Grüne Einer weniger

Oswald Metzger hatte keinen Platz mehr bei den Grünen. Sein Austritt ist daher konsequent. Für die Partei ist er dennoch ein Verlust. Ein Kommentar

Nun geht er also. Nach zwei Jahrzehnten bei den Grünen verlässt einer ihrer profiliertesten Wirtschafts- und Finanzpolitiker die Partei.

Überraschend kam der Schritt nicht mehr. Oswald Metzger hatte sich schon lange von den Grünen entfremdet – und sie sich von ihm. Seine Kritik am neuen sozialpolitischen Programm der Partei und seine wüsten Beschimpfungen von Sozialhilfeempfängern waren nur noch die letzte Provokation, die es ihm selber leichter machen sollte, sich zu verabschieden.

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Denn einfach ist der Abschied für Metzger sicher nicht. Er ist bei den Grünen in Baden-Württemberg, der Realo-Urzelle, tief verwurzelt. Und er hat, seit er 1994 zum ersten Mal in den Bundestag einzog, die Partei und ihre Regierungsparteiwerdung mitgeprägt. Er stand wie kaum ein anderer für einen wichtigen Teil ihres realpolitischen Programms und für ihren Anspruch als "Reformmotor" in der rot-grünen Koalition: Die Forderung nach einer strikten Haushaltskonsolidierung und nachhaltigen Finanzpolitik, nach einem Abschied vom alle versorgenden, bevormundenden Sozialstaat, nach mehr Eigenverantwortung und der Versöhnung von Ökologie und Ökonomie. Kurz: für den Abschied von alten linken Blütenträumen der Grünen und der radikalen Hinwendung zu einer pragmatischen ökologischen Marktwirtschaft - und damit zu neuen bürgerlichen Wählerschichten.

Oswald Metzger hat es seinen Kritikern allerdings allzu oft auch leicht gemacht. Statt für Mehrheiten in der Partei zu kämpfen, hat er seine zahlreichen Gegner immer wieder mit extremen ordoliberalen Positionen provoziert – bevorzugt über die Medien und getreu dem selbstverliebten Muster vieler selbsternannter "Querdenker" und Parteirebellen: Reize den eigenen Laden so lange, bis er dir irgendwann folgt - oder du als Märtyrer und einzig Aufrechter dastehst.

An diesem Punkt ist Metzger nun angelangt. Ob er außerhalb der Grünen, ohne deren Reibungsfläche, oder in einer neuen Partei (ob CDU oder FDP) dieselbe Aufmerksamkeit oder gar Wirkung erreichen wird, ist fraglich.

Doch die Grünen sollten nicht allzu erleichtert sein, dass sie den Quälgeist aus dem Südwesten nun endlich los sind. Denn der Abgang des schon seit einiger Zeit ins Abseits Geratenen bedeutet nicht nur eine personelle Verarmung. Er ist auch ein weiterer Beleg für die Orientierungslosigkeit der Grünen als Oppositionspartei.

Auf ihrem Parteitag am Wochenende haben sie sich - nach dem außenpolitischen Afghanistan-Schwenk im September - nun auch in der Sozialpolitik von ihrem alten Regierungskurs verabschiedet, ohne recht zu sagen, wohin die Reise nun gehen soll. Ein bisschen linker wieder, sozialer und weniger pragmatisch, aber auch nicht zu radikal. Irgendwie halbherzig in jeder Hinsicht.

Für Oswald Metzger, der stärker als fast jeder andere bei den Grünen die Zukunft in Schwarz-Grün sah, war da in der Tat kein Platz mehr. Für die CDU, bei der einige ebenfalls von künftigen Bündnissen mit der einstigen Alternativpartei träumen, dürfte der Austritt ein weiteres Indiz dafür sein, dass mit Bütikofer, Roth & Co vorerst kein bürgerlicher Staat zu machen ist. Oswald Metzger muss daher nicht fürchten, dass er sich in absehbarer Zeit mit seinen nun einstigen Parteifreunden wieder zusammen in einer Koalition findet.

 
Leser-Kommentare
    • pareg
    • 27.11.2007 um 19:01 Uhr

    Die Grünen sollen froh sein, dass er gegangen ist.
    Es handelte sich doch seit Jahren nur um einen eitlen Selbstdarsteller, der nur vor dem Hintergrund grüner Politik seine ordoliberalistische Show abziehen konnte.
    Als CDU- oder FDP-Mann hätte in unserer Medienlandschaft kein Hahn nach ihm gekräht. Diese Parteien haben viel profundere Kenner der Materie, aber sie haben natürlich nicht den Polit-Charme eines schwarz-grünen Spielchens. So konnte er immer wieder aufmerksam erzielen, die ihm sonst nicht zuteil geworden wäre. Dafür hat er die Grünen benutzt. Deshalb will er ja noch mindestens ein paar Monate das von den Grünen über die Landesliste bzw. Zweitauszählung erhaltene Mandat behalten (vielleicht hängt ja ein Pensions-Termin dran?)!

  1. Mit hat Herr Metzger doch zugesagt, leider hat er meinen vor Jahren geschickten Rat, sich für eine Allparteienregierung, Kumulierung und Panaschierung der Wahlstimmen einzusetzen, bis heute nicht angenommen. Er war einer der wenigen, die ich notfalls dennoch gewählt hätte - leider lebte ich nicht in seinem Bundesland. Eine Chance m.E., nun als parteiloser unabhängiger Kandidat anzutreten, da er ja nun doch einige Popularität hat - diese sollte er, endlich lager- und parteiübegreifend(!), im Sinne nur seiner Sache, nutzen! 
    Die Grünen sollten sich vielleicht in Grünrote umbenennen. (Ist deswegen ja keine Schande - aber wenigstens korrekt!)

  2. Die Grünen haben einen Wirtschaftsexperten verloren. Aber ist ein falscher Prophet wirklich besser als kein Prophet?
    Der Mangelzustand der Grünen dokumentiert sich am besten dadurch, daß sich Herr Metzger so exponieren konnte.
    Auf dem Gefechtsfeld der Politik läßt sich mit den Söders, Nahles und Metzgers allenfalls eine Verbalschlacht gewinnent, aber nie ein Feldzug für eine funktionierende Wirtschaft führen.

  3. Die Schweiz macht es vor: Seit einiger Zeit gibt es eine, von den (linken) Grünen abgespaltete, Grünliberale Partei, die auch gleich diesen Herbst einige Sitze im Parlament gewonnen hat - ein schöner Erfolg für einen solchen Neuling bei Wahlen. Diese Klientel, die die Schweizer Grünliberalen mit ihrem Profil ansprechen konnte, gibt es sicher auch in Deutschland! Und es gibt sicherlich auch weitere Grüne Politiker, die mehr wie Oswald Metzger denken, wohl aber zurückhaltender auftreten, und sich in einer solchen neuen Partei besser aufgehoben finden. Wäre das nicht auch ein Modell für Deutschland, das Erfolg versprechen könnte?

  4. Es wundert mich schon lange, warum die FDP diese Lücke nicht besetzt und sich des Umweltthemas nicht offensiv annimmt. Vielleicht könnte Metzger da hineinstoßen. 

    • robrob
    • 28.11.2007 um 12:01 Uhr

    Guido Westerwelle als Umweltengel? Nee....
    Manche inhaltliche Änderung geht halt nicht, wenn man sich nicht gleichzeitig auch personell verändert. Die heutige Ausrichtung der Grünen mit Schily, Fischer und Metzger an Bord? Unvorstellbar!
    Umgekehrt ist es ein gutes Zeichen, dass es hin und wieder Leute gibt, die gewisse Wendungen einfach nicht mitmachen wollen. Windelweiche Profiteure, die immer das meinen, was gerade Beifall verspricht,  gibt es ja nun auch schon genug.

  5. Ludwig Grevens Kommentar in Ehren, doch den besten Artikel über Oswald Metzgers Parteiaustritt hat (wer sonst?) die linksalternative "taz" geschrieben. Siehe:

    Die One-Man-Show

  6. ... ist es ein geistiger Offenbarungseid, eine arme soziale Randgruppe mehr oder minder als Alkoholiker oder Freßsack zu denunzieren.Gegen sozial Benachteiligte, gegen Sinti und Roma, gegen ... Fällt da was auf?Metzger ist sicherlich kein Faschist, aber in Teilen denkt er schon  wie einer... Da wäre ein Eintritt in die FDP, von der ich übrigens rein gar nichts halte, ziemlich logisch; bei dem historischen Hintergrund, den diese Partei hat, die "erste" Wahl.

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