Bahnstreik Volles Risiko
Die Bahn schaltet auf stur, die Lokführer drohen mit unbefristeten Streiks. Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma? Ein Gespräch mit dem Konfliktforscher Carsten Giersch
ZEIT online:
Herr Giersch, der Konflikt zwischen den Lokführern und der GDL eskaliert, weil sich die Parteien nicht aufeinander zubewegen. Gibt es dafür noch eine rationale Erklärung?
Giersch: Ja, wenn man bedenkt, dass wir es längst nicht mehr nur mit einem Streit um Interessen zu tun haben. Es geht um den Status der Parteien – und der ist in Gefahr. Für die GDL geht es um alles oder nichts. Gibt sie nach, ist sie erledigt, gewinnt sie hingegen, ist sie für Jahre als Gewerkschaft attraktiv. Das ist der Grund für ihre Entschlossenheit.
ZEIT online:
Das erklärt die kompromisslose Haltung der GDL, nicht die der Bahn.
Giersch:
Die Bahn hat die GDL anfangs unterschätzt. Jetzt hat sie Positionen formuliert, die sie nur schwer widerrufen kann. In der Konfliktforschung spricht man von einem Lock-In. Das ist eine Verhandlungsposition, die deshalb fix ist, weil man sie nicht mehr ohne Gesichtsverlust aufgeben kann. Genau das fürchtet aber Mehdorn. Der Konflikt ist an einem Punkt angekommen, wo die Bahn gezwungen ist, ihn aufzunehmen.
ZEIT online:
Eine verfahrene Situation.
Giersch:
Ja. Spieltheoretisch gesprochen handelt es sich um ein „Chicken-Game“. Man kann sich das wie eine Straße vorstellen, auf der sich zwei Autos entgegen kommen. Die Straße ist aber nur breit genug für ein Fahrzeug. Die Akteure stehen jetzt vor der Wahl: Bleiben sie auf dem Gaspedal und hoffen, dass der andere rechts ranfährt, oder weichen selbst aus? Das Fatale an dem Konflikt zwischen Bahn und GDL ist nun, dass beide Parteien volles Risiko gehen, weil jedes Nachgeben dazu führt, dass die andere Partei besser wegkommt. Deshalb knallt es jetzt.
ZEIT online:
Für die Bahn kann das doch keine günstige Strategie sein. Den Schaden trägt schließlich sie.
- Datum 16.11.2007 - 06:27 Uhr
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mit kleinen Splittergewerkschaften so weitergeht, dann wird eines Tages eine deutsche Maggie Thatcher kommen und aufräumen. Armes Deutschland ...
Der Streik der GDL ist gerechtfertigt. Ich bin zwar selbst genervt durch die Wartezeiten, bin aber zu 100% solidarisch mit den Streikenden.Die Unbeugsamkeit GDL ist hoffnungsvoll, angesichts angepasster Gewerkschaften, die kaum noch ihren Namen verdienen.Ich hoffe, sie wird nicht aufgeben und Ihr Anliegen in vollem Umfang durchsetzen.
brunhilde03Hoffentlich halten die Streikenden durch. Für die Arbeitnehmer Deutschlands wäre ein verlorener Streik ein fatales Signal.Bei all der laufenden meist "Anti Streikenden Berichterstattung" übersieht man, dass die Bahn im Gegensatz zu der von ihr abhängigen Wirtschaft mit Ihrer Schenker Deutschland AG ein riesiges Zusatzgeschäft mit dem Streik macht. Mit uns Pendlern Krokodilstränen heulen und den Gewinn gleichzeitig auf unserem Rücken maximieren. Als Quelle für diese Information habe ich Ihnen die Unternehmensvorstellung von Schenker Deutschland kopiert. Sicher ist das auch der Grund, warum der Bahnvorstand so mitleidlos mit der deutschen Wirtschaft umgeht. Der Streik sorgt hier für eine Bahnkonjunktur. Der Rest kann untergehen. Peinlich aber war, so wie Mehdorn agiert, arbeiteten früher im Osten die "Kombinatsfürsten", vorn Parteibuch, hinten Eigennutz:"Schenker ist einer der weltweit führenden integrierten
Logistik-Dienstleister. Das Unternehmen bietet Landverkehr, Luft- und Seefracht
sowie umfassende logistische Lösungen und globales Supply Chain Management aus
einer Hand. Schenker gehört zu DB Logistics, dem Ressort Transport und Logistik
der Deutschen Bahn AG."Lassen Sie diese Zeilen auf sich wirken.
... bekommt eigentlich ganz schnell die Rote Karte!Mehr hierzu siehe: http://politikstatements.... . Bitte um Verständnis, ich habe keine Lust mich zu wiederholen.Viele GrüsseBernhard Schülke
... müssen wir dann damit rechnen, dass die Bahn künftig das ganze Jahr über bestreikt wird? Im Januar die Gleisarbeiter, im Februar die Leute aus dem Stellwerk, im März dann das Schalterpersonal, im April die Techniker aus der Instandhaltung, im Mai streiken die Putzfrauen, im Juni die Zugbegleiter, im Juli geht nichts mehr weil die E-Werke der Bahn bestreikt werden, im August treten zur Abwechslung dann mal die Verwaltungsangestellten in den Ausstand, im September ...Meine Prognose daher: Die GDL hat keine Chance ihre abstrusen Forderungen durchzusetzen. Die Bahn muss diesen Konflikt bis zum bitteren Ende aussitzen, und wenn er sich noch über Monate hinziehen wird.
Seit etwa 15 Jahren wird Deutschland überschüttet von neoliberaler Propaganda.
Das Lied kennen wir auswendig: Alles muß privat sein, alles muß sich rechnen, alles muß schlank, flexibel, leistungfähig sein, "überflüssige" Arbeitsplätze müssen abgebaut werden. Arbeitskraft ist eine Ware und unterliegt dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wenn die Arbeitskraft in China billiger ist, wird eben dort produziert. Deswegen müssen die Deutschen lernen, ihre Faulheit, Trägheit und ihr Sicherheitsbedürfnis zu überwinden. Die Gewerkschaften sind verknöcherte Dinosaurier, viel zu groß und realitätsfremd.
Das ist das Lied von dem "Ruck, der durchs Land gehen muß".
Das Bemerkenswerteste am jetzigen Bahnstreik ist aber, daß die GDL sich all das erfolgreich zu eigen gemacht hat. Sie hat nur den Spieß umgedreht.
Wenn Lokführer keine Beamten mehr sind, dürfen sie eben streiken!
Wenn "überflüssige" Arbeitskräfte abgebaut werden, dann können die dringend benötigten, qualifizierten Facharbeiter und -angestellten eben deutlich mehr verlangen!
Wenn die Lokführer in China billiger sind, dann fahrt doch einfach mit der chinesischen Eisenbahn!
Wenn das weltweit strömende Unternehmerapital so flexibel, dynamisch und risikobereit ist, wieso ist es dann eine Katastrophe, wenn die S-Bahn einmal ausfällt?
Wenn die alten Gewerkschaften zu groß, leistungsfeindlich und solidaritäts-duselig waren, dann freut euch doch über die GDL: Die ist jung, klein, dynamisch und empfindet auch keine übertriebene Solidarität mit dem Rest der "Arbeiterklasse".
Oder kurz gesagt: Wenn Arbeitskraft nur eine Ware ist, warum sollte man dann diese Ware unter Wert verkaufen?
Ich bin auch der Meinung, das die Bahn daran festhält, der GDL nicht die geforderten 31% sowie den eigenen Tarifvertrag zu erteilen. Auch wenn immer wieder behauptet wird, das die Bahn lieber die Lohnerhöhungen zahlen soll, weil das dann billiger ist als weitere Streiks. Das stimmt vielleicht kurzfristig, langfristig gesehen aber nicht. Und den meisten Schaden von den Streiks haben doch wir Bahnnutzer (Pendler, Unternehmen usw.) Sollen wir jetzt für die Lokführer sammeln gehen, damit endlich Schluß ist mit Streiks? Doch nicht wirklich oder?
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