Sex Von Männern und Gurken

Anfang zwanzig und noch Jungfrau. In ihrem Roman "Moomlatz" reist Iris Bahr nach Thailand, um ihre Unschuld zu verlieren. Der Witz: Es klappt nicht.

Eines vorweg: Jeder, der sich schon mal mit dem Rucksack auf die Reise begeben hat, kennt die Klischees aus den Jugendherbergen dieser Welt. Die meisten Backpacker sind auf der Suche. Wonach auch immer.

Auch die junge Israelin Iris Bahr ist in ihrem Romandebüt Moomlatz oder Wie ich versuchte in Asien meine Unschuld zu verlieren auf der Suche. Moomlatz bedeutet auf Hebräisch „empfohlen“, doch der Autorin geht es in ihrem Buch nicht um den richtigen Reiseführer oder das beste asiatische Restaurant - Iris Bahr sucht Sex. Nicht den nächsten, x-beliebigsten Beischlaf, sondern jemanden für ihr erstes Mal. Bis dato hat sie ihre „gute Stube“ als privaten Gazastreifen betrachtet: Eine fremde Besatzung ist unerwünscht, ohne eine Besatzung ist man aber auch nicht besser dran. Zum Ende ihrer Dienstzeit in der israelischen Armee nimmt sie sich deshalb vor, statt den Offizieren nur noch ihrem Geschlechtstrieb zu gehorchen.

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Dafür reist sie von Thailand über Vietnam und Nepal nach Indien. In Bangkok verbringt Iris ihre erste Nacht. Sie begegnet einer Tänzerin in einem Striplokal, die eine geschälte Banane in ihrer Vagina verschwinden lässt, um sich ihrer wenig später wieder zu entledigen: „Die Banane schießt wie eine Rakete aus dem keimverseuchten Inneren der Frau und rast mit siebzig Stundenkilometern direkt auf mich zu. Yoni versucht mich aus dem Weg zu ziehen, doch es ist bereits zu spät. Die Banane klatscht mir direkt in den Mund, der sich vor Schreck weitet und ein wenig vom süß-sauren Schmutz hinterlässt“. Nach der Attacke mit dem „Bananenmösenshake“ wird Iris vor dem Striplokal mit Applaus empfangen. Scham? Ekel? Nicht doch.

Stattdessen trifft sie auf die verschiedensten Kategorien von Backpackern. Die hängengebliebenen Dauerreisenden mit Dreadlocks und von Drogen faulig gewordenen Zähnen. Und, na klar, sie laufen barfuß. Dann die gewöhnlichen Trottel. Sie haben immer eine Landkarte zur Hand und einen üppigen Vorrat an Medikamenten. Zu allem Überfluss gibt es die langbeinigen Mädchen aus Schweden, die gut gebräunt und stets gut gelaunt Männer der Kategorie drei abschleppen: die gut aussehenden Israelis.

Iris Bahr merkt schnell, dass sie in dieser Welt eine Kategorie für sich ist: ein leicht dickliches Mädchen aus Israel, das sich auf Biegen und Brechen mit zahlreichen Typen der ersten Kategorie einlässt. Sie verliebt sich in den Engländer Johnny. Zusammen mit ihm und seinem Reisekollegen verbringt sie viel Zeit in einem Kifferdorf in den Bergen Thailands, immer in der Hoffnung, „Lattenkönig“ Johnny möge ihr endlich die Unschuld nehmen. Doch der schläft lieber mit hübschen thailändischen Prostituierten als mit ihr. Sie verlässt ihn und masturbiert weiter durch die asiatischen Nächte.

Nach der Opium-Liaison mit Johnny sucht Iris noch intensiver nach einem „potenziellen Eindringling“. Aber auch mit ihrem späteren Reisebegleiter Freddie erlebt sie nicht mehr als den unglücklichen Sturz aus einem Schlafwagen im Zug nach Hanoi. Und Yotam, den sie auf ihrem Trip nach Nepal kennenlernt, findet Kondome blöd. Statt ihrer Unschuld verliert Iris im Laufe ihrer Reise lediglich ein paar Kilo Körpergewicht. Wie sie das macht? Sie hat Würmer im Darm. Aber will man das wirklich wissen?

So schräg Iris von ihren Bekanntschaften erzählt, so penetrant selbstironisch beschreibt sie die missglückten Versuche, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Bahrs Schilderungen erscheinen zwar nie gewollt pornografisch. Aber ihre Erzählung wirkt wie die eines Teenagers, der nicht genug Aufmerksamkeit bekommt: überdreht witzig, gewollt schlagfertig und aufdringlich laut.

Letztlich entledigt sie sich ihrer Unschuld selbst - mit Hilfe einer Gurke. Auf die Erleichterung kann nur eine Erkenntnis folgen: In diesem Fall sind Gurken wohl die besseren Männer.

Iris Bahr: Moomlatz oder Wie ich versuchte in Asien meine Unschuld zu verlieren . Frederking und Thaler, 2007. 14,95 €

 
Leser-Kommentare
    • hagego
    • 29.11.2007 um 9:46 Uhr

    Also - dass mit den Bananen konnte Josephine Baker dann doch besser. Ihre Auftritte waren appetitlicher als die heutigen Thai-Darbietungen, die doch sehr an die Früchte-Shows in St. Pauli erinnern.Iris Bahr sollte lieber etwas ungesünder leben, etwas länger Jungfrau bleiben und sehr viel länger das Leben genießen.  

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