Heldenverehrung Drogen auf drei
Wann und warum starben Jimi Hendrix, Nico und Janis Joplin? Der Taschenkalender "The Beat Goes On" erinnert an 751 verstorbene Popmusiker.
Das elende Gedächtnis! Der Kinobesuch mit Freunden, Omas Geburtstag oder die Klavierstunde der Tochter – weg, futsch, vergessen. Der Alltag frisst zuweilen unsere Erinnerung. Um dem täglichen Stress zu entgehen, legen viele Platten auf. Die von Janis Joplin zum Beispiel. Lange ist sie tot, 14 Stiche ihres Fixbestecks beendeten ihre kurze Karriere. Überdosis Heroin, das war’s. Bloß wann war's? Vergessen.
Damit tägliche Dinge nicht untergehen, gibt es Kalender in allen möglichen Formen, mit Kätzchen, Schiffen und nackten Mädchen. Ein neuer heißt The Beat Goes On – Kalendarium toter Musiker . Ein Büchlein von etwas sakraler Anmutung, fest gebunden und kompakt wie ein Gesangsbuch. Vorne leuchten Kreuze in güldenem Prägedruck, hinten ein kleiner Grabstein. Dazwischen liegen 256 Seiten mit 12 Monaten, 52 Wochen, 365 Tagen – und 751 Leichen.
„Nachdem wir zum dritten Mal in Folge den Todestag des KING vergessen hatten, reichte es meinem Freund Milan“, schreibt Stefan Hauser im Vorwort. Gemeinsam mit vier Freunden sammelte er die Musiker, für jeden Tag mindestens einen, inklusive Todesursache. Während ihrer Recherche galt bloß eine Vorgabe: Die Künstler sollten nach 1945 gestorben sein.
Herausgekommen ist eine beachtliche Sammelgruft bekannter und weniger bekannter Toter. Ihre Namen stehen als Fußnote unter den Kalendertagen. Nicht nach Bedeutsamkeit wurden sie ausgewählt, sondern nach Geschmack der Herausgeber. Keine Klassik, nur Unterhaltungsmusik – denn denken die Autoren an Sebastian Bach, falle ihnen nur der Sänger der Hardrockband Skid Row ein.
Eine Dreistigkeit? Ein Vergnügen! Obgleich ein bisschen zynisch, wenn zu Beginn jeder Woche der „Death of the Week“ gekürt wird. Dieser bekommt mehr als eine Randzeile. Ein kleines Epitaph erzählt eine kurze Geschichte von Leben und Sterben des Musikers. Wie der erste AC/DC-Sänger Bon Scott an seinem Erbrochenen erstickte, der Metallica-Bassist Cliff Burton unter die Räder des Tourbusses geriet, oder
Nico
auf Ibiza vom Rad fiel – die Autoren finden meist das richtige Maß an Respekt und Information. Nie sind die Zeilen bemüht witzig. Unfreiwillig komisch wird’s von allein. Mancher Musiker starb auf haarsträubende Art und Weise: beim Frühschoppen, Reifenwechsel oder von der eifersüchtigen Ehefrau ermordet. Und der Leser stutzt schon mal: Wie? Der lebt nicht mehr?
Freilich verehrt dieser Kalender die Helden seiner Autoren. Ein paar erwischte es jung, sie starben in Autounfällen, durch Selbstmord oder Drogen:
Jimi Hendrix
,
Joy Divisons
Ian Curtis oder Buddy Holly. So wurden sie zu Ikonen, ihr Leben zu unzerstörbaren Mythen der Musikgeschichte. Früh spielten sie revolutionäre Musik, und früh schieden sie dahin, bevor ihre Platten öde werden konnten, oder sie graugreis bei
Wetten dass?!
auftreten mussten. Und wer’s genau wissen will, dem zeigt eine Statistik, woran sie am häufigsten starben. Krebs Platz eins, Unfall auf zwei, Drogen knapp auf drei.
Keine Angst: Dem Kalenderbesitzer bleibt genug Platz für eigene Notizen. Mit
The Beat Goes On
wird Omas Geburtstag 2008 nicht vergessen. Und ebenso wenig Künstler, die erinnert werden sollten.
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- Datum 25.11.2007 - 05:06 Uhr
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