Schul-Amok Nicht ohne den anderen
Wenn ein Schüler ausgegrenzt wird, ist das die häufigste Ursache dafür, dass er sich unglücklich fühlt. Doch Mobbing kann vermieden werden. Dazu sind Veränderungen notwendig. Die lohnen, denn im extremen Fall könnten sie verhindern, dass ein Schüler seinen Frust aggressiv gegen andere richtet
In Köln ist ein Amoklauf verhindert worden. Oder möglicherweise ist er nicht verhindert worden, weil er gar nicht ausgeführt werden sollte. Doch ein Schüler ist tot. Er hat sich umgebracht, nachdem ihn die Polizei vernommen hatte. Man kann nur ahnen, wie es in ihm ausgesehen haben mag, als er sich vor eine Straßenbahn geworfen hat, aber ganz offensichtlich sah er keinen Ausweg mehr und niemanden, an den er sich hätte wenden können. Mit Sicherheit fühlte er sich allein.
Ausgegrenzt zu werden ist für Kinder und Jugendliche eine der Hauptursachen dafür, sich unglücklich zu fühlen, wenn Freunde fehlen, wenn sie sich als Niete und Versager sehen. Zwischen 10 und 16 Prozent der Schüler fühlen sich durch ihre Mitschüler oder Lehrer gemobbt. Es gibt nur Schätzungen, wenig genaue Zahlen. Nicht zuletzt, weil niemand die betroffenen Schüler erfasst.
Mobbing zu vermeiden kann als präventive Maßnahme gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nahezu jedes Programm im Kampf gegen Gewalt an Schulen greift es auf. Doch wie kann das geschehen?
Zum einen sollte es eine Person geben, an die sich ein Schüler vertrauensvoll wenden kann, wenn er sich ausgegrenzt fühlt. Das sind häufig Betreuungslehrer, im besseren Fall ein Schulpsychologe, der sich dieser Aufgabe im Gegensatz zum Lehrer ausschließlich widmen kann und für einen anderen Rahmen sorgen kann als den Schulflur oder das Klassenzimmer, während alle anderen gerade in die Pause stürmen.
An eine solche befähigte Person hätte sich beispielsweise auch die Kölner Mitschülerin mit ihrem Verdacht, dass ein Amoklauf droht, wenden können. Dieser Psychologe wäre dann sinnvollerweise während des Gesprächs mit der Schulleitung und der Polizei anwesend gewesen. Und möglicherweise hätte er das Ausmaß des Unglücks in dem Jungen erkennen können und ihn nicht alleine auf den Nachhauseweg geschickt.
Die Realität ist, dass in Deutschland im Schnitt ein Schulpsychologe auf 10.000 Schüler kommt. Also ein Mann oder eine Frau, die für ein Dutzend Schulen zuständig sind. Die Wartezeit auf ein Gespräch beträgt entsprechend nicht selten sechs Wochen. Bereits vor Jahren hatten die Kultusminister sich als Ziel ein Verhältnis von 1:5000 gesetzt - als absolutes Minimum.
- Datum 20.11.2007 - 03:25 Uhr
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Die Schule ist ein Ort der Ausbildung, einem Grundpfeiler der Sozialisation. Dieser Teil der Sozialisation kann per definitione nicht beteiligt sein am Entstehen von Selbstmord- oder Amoklaufgelüsten. Es sei denn ein anderer, vorgeschalteter Grundpfeiler der Sozialisation wurde vernachlässigt - die Familie.Richtig in diesem Artikel dargestellt wurde der (seit Jahrhunderten bekannte) Zusammenhang von sich-ausgegrenzt-fühlen-führt-zu-Frust-führt-zu-Wut-führt-zu Verzweiflungstaten.Falsch ist aber die Annahme, daß die Schule grundsätzlich hier in die Pflicht genommen werden muß.Eine funktionierende Familiensozialisation verhindert nachweislich Selbstmord und Mord. Erst wenn die Familie (auch wenn diese nur aus der alleinerziehenden Mutter besteht) versagt, wird die Schule gleichzeitig ein Ort der Ausbildung und der sozialen Erziehung. Dafür ist Schule aber nicht konzipiert - und sollte es auch nicht sein, sofern man die Familie nicht entmündigen möchte.Wenn die eigene Familie einem Kind nicht hinreichend Geborgenheit und Selbswertgefühl auf der einen Seite und Moral sowie Recht- und Unrechtbewußtsein kommunizieren kann, dann können alle auf diese Grundsozialisation aufbauenden Institutionen nur noch verzweifelt flicken.Daher, gute Frau Husmann, gehört die Familie auf den Prüfstein und sollte, wenn notwendig, psychologische Betreuung erhalten.
Schule muss Sozialisierung im Sinne des Artikels leisten, alleine schon deshalb, weil Familie durch doppelte Berufstätigkeit und Ganztagsschulen politisch gewollt reduziert wird.
Darüberhinaus kann man beobachten, aus welchen Gründen auch immer, dass wichtige Funktionen der Schule kaum noch oder häufig schlampig wahrgenommen werden, nämlich das Führen der Aufsicht auf dem Schulgelände.
Während zu meiner Zeit die Lehrerschaft aufmerksam die Geschehnisse auf dem Schulhof beobachtet hat, praktisch auch sofort reagierte, ist es heute nicht selten, dass im Konfliktfall sich sogar manche Lehrer einfach umdrehen oder im Regelfall das gar nicht mitbekommen.
Ein weiteres Problem ist das oberflächliche Gewaltlosigkeitsdiktat insbesondere in Grundschulen und allgemein bei jüngeren Schülern.
Im Falle von Streitigkeiten wird grundsätzlich der bestraft, der sich körperlich betätigt hat. Das scheint auf dem 1. Blick gerecht ist es aber häufig eben gerade nicht. Gerade weniger begabte Schüler sehen sich regelmäßig im Nachteil, wenn verbale Attacken ungesühnt und unberücksichtigt bleiben, Ihnen bleibt häufig nur der Weg über die körperliche Attacke, weil sie eben nicht über Waffengleichheit im Umgang mit dem Wort verfügen. Wenn dann verbale Angriffe und Ausgrenzungen von den Aufsichtspersonen ignoriert oder nicht als ebenbürtig betrachtet werden, steigert sich automatisch die Aggression, eben weil sie tatsächlich unfair behandelt werden. Je nach Situation kann ein Schlag "aufs Maul" so manchen Übercleveren durchaus nachhaltig auf den Boden der Tatsachen zurückholen, der skrupelos die sprichwörtliche Sprachlosigkeit seines Gegenübers ausnutzt. Es kommt halt sehr genau auf die Situation an.
Ein weiterer Nährboden ist gesellschaftlicher und damit durchaus auch familiärer Art. Im Bestreben für Kinder und Jugendliche möglichst viele Gefahren auszuräumen ist die passive Sicherheit immer weiter ausgebaut worden, kaum ein Kind oder Jugendlicher, der nicht ständig beobachtet, begluckt, kontrolliert oder mit Gurten, Kindersitzen etc. ruhig gestellt wird. Nicht das viele dieser Einrichtungen nicht sinnvoll wären, doch hat dies seinen Preis. Denn auf der anderen Seite nimmt damit die Stressfähigkeit und die Krisenbewältigungsfähigkeit entsprechend ab, weil Kinder eben nicht lernen, das bei den noch kleinen Katastrophen die Welt eben nicht untergeht oder Unfälle und Schmerzen das Bewußtsein für Risiken schärfen. Ebenso wird der Drang sich selbst unbevormundet zu betätigen immer größer, wenn dann das Alter erreicht wird, in dem Selbständigkeit erwartet wird, sind viele schlicht überfordert. Dazu kommt dann das Fernsehen, das den Horizont möglicher Handlungsweisen in Richtungen erweitert, an die Erwachsene als Alternative früher im Traum nicht gedacht hätten. Hier verschwimmen durchaus Realität und Fiktion, gerade wenn Kinder oder Jugendliche nicht mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen und Zuflucht in Extremen suchen.
Wenn man also den schönen Schein und die guten Absichten mal etwas durchleuchtet ist es gar nicht mehr so unerklärlich wenn solche Ereignisse wie in Emsdetten oder jetzt Köln eintreten. Denn die Schattenseiten des gut gemeinten, die wir so gerne übersehen weil sie das Leben und die Verantwortung so anstrengend machen, fordern Ihren Tribut!
Berthold Grabe
insbesondere durch die "Verweiblichung" des Grundschullehrkörpers werden Schulhofkeilereien einerseits oftmals überbewertet. Derjenige, der sich körperlich wehrt, hat sowieso schon mal Unrecht. Andererseits gibt es auch unter den Steppkes zum Teil nicht unerhebliches Drohungs- und Einschüchterungspotential. Die Grund- und Hauptschule meines Sohnes arbeitet mit der örtlichen Polizei zusammen in einem Programm gegen Gewalt an der Schule. Zweimal habe ich schon mitbekommen, das kleinere Schüler von Viertklässlern, die zudem in der Gruppe auftraten, eingeschüchtert wurden und Angst hatten, zur Schule zu kommen. Nach Bekanntwerden dieser Vorfälle, erschienen die Beamten in Zivil an der Schule, nahmen sich die Viertklässler zur Brust (wass eindeutig mehr Eindruck hinterließ, als wenn Lehrer auf die Burschen einredeten), machten Ihnen die Konsequenzen ihres Verhaltens klar und brachten sie dazu, sich bei ihren Opfern zu entschuldigen. Weil die Schule so konsequent bei derartigen Verstößen durchgreift, wissen die Schüler, dass sie im Zweifelsfall ernst genommen werden. Klar, es ist traurig, dass einige Schüler so renitent sind, dass sie nur durch Polizeibeamte zur Räson gebracht werden können, die Ursache liegt hier ganz klar in den Elternhäusern, aber die Schule kann so etwas nicht auf sich beruhen lassen und lediglich ihren Bildungsauftrag erfüllen. @globalworx hat Recht, die Familie gehört auf den Prüfstand, nur wie? Soll es verpflichtende Elternerziehungskurse für gleichgültige oder überforderte Elternteile geben? An die betreffenden Eltern kommen Sie noch weniger heran als an die Kinder. Und wo Täter mit Gleichgültigkeit, Überforderung oder gar Brutalität herangezogen werden, müssen von anderer Seite Opfer geschützt werden. Das ist die beklemmende Realität an vielen Schulen.
Amok ... ein (verhinderter) Fall aus Nordrhein-Westfalen…?Ein "Notfallhandbuch" des Schulministeriums wird
vorgestellt, für sozial-pathologische Erscheinungen, soziale Krankheiten, die sich an Massen-Erniedrigungs- und
Gewalt-Sensationsorten wie Familie & Schule manifestieren.
Die Ministerin Frau Sommer warnt mögliche "Trittbrettfahrer" nach den
Fällen in Köln und Emsdetten:
Nach der WAZ (im bedrohlichen Indikativ der direkten Rede): In
Radevormwald hätten im Dezember 2006 zwei Schüler einen Amoklauf angekündigt.
Sommer: "Sie wurden sofort zu drei Wochen Dauerarrest verurteilt."
Mit solchen Operationen kann man eine äußerst tv-gene, gesellschaftlich
erschreckende Opferhandlung nicht aufhalten.
Was früher vereinsamte Suizide waren, häufig von intelligenten,
erinnungerungsfähigen jugendlichen Autoren dann erst später in Romanen
aufgearbeitet, entstammt der Nachahmung des mörderischen Rudelverhaltens der
Affen, die in gut vorbereiteten Baumoperationen mit Geschrei, rasenden
Treibereinsatz und reißerischen Fangkämpfen geringer fähige Andersaffen
erbeuteten, zerrissen und auffraßen. Ein Dschungelfest bestialischen
(tierischen) Kriegs mit hohen, aber nicht stammesgefährdendem Risiko und noch
größerem Zuwachs an Fraß- und Lusterlebnissen.
Die Kampfhandlung des militärischen, jungenhaft-flinken Amokläufers, der
gezielt vorbereitet und alkoholisch enthemmt eingesetzt wurde, um die
Schlachtordnung des ausgekundschafteten oder vermuteten Stammesfeindes in
Verwirrung und kampftechnische Unordnung zu bringen, ist überliefert aus Java. (S. auch Stefan Zweigs Novelle.) "Amucklaufen: (Amoklaufen,
vom javan. Wort amoak, töten), eine barbarische Sitte unter mehreren malaiischen Volksstämmen, z. B auf Java, besteht darin, daß durch Genuß von Opium bis zur Raserei Berauschte, mit einem Kris (Dolch) bewaffnet, sich auf die Straßen stürzen und jeden, dem sie begegnen, verwunden oder töten, bis sie selbst getötet oder doch überwältigt werden.URL.:http://peter-hug.ch/lexikon/01_0516?q=Afrika
Dass hier & heute diese als Selbstauslöschung vorbereiteten Vernichtungsoperationen
unter totalem Selbstwertverlust ablaufen, ist individuell und für die
betroffene Schule tragisch; dass sie aber mit dem verfügbaren Waffeneinsatz hier bei uns nur
unzureichend ablaufen können, ist ein Stück Glück, das militärisch-technisch
wir uns noch bewahrt haben aus Feldwebel-Zeiten mit strenger Ordnung des
Waffeneinsatzes auf Kasernenhof und Schlachtfeld.
Dass männliche Jugendliche - von totaler, eingeübter, erlernter Feindschaft und
Vernichtungswillen unter Unterrichtsbedingungen geprägt - solche
Nachahmungstaten - nach US-Vorbildern - umsetzen wollen, ist ein psychosoziales
Alarmsignal - für unsere Kasernenverhältnisse, ob in Klassen, auf dem Schulhof oder auf den Spielfeldern. Da bedaf es nur kleiner Anlässe, dass das Amoken startet; ja - zuerst als lautlos, leiser Ablauf, der aber von zuhörenden, gesprächsbereiten Eltern und Lehrern vernehmbar wäre.
Wenn wir nicht in der Lage sind, die entsprechenden, sozial feindlichen,
psychologisch grotesken Bedingungen des dissozialen Familien- und leistungsfixierten,
unseligen Schullebens, der psycho-highlife suggerierenden Unterhaltung an TV
und PC umzugestalten, können wir bald aufhören, uns über diese Jugendkriegsvorfälle
aufzuregen. Sie werden als „Events“ normal fällige Eventualitäten.... Fälle? Vorfälle aus den Alltagskapital-Erfordernissen der amerikanisierten BRD!~ * ~>Es gibt nichts Besseres, außer man hätte es als vorbildliches Verhalten von Eltern zu Hause oder Erwachsenen in Schulen.<.(Mit Erich Kästner nach-gedacht!)
>Zum einen sollte es eine Person geben, an die sich ein Schüler
vertrauensvoll wenden kann, wenn er sich ausgegrenzt fühlt. Was halten Sie von Papa oder Mama? Und wieder typisch deutsch: Die brauchen natürlich eine sozialpädagogische Ausbildung dafür. Was'n Schwachsinn.Einfach nur zuhören! Zeit nehmen! Bisschen reden! Nicht gleich wiedersprechen, sondern das eigene Kind ernst nehmen!Fragt mal solche Kids, wie's bei denen oft Zuhause ausschaut! "Meine Alten interessiert das doch sowieso nicht..." ist da ein Standardspruch!Also Eltern, kümmert Euch um Eure Kids! Und zwar nicht erst, wenn sie 12 sind und aus dem Ruder gelaufen sind, sondern schon von klein auf!
Heute Abend, am 20. Nov. 07. wiederholt in 3sat:"Guten Morgen, Herr Grothe!"~ * ~
"Wähle einen guten oder den besten Fernsehfilm über unsere Schulen, kuck' ihn mit den Schüler an - diskutiere ihn - damit ihr Einsicht habt in ein Schulsystem, das diese Gesellschaft abbildet wie der Urwald die Evolution.~ * ~
"Es gibt nichts Gutes in Gesellschaft, außer man präsentiert es den (noch) Interessierten in einer Verfilmung. - Damit keiner sagen kann: 'Ich habe ja nichts gewusst!'"
(Mit Erich Kästner nach-gedacht!)
Falls hier jemand nachlesen will, was so an unseren Schulen ab- und zu aufläuft, damit mensch darüber Einsicht und/oder Einkehr halten kann in pädagogischen Bedingungen für Jugendliche, die "Amok" laufen, ohne mit Waffen dafür gerüstet zu sein:
Gute Nacht, äh: "Guten Morgen, Herr Grothe!"
http://www.spiegel.de/kul...
Einigen Künstlern sei Dank! -
Sie leisten mehr als Minister und Politiker!
"Es gibt nichts Wahreres, außer man verfilmt es beispielhaft."
(Mit Erich Kästner nach-gedacht!)
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