein Kommentar

War Franz Münteferings Rücktritt auch für die Union ein Schock? Auf den ersten Blick könnte es so aussehen. Immerhin sei er „ganz sicher ein stabilisierender Anker der Koalition“ gewesen, sagte der Chef der CSU-Landesgruppe Peter Ramsauer. Auch Angela Merkels knappe öffentliche Reaktion lässt sich in diese Richtung deuten. „Müntefering war ein Stabilisator. Er stand für Vernunft in der SPD“, sagte sie.

Gleichzeitig mühte sich die Union auch am Tag danach, den Eindruck zu erwecken, die Personalie stelle kein Problem für die gemeinsame Arbeit dar. „Die Regierung ist in keinster Weise beeinträchtigt“, sagte Volker Kauder, der Chef der Unionsfraktion. Die unsinnige Steigerung der Steigerung legt allerdings den Schluss nahe, dass wohl eher das Gegenteil der Fall ist.

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Auch die Unionsleute wissen, dass das gemeinsame Regieren nun schwieriger wird. Zu Beginn der zweiten Halbzeit der Legislaturperiode und vor wichtigen Landtagswahlen beginnt eine völlig andere Phase der Großen Koalition. Müntefering stand für fachliche Politik, für sperrige aber wichtige Themen wie Mindestlohn, Arbeitslosengeld oder Rente mit 67. Erklärtermaßen hat er die Parteiarbeit der Regierungsverantwortung untergeordnet. Er war damit nicht nur machtpolitisch ein Anker der Koalition. Müntefering war einer der Garanten für inhaltliche Arbeit, für Substanz.

Nun ist er weg. Mit ihm, so scheint es, verschwindet auch der letzte Wille der Koalitionspartner, sich inhaltlich zu einigen, worüber auch immer. Es beginnt der Wahlkampf, das Ringen um künftige Machtverhältnisse. Ein Beleg dafür ist die Entscheidung von SPD-Chef Kurt Beck, andere die Lücke füllen zu lassen und selbst in Mainz zu bleiben. Von dort kann er die Vorschläge der Union geißeln und sich von ihnen absetzen.

Ist das aus Sicht der Union nun schlimm? Äußerungen von Unionspolitikern könnten das vermuten lassen. Bei dem einen oder anderen klingt es, als mache ihm das durchaus Kopfzerbrechen. „Es besteht jetzt Anlass zur Sorge, dass sich der mit dem SPD-Parteitag eingeleitete Linksruck bei der SPD ohne Franz Müntefering in seinen bisherigen Funktionen noch weiter verfestigen und verstärken wird“, sagte beispielsweise Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU). Dieses Absetzen der SPD aber wird nicht ohne Rückwirkung auf die Regierungsarbeit oder eben -nichtarbeit bleiben.

Vermutlich aber ist man bei CDU und CSU auch gar nicht so traurig über die Entwicklung. Wie sonst ist es zu erklären, dass die CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel einen nicht unerheblichen Anteil an der Entfremdung und Spaltung hat? Immerhin galt das Verhältnis zwischen ihr und Müntefering lange Zeit als zentrale Säule der Regierung.

Leser-Kommentare
    • M. Rei
    • 14.11.2007 um 19:58 Uhr

    "Da fällt es dann kaum noch auf, dass die Union in Wahrheit auch keine eigenen Pläne zur Gestaltung des Landes hat."Ich sehe da eindeutig einen Plan. So handelt es sich zwar nicht um eine Neu-"Gestaltung" der aktuellen Politik aber die Union versucht die begonnene Politik der Agenda2010 weiter zu führen. Die Union profiliert sich gerade als die Partei als die sie gerne gesehen werden würde. Durch den Linksruck der Sozialdemokraten und die ständigen Personalwechsel in der Führung steht die Union quasi fast ohne Nichtstun als die standhafte geradlinige Partei der Mitte da. Also sollte man der Union wenigstens dies anrechnen!

  1. Vor einiger Zeit pflanzte Jemand mit dem Agenda 2010 einen Apfelbaum in des Deutschen Garten. Dieser Apfelbaum sollte einmal Schutz spenden und eine sichere Lebensgrundlage schaffen. Der Baum hatte jedoch nur zwei Jahre Zeit zum Wachsen und die Menschen erwarteten doch so viel von ihm, diesem Baum. Niemand wollte warten, bis der Baum gedeiht und Früchte trägt wie auch Schatten spendet... Drumm musste der Gärtner gehen und ein neuer wurde eingestellt! Jedoch traute man diesem nicht so 100-prozentig das Hegen und Pflegen des Baumes zu, wodurch es zu einer Partnerschaft von neuem Gärtner und alter Belegschaft kam. Fortan sollten die schon Eingearbeiteten den Zukünftigen den Umgang mit dem den Deutschen so wichtigen Apfelbaum lehren. Die Neuen arbeiteten gut und bemühen sich stets das Richtige zu tun....dann und wann noch ein paar Ratschläge von links... aber der Baum trägt Früchte und wächst und gedeiht zu des Deutschen Zufriedenheit.
    Jetzt ist auch der letzte aus dem Team, was einstmals den Spartenstich wagte, verschwunden und das neue Team hat alle Verantwortung auf eigenen Schultern... Jetzt heißt es das Gelernte anzuwenden. Viel Glück!

  2. Wer getreu seiner eigenen Logik handelt hat hinterher immer alles richtig gemacht und wird deshalb natürlich keinen Umschwung erkennen können, der jetzt jedoch in der Luft liegt, denn die Menschen in Deutschland wollen natürlich nichts von einer "Neuen Nationalsozialistischen Marktwirtschaft" wissen, die gerade von den Unionsparteien auf den Weg gebracht wird.

    Da die SPD dies erkannt hat und sich nicht noch einmal von Konservativen links überholen lassen will, die damit insgeheim nur einen Vernichtungsfeldzug gegen den Mittelstand vorbereiten, hat sie auf Opposition umgeschaltet.

    Das wird ihr auf längere Sicht gesehen nützen, denn die Kanzlerin kann sich ja auch nicht mehr hinter Müntefering verstecken. Ihr Kalkül, Müntefering noch ein Jahr lang langsam zermürben zu können, ist jedenfalls nicht aufgegangen.

    Die SPD wird die soziale Kälte der Kanzlerin neu thematisieren können und da macht es gar nichts aus, dass Steinmeier dabei nicht mitmachen muss. Denn wenn der Aufschwung nächstes Jahr zu Ende gehen sollte, dann wird die Union nichts mehr in der Hand haben, womit sie den Menschen noch mehr Opfer abverlangen könnte. Das Merkelmärchen von der unfähigen Vorgängerregierung  kann dann ad acta gelegt werden.

    Das Glück, das Merkel bisher hatte, lässt sich nun einmal nicht überstrapazieren.

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