Frankreich Randalierer schossen scharf

Angst vor der Eskalation: Die Jugendunruhen von Paris haben sich auf mehrere Vorstädte ausgeweitet. Erstmals ist auch auf Polizisten geschossen worden.

Innenministerin Michèle Alliot-Marie rief die Bevölkerung am Dienstag zur Mithilfe auf, um «die Kriminellen zu isolieren». Es habe «mehrere schwerverletzte» Polizisten gegeben. Mit dem Auftauchen von Waffen sei die Lage «schlimmer als 2005», sagte der Chef der Polizeigewerkschaft Synergie, Patrice Ribeiro. Es könne «zu Dramen kommen», wenn die Polizei gegen Bewaffnete vorgehe.

In der Nacht zum Dienstag hatten in Villiers-le-Bel Jugendliche die zweite Nacht in Folge Gebäude und Autos in Brand gesteckt und sich Schlachten mit der Polizei geliefert. Die Unruhen griffen auf fünf andere Orte des Départements Val d'Oise nördlich von Paris über. «Ein Polizist wurde von einer großkalibrigen Kugel an der Schulter verletzt», erklärte die Präfektur. 64 Polizisten seien verwundet worden, darunter drei «ernsthaft» durch Schrotgeschosse. Ribeiro sprach im Rundfunk sogar von 77 verletzten Beamten.

Anzeige

Binnen zwei Tagen zählte die Polizei deutlich mehr als 100 verletzte Beamte; bei den wochenlangen Krawallen 2005 waren täglich im Schnitt nur 15 verletzt worden. Seitdem haben sich viele Jugendbanden bewaffnet. Augenzeugen berichteten, Randalierer hätten Jagdgewehre in der Hand gehalten.

Die Jugendlichen zündeten Gebäude an, darunter eine Bibliothek, einen Kindergarten, eine Schule und Geschäfte. Das Sozialzentrum wurde geplündert und Dutzende Autos gingen in Flammen auf. Auch die anrückende Feuerwehr wurde attackiert. Journalisten, die die Krawalle filmen wollten, wurden von Jugendlichen attackiert. Zwei Kameraleuten wurde die Ausrüstung gestohlen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein; Verletzte wurden in einem Feldlazarett behandelt. In Erwartung der Ausschreitungen hatten schon am Tage Autohändler Neuwagen abtransportieren lassen. Supermärkte hatten geschlossen.

Auslöser war der Unfalltod zweier Jugendlicher am Sonntag gewesen. Der 15-jährige Mouhsin und der 16-jährige Lakamy waren auf einem nicht zugelassenen Motorrad mit Vollgas auf einer Kreuzung gegen einen Streifenwagen gerast. Die Staatsanwaltschaft bescheinigte den Beamten, sich korrekt verhalten zu haben. Das werde von Augenzeugen und den Notärzten der Feuerwehr bestätigt. Anwohner warfen den Polizisten unterlassene Hilfeleistung vor. Im Internet wurde neben Videoaufnahmen von Polizeieinsätzen das Gerücht verbreitet, die Jugendlichen seien von der Polizei zu Tode gehetzt worden.

Leser-Kommentare
  1. Vorwort : Die derzeitigen Gewaltausbrüche schieben den Unfalltod 2er jugendlicher durch Polizisten als willkommenen Grund vor.These : Gleich aufgrund welcher gesellschaftlicher Ursachen und gleich aus welchem aktuellen Grund. Bürger dürfen nicht die Autos anderer Bürger verbrennen, die Geschäfte anderer Bürger zerstören und das Leben anderer Bürger gefährden.Schon gar nicht darf man Polizisten mit Tötungsabsicht entgegentreten.Es liegt hier keine Notwehr vor. Ebensowenig geht es um die Erhaltung der freiheitlich-rechtlichen Grundordnung des Landes.Solche Akte sind ein Nein zum Grundgesetz, ein Nein zum Rechtstaat und ein Nein zum Zivilrecht. Also ein Ja zum Anarchismus. In den folgenden Gerichtsverfahren sollte daher das Recht auf Staatsbürgerschaft der Täter überprüft werden.Epilog : Polizisten müssen scharf zurückschießen, wenn auf sie mit Tötungsabsicht geschossen wird. Die Folgen nur durch (meist geringe) Freiheitsstrafen gesühnter Attentate auf Polizisten sind undenkbar.

    • Tom030
    • 27.11.2007 um 14:57 Uhr

    ...wenn es sich hierbei um Rchtsradikale handeln würde?

  2. 3. Europa

    Europa wird untergehen wie West-Rom mit den Germanen, wenn es nicht aufwacht und sich der Eindringlinge angemessen erwehrt.

  3. Europa wird untergehen wie West-Rom durch das Eindringen der Germanen im Rahmen der Völkerwanderung, wenn es nicht aufwacht und sich der Eindringlinge angemessen erwehrt.

  4. "Der Rechtsanwalt Jean-Pierre Mignard (...) übernahm die
    Vertretung der Eltern der umgekommenen Jugendlichen."Vertretung in welcher Sache? Gegen den französischen Staat? Wie lautet die Anklage? Alle Motorräder dem Volk? Abschaffung der Helmpflicht? Sollten es sich als wahr herausstellen, daß die beiden Jugendlichen helmlos auf einem geklauten Motorrad bei rot über die Ampel rasten, ist ihre Kollision mit einem Auto, in dem zufälligerweise Polizisten saßen, ein Eigentums- und ein Verkehrsdelikt von Idioten und kein wirklicher Auslöser für Randale. Daß insbesondere französische Polisten keine Helden der friedlichen Kommuniktaion sind, setze ich als bekannt voraus. Aber die rechtliche Vertretung von gelangweilten, machogeilen Möchtegern Kriminellen stellt eher eine politische Aktion dar, mit der viel Staub aufgewirbelt werden soll, ohne einen Gedanken an die Lösung eines komplexen Problems verschwenden zu müssen. Nebenbei: wer den Begriff "Ghetto" für die pariser Vorstädte leichtfertig in die Tastatur haut, sollte sich eventuell mal Gedanken über den Begriff machen.

  5. hat passend zu diesen Ereignissen sein persönliches Einkommen um sage und schreibe 130% monatlich gesteigert. Gut, er bleibt knapp hinter unserer Volkskanzlerin zurück, aber trotzdem: die Teuerungsrate hat einen 15Jahre Höchststand erreicht, die Menschen sitzen in ihren Wohnungen und frieren, weil sie die Heizkosten nicht mehr bezahlen können..... da läuft wirklich was gewaltig schief-nicht nur in Frankreich, sondern auch bei uns (und wenn man nach Italien und Spanien schaut, sieht es nicht anders aus).Die Ignoranz der Politik ist beispiellos !

  6. Ja, ja, die "Linke" braucht halt einen Teufel. Daraus egibt sich der "Luxus", nicht denken zu müssen. Inzwischen ist das Argumentations-Niveau gegen den sog. Neoliberalismus auf die Qualität von Argumenten der Hexenverfolger gesunken. Liebe Leute, die Unruhen in Frankreich sind heute wie 2005 religiös verursacht.  Ich freue mich schon heute darauf sehen zu dürfen, wie "Linke" [...] sich nach Mekka verneigen.  [Achten Sie bitte auf Ihre Wortwahl. /Die Redaktion pt.]

    • MS
    • 27.11.2007 um 15:50 Uhr

    ...diejenigen die Ihre Viertel anzünden, auf Feuerwehr und Polizei losgehen, ihre Läden und Bibliotheken anzünden, dass sind die wahren Opfer. Klar.Opfer sind sie in der Tat, Opfer ihrer eigenen Ungebildetheit, ihres Unwillens etwas aus sich zu machen und Opfer ihrer Faulheit. Sich als chancenloses, ethnisch und religiös benachteiligtes Opfer zu sehen ist sehr bequem, arbeiten halt nicht so.Und bevor wieder jemand die Pamphlete der Linksparteien herunterleiert, warum sind denn in den Staaten die Unruhen größer, in denen der (Sozial)staat eine individuelle Verantwortung und Integration in die Gesellschaft unnötig macht, als in denen, in der Staat dem Einzelnen mehr Verantwortung für sich selbst zutraut?Wenn ein Staat sich dazu entschließt Ungleichheiten lediglich durch soziale Transferleistungen zu kompensieren, also den Leuten Bier und Fernsehen zu ermöglichen, muss man sich nicht wundern, dass auch der alimentierte Einwohner immer mehr will. Die Möglicheit aus eigener Kraft etwas zu ändern, wird ihm allerdings in einem solchen System vom "fürsorglichen" Staat gennommen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT online
  • Kommentare 25
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service