Bevor Martin seine Heroinsucht mit Diamorphin bekämpfen konnte, wog er nur 48 Kilo, bei einer Größe von 1,70 m. Verdrecktes Straßenheroin machte ihm zu schaffen, sein Körper war übersät mit kleinen Abszessen und es dauerte meist Stunden, bis er sich einen Schuss setzen konnte, berichtet Martin auf der Homepage des Hamburger Zentrums für interdisziplinäre Suchtforschung. Die Einrichtung begleitet eine bundesweite Studie, die den Einsatz des künstlichen Heroins bei Schwerstabhängigen untersucht.

Eine gesetzliche Regelung wäre für Schwerst-Heroinabhängige im Kampf gegen die Sucht eine Rettung. Ginge es nach den Ländern Hamburg, Hessen, Niedersachen und Nordrhein-Westfalen, würde die Abgabe bald zum Gesetz werden. Bereits im September diesen Jahres hatte der Bundesrat einem Gesetzentwurf zugestimmt, der Schwerst-Heroinabhängigen unter strenger ärztlicher Aufsicht erlaubt, das synthetische Heroin Diamorphin zu konsumieren.

Die vier unionsgeführten Länder wurden dafür aus den eigenen Unionsreihen heftig kritisiert. „Es geht hier um die Enttabuisierung einer harten Droge“, sagte die drogenpolitische Sprecherin der CDU/CSU Maria Eichhorn den Gesetzentwurf vor der Abstimmung im Bundesrat.

Nach langem Hin und Her verkündete am Mittwoch der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, das Bundeskabinett habe sich der Position des Bundesrates angenommen, der Entwurf werde nun dem Bundestag vorgelegt. Der Streit ist damit aber noch nicht beigelegt. Das Ergebnis sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD) zu ZEIT online .

Vertreter der CDU sehen in der Stellungnahme lediglich das Aufwerfen von Fragen, die dringend zu klären seien. „Ich würde einer gesetzlichen Regelung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zustimmen“, widerspricht daher auch der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn. Die Zugangsmöglichkeiten zum Ersatz-Heroin seien ebenso wenig geklärt, wie die Frage nach weiterführender sozialer Betreuung der Abhängigen. „Solange diese Fragen offen sind, wollen wir eine neue Studie haben“, sagte der CDU–Abgeordnete ZEIT online .

Immerhin sind die Ergebnisse einer seit 2002 laufenden Studie in sieben deutschen Städten positiv. Rund 1000 Heroinabhängige bekommen statt der Ersatzdroge Methadon das synthetisch hergestellte Heroin verabreicht. Zweimal am Tag können sich die Probanden in speziellen Einrichtungen eine Dosis Diamorphin spritzen. Bei rund 80% der Teilnehmer zeigte sich schon nach kurzer Zeit eine deutliche gesundheitliche Verbesserung. "Alle Ergebnisse zeigen in die gleiche Richtung", sagt der Leiter des Hamburger Suchtforschungszentrum Prof. Dr. Christian Haasen. Seit Beginn des Diamorphin-Programmes sei die Zahl der Drogentoten in Hamburg um ein vielfaches zurückgegangen. Mehr noch: Viele der Abhängigen können nach Jahren des Beschaffungsdruckes erstmals ein halbwegs normales Leben führen.