Weblogs Ausgezeichnete Meinungsfreiheit
Sprachbarrieren überwinden, Freiheiten fördern: Der Best of the Blogs-Award der Deutschen Welle feiert die Blogosphäre - und findet international immer größere Beachtung.
Jedes Jahr setzt sich die Deutsche Welle aufs Neue ein hohe Ziel. Der Auslandsrundfunk prämiert die besten unter allen Weblogs - im gesamtem World Wide Web. Für zehn verschiedene Sprachräume und fünf globale Kategorien gibt es Auszeichnungen, die Jury ist international und hochkarätig besetzt: In der weltweiten Blogosphäre gilt der Best of Blog-Award mittlerweile als einzigartiger Versuch des Brückenschlags zwischen den Kulturen.
Blogs sind dabei primär eine Veröffentlichungstechnik. Sie ermöglichen jedem, seine Meinung oder Beobachtungen im Netz zu veröffentlichen und zu diskutieren, und das ohne irgendwelche Vorkenntnisse. Aus dieser einzigartigen Möglichkeit ist eine Informations- und Diskussionskultur entstanden, die sich quasi jeder Kontrolle durch Regierungen und Diktaturen entzieht. Und so findet man in manchen Weblogs heute das, was in offiziellen Medien oft unterschlagen wird: Die Wahrheit. Während Blogger in Industrieländern wie den USA, Deutschland oder Frankreich eher mit der Privatwirtschaft aneinander geraten, riskieren sie zum Beispiel im Iran, in China und weiten Teilen der arabischen Welt ungleich mehr als nur ihren Kontostand.
Und so ist die jährliche Bekanntgabe der Preisträger in Berlin immer auch eine politische Ansage. "Wenn in Ägypten ein Blogger inhaftiert wird, gibt es Solidarität in der gesamten panarabischen Blogosphäre," sagt der jordanische Blogger Ahmad Humeid. Er saß in Berlin als Vertreter des arabischen Sprachraums in der Jury. Auch in Europa, in Weißrussland, ist die Redefreiheit stark eingeschränkt. Von dort kommt das Weblog, das die Jury für das weltbeste hält: Im Foto-Griffoneurei zeigt die 23 Jahre alte Weißrussin Xenia Awimova Fotos - und nichts als Fotos. Die Bilder stammen aus Awimowas Heimatstadt Minsk und deren Umgebung. Obwohl die Fotografin nach eigener Aussage keine politischen Ziele mit Foto-Griffoneurei verfolgt, dokumentieren ihre Aufnahmen den Alltag einer Diktatur so eindrücklich, dass es nicht mehr vieler Worte bedarf.
Vieler Worte bedient sich dafür Cedric Kalonji, der Gewinner des französischsprachigen Preises: er bloggt über die aktuellen Geschehnisse in der Demokratischen Republik Kongo . Er zeichnet die immensen Probleme eines Landes auf, in welchem das Interesse der Weltgemeinschaft nur im Fall größter Katastrophen spürbar wird.
Frei von Problemen ist aber auch das Leben in politisch stabilen Ländern nicht: Die Gewinnerin im deutschen Sprachraum, Christiane Link, schreibt in ihrem Weblog Behindertenparkplatz über die ganz alltäglichen Erlebnisse einer Rollstuhlfahrerin. Die Journalistin beschreibt die Hindernisse, die ihr und anderen Behinderten in den Weg gelegt werden, und schildert schöne oder weniger schöne Begegnungen mit ihren Mitmenschen.
Insgesamt waren 150 Blogs für die 15 Preiskategorien nominiert , keiner der Sieger konnte die Auszeichnung persönlich entgegen nehmen. Unter den Anwesenden auf der Preisverleihung in Berlin wurde dennoch heftig debattiert. So glaubt der amerikanische Videoblogger Andrew Baron an die demokratische Qualität von Blogs, Podcasts und Videoblogs. Seine Show Rocketboom war Vorbild für die in Deutschland bekannte Show Ehrensenf. Noch seien Baron die Möglichkeiten aber selbst in den USA nicht ausgereizt: Baron träumt davon, seine Show irgendwann nicht mehr über Werbung finanzieren zu müssen - sondern von kleinen Spenden seiner Zuschauer leben zu können.
Der jordanische Blogger Ahmad Humeid freut sich über den Meinungspluralismus im Internet und dass nun weniger die Staatsgrenzen sondern eher sprachliche Hürden die Öffentlichkeit bestimmten. Er selbst bloggt vorwiegend auf englisch, doch für den arabischsprachigen Raum sei trotz relativ weniger Internetnutzer ein wichtiger neuer Informations- und Diskussionskanal entstanden. Natürlich könnten Blogs dabei auch von Extremisten für ihre Zwecke benutzt werden - doch das sei weniger wichtig wie die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung.
In den vier Jahren seines Bestehens hat es der Weblog-Preis der Deutschen Welle zu etwas gebracht, was kaum einer für möglich gehalten hat: in Deutschland nur wenig beachtet, ist er international bereits eine Visitenkarte für die Förderung von Demokratie und Meinungsfreiheit geworden.
- Datum 17.11.2007 - 10:25 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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"eine Visitenkarte für die Förderung von Demokratie und Meinungsfreiheit"ma la-azazal?!
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