Montagskolumne Der Gaul vor dem HindernisSeite 3/3
In der Politik ist es wie beim Springreiten. Wenn ein Gaul den Sprung über eine Hürde verweigert, dann kann schon mal der Reiter kopfüber aus dem Sattel fliegen. Mit den Personalentscheidungen in der vergangenen Woche haben die Sozialdemokraten eine große Chance vertan. Denn mit der Aufteilung von Sach- und Machtfragen auf drei Personen wird das Bild der Partei unklar bleiben. Es sieht eben alles eher nach Platz denn nach Sieg aus. Und damit nach dem Fortbestand der Großen Koalition über das Jahr 2009 hinaus. Denn was sollten die Unionsparteien sonst anstreben, angesichts eines, wie abzusehen, Bundestages mit fünf Parteien? Andere Mehrheiten als die jetzige lassen sich aus heutiger Sicht für die Union nur mit Mühe vorstellen.
Das wiederum ist kein beruhigender Gedanke. Denn eine innerlich zerrüttete und deshalb nur bedingt handlungsfähige Große Koalition ist keine gute Perspektive für Deutschland, vor allem wenn wir über 2009 hinausblicken.
Mit Joschka Fischer beginnt Montags um 9:00 Uhr die politische Woche auf ZEIT online.
- Datum 19.11.2007 - 02:24 Uhr
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Zwischen den beiden Ereignissen (Ablehnung Mindestlohn und Rücktritt Münteferings) besteht kein Zusammenhang? Das ist ein Glaubensbekenntnis und keine Tatsache. Ein Manöver, die Gleichheit von Union und SPD zu vertuschen. Und Freund Seppl steigt mit ein. Hoffentlich verschwindet die Fratze bald von der ersten Seite.
Dieser Lagebeschreibung kann ich voll zustimmen! Ich wundere mich, dass die SPD Merkels Umfaller und Wortbruch nicht mehr publizistisch ausschlachtet. Vielleicht fehlen ihr aber dazu einfach die Medien, denn "das Merkel" ist ein Kunstprodukt das von der Springer- und Bertelsmann-Lobby im Amt hochgejubelt wird. Für die SPD kann es nur eine Strategie geben, die Attacke! Sie hat nichts zu verlieren, kann nur gewinnen und deshalb muss es heissen: Raus aus der GroKo und zwar sofort! Noch vor den Landtagswahlen im kommenden Frühjahr, bei denen sie sonst das Risiko läuft, abgestraft zu werden. Beck könnte auch ausserhalb des Kabinetts zum Angriff blasen, besser sogar, diesen einen Punkt sehe ich anders als Herr Fischer, dessen Beitrag, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, eine deutliche Steigerung zur Premiere war und die Appetit auf mehr macht ...
Interessante Gedanken.Joschka Fischer sieht also die Chance der SPD in einer stärkeren linken Profilierung und in einem klareren Kurs.Er sieht Fehler, die Schröder darin gemacht hat.Würde mich nur noch interessieren, ob er auch eine Annäherung an die Linkspartei befürworten würde oder ob er eine Ampel in zukünftigen Konstellationen bevorzugen würde.Diese ganzen strategischen Überlegungen aus der Sicht eines Insiders und Profis sind sehr aufschlussreich.
... hat fertig. Das ist nicht neu. Aber warum räsoniert Fischer
nicht über sein eigen 'Fleisch und Blut', den Grünen?
Da holt er erst mal tief Luft der Herr Professor und presst
in geistiger Wehe. Und schon piepst eine kleine Metapher ans Licht der Welt. Richtig
ist diesmal, dass es in manchen Breiten des Vaterlandes Novembernebel hat. Hat
unsereins in der Schule gelernt. In diesem Nebel stolpert der Kolumnist über
den ersten vehementen Gemeinplatz: Müntefering ringt ihm „Respekt“ ab. Wenn das
keine Sensation ist. Man gähnt bis sich eine weitere Metapher den Weg ans Licht
bahnt: Frau Merkel „fährt“ eine steile Linkskurve, analysiert der Kolumnist. Warum
lässt er sie nicht fliegen? Und gleich drauf kreiert Professor Fischer die „Anpassung
an die Macht der Verhältnisse“. Darin verbergen sich wie „Putinoff“ dreifach
destilliert schwergewichtige innere philosophische Diskurse. Man ahnt, welche Trivialität er mich
weiter wabernden geistigem Novembernebel umhüllen möchte. Die tiefsten Einsichten werden erst am Schluss der Kolumne
preisgegeben: In der Politik sei es wie beim Springreiten. Wenn ein Gaul den
Sprung über eine Hürde (!) verweigere, dann könne schon mal der Reiter kopfüber
aus dem Sattel fliegen. Na so was! Warum kommt nach dem montäglichen 9Uhr-Fanfarenstoß der ZEIT
nicht z.B. die ganz simple Idee, dass
eben die „Große Koalition“ nach der nächsten Bundestagswahl allein aus dem
Grunde nicht mehr fortbestehen wird, weil sie nicht mehr „groß“ sein wird. Punkt!
Aus! Ende! Selbst die sentimentalsten Sozialdemokraten werden angesichts
des zu Tränen rührenden Personalpanoptikums der derzeitigen SPD zurückschrecken
und lieber gleich das satirische Original, nämlich Westerwelle, wählen. Gut, der Artikel war etwas besser redigiert. Ohne ganz große
Schnitzer. Aber er fasziniert noch immer eher durch prominente Tollpatschigkeit
als durch journalistisches TalentIch freue mich auf den nächsten Filserbrief
Nachdem Herr Fischer doch ein Jahr in USA war, wäre es doch schön, er schriebe seine - wie Sie es zu nennen beliebten - Filserbriefe in englisch. Damit könnte eine schöne, erheiternde Tradituon de SZ wieder aufgegriffen werden. Und Deutschland könnte den Montagmorgen und damit den Wochenbeginn mit einem fröhlichen Lächeln begehen. And as our earlier foreign-minister has a good shot of humour and on the other side is as a man of knowledge really heavy on wire, I would expect heavyweighing analyses in things of international togetherhangings .
.. für die interessante Analyse zur deutschen Innenpolitik. Darauf habe ich gewartet. Und ich wüste nicht, was es daran auszusetzen gäbe. Das er die Grünen nicht erwähnt hat, liegt einfach daran, dass diese hierbei (leider!) so garkeine Rolle spielen.
Schade, dass sich einige Kommentatoren hier nicht von ihren Schwarz/Weiß-Betrachtungen trennen können.
Gut, er war bei den Grünen ein Realo. Das ist so etwas wie Steinbrück in der SPD.Gut, er saß dem großen Bruder verdächtig lange und harmonisch auf dem Schoß. Aber die Schnittmenge zum Programm der SPD dürfte nach wie vor beträchtlich sein. Seine Unschuld hat er schon vor langem verloren, irgendwo auf dem Balkan. Er ist fraglos kriegstauglich, das müsste die Amis auch besänftigen. Wenn ich mal so 'rumspinne, dann könnte er vermutlich mehr Stimmen ziehen als ein Beck oder ein Steinmeier. Mit den Grünen ist er vermutlich fertig, zumindest sind die es mit ihm. Die Linke hat schon zwei begnadete Entertainer, das wäre wirklich zu viel des Guten ;-))
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