Die Kanzlerin hat ein neues Lieblingswort. Als Oppositionsführerin war sie die unerschrockene Reformerin, sie sprach in den Jahren 2003 bis 2005 bevorzugt von „Zwängen“, „Erforderlichkeiten“ und eben von „notwendigen Reformen“. Nach ihrem knappen Wahlsieg 2005 bekamen plötzlich die Wörter „sozial“ und „Gerechtigkeit“ einen deutlich höheren Stellenwert, das beim Wähler offenbar unpopuläre Reformantlitz trat in den Hintergrund.

Angela Merkels neues Lieblingswort lautet nun „Erfolg“. In der ersten Viertelstunde ihrer Grundsatzrede verwendet sie es ein knappes Dutzend Mal. Der Parteitag in Hannover ist für Merkel der dritte Parteitag, den sie als Kanzlerin bestreitet. 2005 lag die Bundestagswahl mit ihrem schlechten Ergebnis erst wenige Wochen zurück. 2006 dominierte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit seiner Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit den Parteikonvent. Diesmal gab es keine störende Vorfeld-Debatte mit Sprengkraft. Diesmal sind die Umfrageergebnisse der Union unangefochten gut.

Anlass also für Merkel, die eigene Regierungstätigkeit zu loben. Oder wie sie es nennt: „Die Liste der Erfolge“ zu benennen. Im Vergleich zu 2005 stehe Deutschland wesentlich besser da, so startet die Kanzlerin ihre Rede. „Bei der Beschäftigung geht es bergauf. Noch nie waren so viele Leute sozialversicherungspflichtig beschäftigt.“ Die Sanierung des Haushalts käme ebenfalls voran. Auch die Löhne steigen. „Kurz und bündig: Deutschland befindet sich im Aufschwung!“

Ist das überhaupt der Erfolg der CDU? Sind die guten Konjunkturdaten nicht auf die Agenda 2010 der rot-grünen Bundesregierung zurückzuführen? Merkel ist Dialektikerin genug, um diesen wiederkehrenden Vorwurf in ihre Rede einzubauen. Die SPD sei gerade dabei, „Vertrauen“ zu verlieren, seit sie auf dem Hamburger Parteitag „vor wenigen Wochen die Mitte aufgegeben“ habe. In Hamburg habe sich die SPD ein Stück von den Forderungen der Agenda 2010 distanziert, sagt Merkel: „Die Kanzlerpartei von damals will nichts mehr mit ihren Entscheidungen zu tun haben“, sondern stattdessen die „notwendigen Erneuerungen“ zurückdrehen.

Das sei bedauerlich, sagt Merkel, für die CDU böte es aber auch Vorteile. Schließlich wolle die SPD offenkundig mit dem Erfolg der Sozialstaatsreformen nichts mehr zu tun haben, sagt Merkel. Da bleibt mehr für die CDU.

Überhaupt die SPD. Merkel nimmt sich einige Minuten Zeit, um über den Koalitionspartner zu lästern. „Demokratischer Sozialismus“, zischt sie den neuen Leitbegriff der SPD ins Mikrofon. „Das ist ein Widerspruch in sich.“ Schließlich ende der Sozialismus immer totalitär. „Ganz gleich welche Kapriolen andere drehen, in der Mitte sind wir.“