Datenkraken Auf ewig gefangen im NetzSeite 3/3
„Der Urheber lässt sich oft nur schwer ausmachen, vor allem, wenn die Server im Ausland stehen“, sagt Ullrich Kühn, Mitarbeiter beim Hamburgischen Datenschutzbeauftragten. „Es ist schwierig, dass in den Griff zu bekommen.“ Er erzählt von einer Studentin an einer Filmhochschule, die im Netz auf der Suche nach Auftraggebern war. Dazu hatte sie bei einer entsprechenden Börse unter anderem ihre Handynummer veröffentlicht. „Als ihr bewusst wurde, welche Reichweite das hat, versuchte sie, die Angaben aus dem Netz zu kriegen.“ Das jedoch sei nicht so einfach gewesen, weil inzwischen Kopien kursierten, daher wandte sie sich an den Datenschutzbeauftragten. „Wir hatten einige Mühe, die Nummer aus dem Netz verschwinden zu lassen“, sagt Kühn.
„Leute, bezahlt immer Eure Handyrechnung und passt auf, vor welche Webcam Ihr Euch stellt“, sagt Lubomierski. „Sonst bekommt Ihr in fünf Jahren vielleicht keinen Mietvertrag mehr.“
Profil-Management
Personalberater Staude rät sogar zu aktivem Management des eigenen Profils. Damit meint er nicht nur den Versuch, Unliebsames auch mittels spezialisierter Firmen aus dem Netz zu klauben. „Es kann Sinn machen, Spuren im Netz zu hinterlassen.“ Wer Karriere machen wolle, müsse auch das Internet nutzen, um sich positiv darzustellen. Durch Blogs über bestimmte Themen beispielsweise lasse sich Kompetenz belegen. Und manchmal sei es eben auch von Nachteil, wenn der Name eines Bewerbers bei der Suche gar keine Treffer liefert.
Ihm fallen daher auch positive Beispiele ein. Wie das des Bewerbers für den Posten eines Marketingmanagers bei einer Sportartikelfirma. Über den fanden sich Preise im Netz, die er für seine konzeptionelle Arbeit bekommen hatte. Genau auf diese hatte die Firma wert gelegt. „Der Mann wurde genommen“, sagt Staude.
Häufiger jedoch sind die Negativgeschichten zu hören. Allerdings sagt Datenschützer Lubomierski, dass es ihn angesichts des „starken Drangs zur Selbstdarstellung“ im Netz wundere, dass es nicht noch viel mehr seien. Möglicherweise aber ist das Problem der Gesellschaft auch noch gar nicht richtig bewusst.
„Die große Welle wird erst noch kommen“, sagt Ullrich Kühn. Die Mehrzahl derer, die heute so freizügig bloggten und posteten, sei noch sehr jung. „Wenn sie irgendwann in die ernsthaften Teile der Gesellschaft eindringen, wird ihnen vieles davon peinlich sein.“
- Datum 21.04.2008 - 03:30 Uhr
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Ich habe eben mal nach "Kai Biermann" gegoogelt. Jetzt verstehe ich auch, warum der user "robrob" sich so schnell interviewen ließ.
Ich weiß nicht, ob aus dem Google-Ergebnis von Herrn Biermann ein Schluss auf meine Motivation gezogen werden könnte, der nicht auf Kaffeesatzleserei beruht.
möglicherweise ist die google-Recherche noch nicht so perfekt, wie mancherseits (auch in diesem Beitrag) behauptet. Ich ging von dem aktuellen campus-Foto unter Kai Biermann aus " mein neustes Bild", eine wirklich sympatische Gesprächspartnerin. Dies war der Anlass zu meinen, daß Se als Staatsanwalt sich nicht nur an die politische Weisungsbefugnis Ihres Jobs halten (H.-J. Selenz), sondern auch eine persönliche Wertordnung berücksichtigen.Was diese leicht ironischen Anmerkungen betrifft, möchte ich mich doch entschuldigen, und mich darüber hinaus bedanken, daß Sie eine Diskussion angestoßen haben, die für die Gesellschaft wahrscheinlich sehr viel wert sein wird, denn diese Diskussion beginnt schon vor der nächsten Entscheidung ( die Bürgerrechte betreffend).
Angenommen!
Bis jetzt liegt es noch in der eigenen Verantwortung der Internet User was sie in das Netz stellen und was nicht. Ein gutes Profil bei Xing und Co. kann für die Karriere förderlich sein. Daher sehe ich da kein grosses Problem. Wenn aber Kinder oder Jugendliche ihr Tagebuch oder ähnliches in das Netz stellen, müssen die Eltern(nicht der Staat) eingreifen. An den Schulen muss das Internet und die Nutzung behandelt werden. Dann erledigt sich auch der Bedarf für VDS und Co. Die Lösung liegt in der Ausbildung zur verantwortlichen Nutzung vom Internet. Alles andere ist wie das Stopfen der Löcher in der Titanic.
Der Artikel erinnert mich eine Leserdiskussion auf diesen Seiten vor einigen Tagen, da es um die Notwendigkeit der VDS ging und Freund StA robrob trotz vorgeblicher persönlicher Vorbehalte intensiv die VDS verteidigte und für notwendig hielt. Er hatte schon damals ins Feld geführt, so mancher Internetnutzer würde ganz andere höchst private Daten ins Netz stellen oder den Bonuskarten-Diensten überlassen, welche sich noch ganz anders mißbrauchen ließen. Einer der Leser hatte ihn darauf hingewiesen, daß diese "Argumentation" insofern fadenscheinig wäre, als dieses Verhalten, bei aller Unvorsicht, immernoch einen wesentlichen Unterschied aufweise: diese Preisgaben persönlicher Daten erfolgen FREIWILLIG.Die fast schon krankhafte staatliche Datensammlung dagegen, von den seit Beginn ihrer Aufzeichnung gespeicherten Mautdaten (einschließlich Kennzeichenerkennung und Fahrerfoto, auch bei allen PKWs, inzwischen schon Hunderte Terabyte) bis hin zu Telefon- oder Handy-Verbindungsdaten und besuchten Internetseiten, die zu jeder IP "hinzugespeichert" werden, erfolgt NICHT freiwillig, sondern zwangsweise per hurtig beschlossenem Gesetz, gegen den erklärten Willen vieler Bürger, und auch entgegen neueren Bewegungen in Brüssel (die nicht unbegründet einen "negativen" Richterspruch des EuGH zu diesem Thema befürchten).Mich wundert, daß noch keiner auf die Idee gekommen ist, die Bewegungsprofile (sprich zeitliche Reihenfolge der Aufenthaltsorte) aller Handybenutzer für 6 oder mehr Monate speichern zu lassen - oder ist mir da nur etwas entgangen?Über Sinn und Nutzen der VDS im Sinne der offiziellen Argumentationen gehen die Meinungen sehr weit auseinander; eher wahrscheinlich ist, daß weder Terrorismus noch OK sich davon beeindrucken oder behindern lassen werden. Und zum Argument, daß dadurch wenigstens die Bestrafung von Tätern erleichtert würde, meine ich:Die VDS erinnert, wie vieles in unserem Rechtssystem, an die sogenannten Lebensversicherungen, die dem Kunden vorgaukeln, ER bekäme dadurch Sicherheit; in Wahrheit bekommt nicht mal er, sondern nur seine Hinterbliebenen eine geringe finanzielle Kompensation, wenn ER schon längst tot ist.Es sollte doch möglich sein zuzugeben, daß die VDS (analog der Justiz) in die Racheinstrumente einzureihen ist, denn die realen Folgen der Verbrechen werden dadurch nicht beeinflußt. Die Täter aus dem Internet haben bei der Ergreifung meist das Geld schon lange in Sicherheit geschafft (angeblich "verlebt"); analog wird durch den Strafprozeß der Ermordete auch nicht wieder lebendig, die Hinterbliebenen haben keinerlei materiellen Nutzen von der Verurteilung des Mörders, von den Kosten des Systems mal ganz abgesehen. Oder hat auch nur ein einziger Prozeß gegen Betrüger, ob per Internet, Schneeballsystem oder Anlagebetrug, auch dazu geführt, daß die Betrogenen ihr Geld wiedergesehen haben? Hat er wenigstens dazu geführt, daß dieser Betrüger Zeit seines Lebens solche Betrügereien nicht wiederholen kann? Daß er den Betrogenen die erlittenen Verluste wenigstens teilweise ersetzen muß? Daß die errafften Gelder wieder aufgetaucht sind?Es wäre zu schön um wahr zu sein.Deutschland 2007: Der Pleitenverursacher von heute kann morgen eine neue Firma eröffnen, um wieder neue Lieferanten zu prellen - die alten bleiben auf ihren Forderungen gegen die Pleitefirma sitzen. Schöne neue Welt.
Dass das Geld weg ist, ist tatsächlich oft (allerdings nicht immer) richtig. Wenn ich Ihrer Argumentation folge, heißt das aber, dass man die Strafverfolgung ganz einstellen sollte, weil sich sowieso nichts rückgängig machen läßt. Richtig?
Was bedeutet dieser Begriff (außer dem juristischen Fach-Chinesisch, das kein Normalbürger auf Anhieb versteht)?Wer verfolgt da wen? Die Justiz die Strafe?;o)Mal abgesehen von der Rhetorik: ja, ich meine, daß es einer demokratischen Gesellschaft durchaus zu Gesicht steht, auch das System der Verbrechensahndung mal zur Diskussion zu stellen.Abgesehen von den schreienden Unterschieden in der Behandlung von Mensch und Eigentum (siehe die entsprechenden Strafrahmen), halte ich prinzipiell die gesellschaftlich sanktionierte Rache nur für einen Weg, die persönliche Rache zu verhindern.Meiner Auffassung nach wären eine Konfrontation des Täters mit den Folgen seiner Tat, das mediatierte Gespräch mit dem/den Opfer/n, und eine selbst erwählte Sühne an den Opfern durch den Täter viel sinnvollere Mittel, Wiederholungen zu vermeiden als das bloße Abstrafen "von Rechts wegen".Zu begrüßen wäre auch, wenn zuallererst der Täterschutz in unserem Rechtssystem durch einen wirklich adäquaten Opferschutz ergänzt werden würde; von Gleichberechtigung der Parteien bei Gericht ist ja wohl gegenwärtig kaum zu sprechen. (brauche ich Ihnen nicht zu erzählen, denke ich)Mir würden noch ein paar Ideen einfallen, was sich da verbessern ließe, aber zurück zum Thema: mir scheint das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei den gegenwärtig diskutierten bzw. schon beschlossenen Maßnahmen arg gestört.Ich finde, wenn unser aller Geld hier mit der großen Schaufel zum Fenster rausgeworden wird, dann sollten wir alle da ein Mitspracherecht haben und uns nicht von den selbsternannten Hütern von Recht und Ordnung unterbuttern lassen.Warum nur ist es unmodern geworden, auf die Stimme des Volkes zu hören?Warum gilt die Stimme einer Parteibonze (egal welcher Färbung) soviel mehr? (schaut/hört/lest die/in den Medien)Haben wir doch vor Kurzem erst gehabt auf deutschem Boden; das Ende davon ist bekannt. Gar keine Angst vor Wiederholungen?
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