Musikgeschichte Wir nagelten 1500 Matratzen an die Wand
Can wird ausgestellt: Das Studio, in dem die Krautrock-Gruppe in den Siebzigern ihre Platten aufnahm, ist im Rock'n'Pop-Museum in Gronau zu bestaunen. Dazu ein Gespräch mit Irmin Schmidt, dem Gründer der Band.
Kraftwerk und Can sind die einzigen deutschen Bands, die man auf der ganzen Welt kennt. Can, 1968 gegründet, 1978 aufgelöst, würde 2008 vierzig Jahre alt. Passend zum Jubiläum hat das
Rock'n'Pop-Museum im westfälischen Gronau
das frühere Can-Studio angekauft und liebevoll restauriert. Jeder kann es sich anschauen, und mancher wird dort auch noch eine Platte aufnehmen wollen. Wir unterhielten uns mit dem Pianisten und Komponisten
Irmin Schmidt
über seine Zeit bei Can, das Leben davor und danach.
ZEIT online: Wie fühlt man sich, wenn man als Musiker in sein altes Studio kommt und das steht jetzt in einem Museum?
Irmin Schmidt: Nun, ich komme da rein und erkenne es wieder. Für mich war das nicht ein so bewegender Moment. Ich finde es schön, dass es jetzt da ist. Das war ein besonderer Ort und es wäre schade gewesen, wenn er verschwunden wäre. Und das Museum hat sich rührende Mühe gemacht, ihn zu rekonstruieren.
ZEIT online: Zum Beispiel?
Schmidt: Es gab eine einzige Tür mit Blick nach draußen, in den Garten, sonst war das ein sehr düsterer Raum. Jetzt haben sie eine Fenstertür genau in den Maßen rekonstruiert, aber sie geht auf einen winzigen Balkon. Dort haben sie eine Pflanze und einen Grill aus dem Garten auf Kunstrasen gestellt, das ist wie eine Installation.
ZEIT online: Aber die Pflanze kann man nicht rauchen?
Schmidt: Das konnte man damals bei uns auch nicht, obwohl wir das gehofft hatten. (lacht)
ZEIT online: Wo stand das Studio?
Schmidt: In Weilerswist bei Köln. 1978 hat sich Can getrennt, später ist es von René Tinner, der auf den letzten Can-Platten als Toningenieur fungiert, weitergeführt worden, mit riesigem Erfolg. Er hat da etliche Müller-Westernhagen-Platten produziert und Trio und Joachim Witt mit dem Goldenen Reiter . Erst 2002/2003 ist das abgebaut worden. Das Studio existierte also dreimal so lange wie Can. Aber René Tinner hat bis auf die Technik nichts geändert. In der Konzeption, im Aussehen ist es dasselbe geblieben, die Wandteppiche, die Isolierung dieses riesigen Raums, der war ja 20 Meter lang, zehn Meter breit und acht Meter hoch.
ZEIT online: So hoch ist das Studio im Museum jetzt nicht?
Schmidt: Nein. Das war nicht möglich. Es ist nicht so hoch und nicht ganz so lang. Auch die Wandteppiche konnten nicht mehr alle verwertet werden, weil sie auseinanderfielen. Und hinter den Wandteppichen die Matratzen, mit denen wir das isoliert hatten …
ZEIT online: Es ist die Rede von 1500 Matratzen!
Schmidt:
Ja, wobei jeweils drei für ein Bett waren, also von denen 1500. Das war die Idee Hildegards, unserer Managerin, meiner Frau. Wir konnten es uns ja nicht leisten, eine professionelle Isolierung in diesem riesigen Raum anzubringen, und da hat sie von der Bundeswehr die Matratzen für 400 Mark ersteigert. Und wir haben die an die Wände genagelt.
ZEIT online: Die haben Sie aus der Kaserne geholt?
- Datum 20.11.2007 - 11:35 Uhr
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can, das ist für mich in den frühen 70ern bei einem durbridge-krimi zum ersten mal waghalsige musik zu hören, am ende der 70er mit punk-freunden über das cover von cannibalism 1 gebeugt die liner notes zu bejubeln, anfang der 80er der erste artikel im ersten rororo rocksession "rock & magie", mitte der 80er mit einer baskin in einem zimmer mit quadrophonienanlage "tago mago" zu hören ... ist übrigens ein prima test - einfach mal mit jemandem die vier seiten von "tago mago" en bloc hören. danach weiss man definitiv, ob man sich mit dieser person über musik unterhalten kann ;-)
hat lange gedauert, bis die deutschen selbst drauf kommen, daß can eine eigene liga sind ... die japaner, amerikaner, engländer, franzosen wussten das offensichtlich immer, schön, daß der groschen hier langsam auch fällt.
musik für ein ganzes leben. danke!
ach ja: einziges minus: keine jam am 26.3.99 in köln
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