Kaffeehäuser Rückkehr zum Plüsch
Starbucks & Co. zum Trotz erleben sogenannte Oma-Cafés in Deutschland eine Renaissance
Ein richtiges Oma-Café braucht eine Drehtür. Natürlich aus Holz und ohne Elektroantrieb. Das „Café Maldaner“ in Wiesbaden besitzt noch solch ein altertümliches Entrée. Wenn man sich im Trippelschritt den Weg ins Innere gebahnt hat, glaubt man, in einem gemütlichen Wohnzimmer zu stehen.
Das „Maldaner“ ist seit 1859 eine Institution in der hessischen Kurmetropole. Als sich vor sieben Jahren die hochbetagte Inhaberin aus dem Geschäft zurückzog, fürchteten manche schon das Ende einer langen Tradition. Was würden die neuen Pächter machen? Das „Maldaner“ als trendiger Coffeeshop? Eine schreckliche Vorstellung! Doch Renate Winkel und Michael Schulz, die das Café übernommen haben, beschlossen, an der alten Wiesbadener Kaffeehaus-Institution festzuhalten.
Das einheimische Gastronomenpaar ließ die alten Stühle und Fauteuils neu aufpolstern, die Spiegel und Holzvertäfelungen von allzu viel Patina befreien und eine Kuchentheke im alten Stil einbauen. Die Gäste honorieren das Engagement fürs „gute Alte“. An Samstagen ist es so voll, dass selbst die 180 Plätze nicht ausreichen.
Echte Traditionscafés wie das „Maldaner“ sind selten geworden in Deutschland. Einst gab es in jedem größeren Ort einen dieser halb öffentlichen, halb privaten Orte, an dem man sich mit einer Zeitung oder einem Buch die Zeit vertreiben oder sich mit Freunden zum Plausch treffen konnte. Doch viele Cafés haben die zahlreichen Mode-Volten nicht überstanden, haben sich zu viel oder zu wenig angepasst an die Zeitläufte und die Launen des Publikums und ihre Pforten für immer geschlossen.
Heute bestimmen die Coffeeshops das Bild der Städte. Allein im vergangenen Jahr haben 159 dieser Lokalitäten neu eröffnet: Starbucks, MacCoffee, Coffee Fellows. Trotzdem sagt Stefanie Heckel, Sprecherin des Hotel- und Gaststättenverbandes, dass es einen Gegentrend gebe, nämlich die Wiederentdeckung der Oma-Cafés mit ihrem ganz eigenen Flair. Die Gästen suchen offenbar wieder Orte, an denen die Zeit ein bisschen langsamer geht als in den Kaffee-Tankstellen mit ihren Latte macchiatos „to go“.
München sollte eigentlich wegen der Nähe zu Österreich und seiner Kaffeehaus-Tradition ein besonders geeigneter Standort für ein Oma-Cafés sein. Doch ein dem „Maldaner“ in Sachen Gemütlichkeit vergleichbares Etablissement gibt es hier nicht. Platzhirsche sind das „Café Kreutzkamm“ und die „Confiserie Rottenhöfer“ . Leider wurde das Stammhaus des „Kreutzkamm“ in der Maffeistraße vor drei Jahren renoviert und damit auch ein wenig seines Charmes beraubt. Trotzdem sieht man dort noch die alten Damen mit Kopfbedeckungen aus Webpelz, die mittags ihr Königinpastetchen mit Worchestersauce essen oder ein Stück Baumkuchen - die Spezialität des Hauses. Das „Rottenhöfer“ in der Residenzstraße, gegründet 1825, ist ein echter Münchner Traditionsbetrieb. Die Innenausstattung aus den siebziger Jahren ist zwar nicht wirklich gemütlich. Dafür gilt das Gebäck als das beste der Stadt, etwa die seltenen „Zwetschgenpavesen“, eine Art armer Ritter, gefüllt mit Zwetschgenmus.
Ein echter Geheimtipp ist das „Café Jasmin“ in der Augustenstraße in der Maxvorstadt. Die lindgrünen Sofas, der rosa Teppichboden und die Metalltapeten an den Wänden atmen das unverfälschte Flair der fünfziger Jahre. So unverfälscht, dass das Café unter Denkmalschutz steht. Nach dem Tod von Gründerin Irmin Bunjes hat ein junges Männerpaar die Führung des Hauses übernommen. Sie wollten keinen „Szene-Schuppen“ aus dem „Jasmin“ machen, sondern einen Ort, an dem sich die Menschen des Viertels treffen können. Dennoch fanden Location-Scouts das Café so trendig, dass sie es für einen Münchner Tatort auswählten.
In Berlin, dem Münchner Antipoden, hat das legendäre
„Kranzler“
am Kurfürstendamm sein Leben weitgehend ausgehaucht. Einst war es mit seiner Fünfziger-Jahre-Ausstattung, Marmorwendeltreppe, seidenverkleidetem Gastraum und den rot-weißen Markisen ein Wahrzeichen der Stadt. Im Jahre 2000 wurde das Café, das mittlerweile einem internationalen Lifestyle-Konzern gehört, in das „Neue Kranzler Eck“ integriert. „Das Interieur wurde modernisiert, die gemütliche Atmosphäre blieb erhalten“, behauptet die Homepage. in Wahrheit trifft man hier nur noch Touristen auf der Suche nach einem Traditionscafé, das keines mehr ist.
Auch das „Einstein“ in der Kurfürstenstraße , behauptet von sich, ein „echtes“ Wiener Kaffeehaus zu sein. Omas und Müßiggang findet man hier jedoch selten. Vielmehr bevölkern Touristen und robuste Mütter und Väter mit geländegängigen Kinderwägen die Tische. Der Lärmpegel ist unerträglich.
Fündig wird man - wie im Falle des „Maldaner“ - eher in der deutschen Provinz. Etwa in Göttingen, wo „Cron & Lanz“ zu Recht den Status eine Traditionscafés für sich beansprucht. Hier trifft man viele Professoren und Studierende. Der Kuchen soll der beste in der ganzen Region sein. In Mainz gibt es das „Domcafé“ , das sich an eine Flanke des mächtigen romanischen Doms schmiegt. Gegründet 1792, atmet es heute die bodenständige Atmosphäre der pfälzischen Landeshauptstadt. Kurt Beck, der rustikale SPD-Chef, würde gut hierher passen.
Schon einmal in Rheinland-Pfalz, sollte man seinen Blick zu guter Letzt nach Trier wenden. Hier, in der Simeonstraße nahe der Porta Nigra, im prächtigen Dreikönigenhaus, residiert das „Café Bley“. Dem Besucher weht noch der unverfälschte Charme der unmittelbaren Nachkriegszeit entgegen. Die Auslage im Schaufenster - Sekttrüffel und Marzipankartoffeln - ist ein wenig verstaubt, wie es sich für ein veritables Oma-Café gehört. Selbst der Kuchen schmeckt noch ein bisschen nach fünfziger Jahren. Der Kaffee wird in leicht ramponierten Kännchen aus Hotelsilber serviert; damit man sich nicht die Finger verbrennt, haben die fürsorglichen Kellnerinnen einen offenbar selbst genähten Filzüberzug über den Henkel gestreift. Um das „Café Bley“ noch erleben zu können, muss man sich allerdings beeilen. Denn die Trierer Institution schließt zum Jahresende. Dann zieht in die ehrwürdigen Räume - ein Coffeeshop.
Café Maldaner
, Wiesbaden, Markstraße 34
Café Kreutzkamm
, München, Maffeistraße 4, www.kreutzkamm.de
Confiserie Rottenhöfer
, München, Residenzstraße 25-26, www.rottenhoefer.de
Café Jasmin
, München, Augustenstraße 74
Café Kranzler
, Berlin, Kurfürstendamm 18, www.cafekranzler.de
Café Einstein
, Berlin, Kurfürstenstraße 58, www.cafeeinstein.com
Cron & Lanz
, Göttingen, Weender Straße 25, www.cronundlanz.de
Domcafé
, Mainz, Markt 12-16, www.domcafe-mainz.de
Café Bley
, Trier, Simeonstraße 19 im Dreikönigenhaus
- Datum 16.04.2008 - 07:21 Uhr
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Na sagen Sie mal, DIE ZEIT macht Reklame fuer Cafe-Klassiker ueberall in Deutschland -und vergisst sich daheim mal umzuschauen??? Das darf doch wohl nicht wahr sein. Das Cafe Lindner (oder Lindtner?) ist doch hoffentlich nicht inzwischen zum Teufel gegangen seit ich im Fruehjahr zum letzten Mal zu Haus in Eppendorf war? Das Kreutzkamm soll einen so guten Stollen haben, also ich freu mich schon auf den bei Lindner. Vor gar nicht langer Zeit gab es sogar noch einen 'Herrn Ober' im Frack, seufz. Frohes Fest bei Lindner (Ich weiss nicht ob es nicht vielleicht mit 'nem 't' nach dem 'd' geschrieben wird.)
Dort gibt es vor allem exquisiten Baumkuchen. Hummel Hummel!
Wenn auch nicht Oma Cafes im strengen Sinne, so sind diese beiden Cafes in Konstanz doch was ganz besonderes, weil einfach anders als die Cafetieros und Einsteins und sonstige airport terminal design Orte:
http://www.das-voglhaus.de/
http://www.aran.coop/
Da werde ich noch gerne hingehen, wenn ich mal Oma werde (kann schon bald Wirklichkeit werden).
Das Voglhaus Cafe hat jedesmal ein neues Interior, wenn ich Konstanz besuche, aber jedesmal wieder neu gemütlich und schön, mit Tischen und Fensterbänken (zum Sitzen) und Ecknischen mit vielen Gelegenheiten, mit allerlei Leuten ins Gespräch zu kommen. Und interessante Toiletten (schon mal zu Vogelstimmen gepinkelt?).
Im Aran gibt es außer einer exzellenten Kaffeeauswahl auch wunderschöne Petot Fours, Obstsalate und Brotaufstriche.
Hach, nur her mit den so despektierlich "Oma-Cafés" genannten Kultur-Einrichtungen, die im Zuge des Modernisierungswahns der Gastronomie fast verschwunden sind! Ich vermisse sie, diese plüschig bis kargen, gediegen-bürgerlichen bis existentialistisch angehauchten Orte, in den man Stunden seines Lebens auf angenehmste Weise verbringen konnte. Häuser, in denen man lange Zeitung lesen, dem Gemurmel der Leute zuhören, ihnen zusehen, seinen Gedanken nachhängen, verliebt turtelnd sitzen, plauschen, Torten essen konnte…..
Wie viele Bücher wären nicht geschrieben, wie viele Gedanken nicht gedacht, wie viele Küsse nicht ausgetauscht worden, wenn es sie nicht gegeben hätte, diese Cafés!
Ist es etwa „Kultur“, mit dem Pappbecher für 4 EUR in der Hand am Stehtisch zu hängen, das Handy am Ohr, oder in den Laptop hämmernd schnell seinen Lifestyle-Macchiato in sich hinein zu kippen? – Weg damit! Und: her mit den alten Kaffeehäusern!
Das Café Princess in Oberstaufen wurde vergessen! Ich bin beruflich sehr viel unterwegs und habe noch nie ein so schönes und stillvolles Café wie das Café Princess in Oberstaufen gesehen. Die Qualität der Kuchen und Pralinen ist einfach hervorragend. Dieses Café kann ich nur weiter empfehlen. Aber überzeugt euch selber: http://www.cafe-princess.com/
Café-Kenner
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