Iran/USA Absolution für Ahmadineschad?

Der Bericht der US-Geheimdienste, Iran bastele doch nicht an einer Atombombe, hinterlässt mehr Fragen als Antworten – und einen Bombenkrater in der US-Iranpolitik

Die Bombe, die der National Intelligence Council (etwa: Nationaler Rat für die Nachrichtendienste) am Montag in Washington platzen ließ, hat viel Rauch und wenig Durchblick, mehr Fragen als Antworten hinterlassen. Nun bastle Iran doch nicht an einer Atombombe, war der Kern der NIC-Aussage. Die augenfälligste Frage an George W. Bush stellte der NBC-Reporter im Weißen Haus: „Setzten Sie sich jetzt nicht der Anklage aus, die Bedrohung gehypt zu haben? Und machen Sie sich keine Sorgen, dass dies die Glaubwürdigkeit der USA untergräbt?“

In der Tat. Aber die Frage könnte genauso gut an die 16 Geheimdienste gehen, die an dem Bericht mitgewirkt haben. Warum hat der Rat 2005 „mit hoher Sicherheit“ behauptet, Iran sei „entschlossen, Atomwaffen zu bauen“, wenn er jetzt meint, dass das Programm schon 2003 beendet worden sei?

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Aus Washington hört man, dass der entscheidende Fingerzeig Anfang des Jahres von einem hoch platzierten iranischen Überläufer, dem General der Revolutionsgarden, Alilreza Asgan, gekommen sei. CNN zeigte Montagabend Bilder aus der Anreicherungsanlage in Natanz, aus denen man geschlossen habe, dass die vorhandenen Apparaturen unmöglich HEU („highly-enriched uranium“), also bombenfähiges Material produzieren könnten.

Der Laie staunt und wundert sich: Reichen derlei Indizien aus, um eine 180-Grad-Wende in der Beurteilung auszulösen? Der Zyniker fragt weiter: Wieso lässt der NIC diese Bombe jetzt hoch gehen, wieso rammt er das Messer in die Politik des immer noch amtierenden Präsidenten, der noch im Oktober behauptet hatte: Das Waffenprogramm müsse gestoppt werden, um den „Dritten Weltkrieg“ zu verhindern. Hier öffnet sich ein weites Feld für Verschwörungstheoretiker aller Art.

Wenn das Ziel die maximale Beschädigung amerikanischer Nahostpolitik war (die in Annapolis gerade ein paar Punkte eingeheimst hatte), war die NIC-Bombe ein voller Erfolg. Das Wahlvolk fragt sich, ob es nicht schon wieder an der Nase herumgeführt worden sei – wie mit Saddams nicht existierenden Massenvernichtungswaffen 2002/2003. Europäische Diplomaten verbreiten, dass es nun viel schwieriger geworden sei, die EU für verschärfte Sanktionen gegen Teheran zu gewinnen.

Leser-Kommentare
    • QUOTE
    • 05.12.2007 um 8:20 Uhr

    "Die erste hat mit der Geschichte des iranischen Atomprogramms zu tun.
    Dieses begann ja nicht unter der Ägide der Chomeinisten, sondern Anfang
    der 70er Jahre unter dem Schah, der nach der Vervierfachung des
    Ölpreises 1973 Großmachtsgelüste zu präsentieren begann. Den ersten
    Baustein sollten die Atomkraftwerke liefern, die Siemens/Kraftwerkunion
    in Bushir aufbauen sollte."
    Na sicher, die bösen, profitgierigen deutschen Krämerseelen, die mit der Atomtechnologie hausieren gehen, ohne auf die Folgen zu gucken, was, Herr Joffe?"Im Grunde genommen legt die Regierung in Teheran nur die
    Pläne wieder auf, die Ende der 50er Jahre entstanden und mit den USA
    abgesprochen waren. 1967 wurde aus den USA der erste Forschungsreaktor
    nach Teheran geliefert. (...)
    1975 schloss der damalige USA-Außenminister Henry Kissinger mit dem
    Schah-Regime Verträge über ein umfassendes Atomprogramm. Schon damals
    war geplant, 23 Atomkraftwerke bis zum Jahr 2000 zu bauen."
    SO siehts nämlich aus!"Verarschen kann ick mir alleene!"

    • QUOTE
    • 05.12.2007 um 8:21 Uhr
    2. Ups...

    ...Link zum 2. Zitat vergessen:http://www.uni-kassel.de/...

  1. Anscheiend gibt es immer noch  Idioten, die an einen friedlichen Iran glauben, der ein Gegengewicht zu den bösen Vereinigten Staaten bilden sollte.
    Dass ausgerechnet Deutschland der größte westliche Handelspartner von dem Iran ist, passt in die deutschen Krämmerseelen allzu gut.
     

    • MS
    • 05.12.2007 um 9:47 Uhr

    Seit dem Jahr 1979 gibt es allerdings im Iran eine Regierung, mit der der Westen nicht zusammen arbeiten will. Nach einem Politikwechsel, der auch von der Bundesrepublik Deutschland mitgetragen wird, werden Aktivitäten, die das straegische Potential eines Staates ausbauen, eingestellt.Die BRD hat es lange Jahre geduldet, dass sich einige Firmem und Privatleute darüber hinwegsetzen. Nun zahlen wir den Preis dafür. Denn der erhoffte Regimewechsel ist nicht eingetroffen bevor die Kleriker Stress machten.Sicher machen das auch andere Staaten so, auch dort funktioniert das nicht immer und dann müssen die Scherben zusammengefegt werden.Wenn man denn schon mit so großen Tönen eine angebliche Heuchelei aufdecken will, erst mal das GANZE betrachten und nicht nur ein Schnipsel. Sonst fällt man auf Propaganda rein.

  2. 5. @Quote

    SO siehts nämlich aus!"Verarschen kann ick mir alleene!"
     
    Das tun sie gerade. Viel Spaß dabei.

  3. So ist das nunmal, wenn man sich auf Geheimdienstinformationen stützen muß. Es ist eine sehr bequeme Sache: Wer könnte auch überprüfen was die Dienste sagen oder nicht sagen? Die Presse? Die Öffentlichkeit? Die UNO? Der Verweis auf die Geheimdienste ist somit zum Ersatz belegbarer Fakten oder wenigstens logischer Vermutungen geworden, die bar jeder Überprüfung die Notwendigkeit der tollkühnsten Abenteuer rechtfertigen können. Der "Vorfall" im Irak ist nur das jüngste Beispiel in einer langen Reihe.An diesem Punkt wird es m.E. sehr naheliegend, daß es in diesem "Atomkonflikt" nie wirklich um Atome ging, sondern vielmehr um die Vormachtsstellung, die der iranische Staat aufgrund seiner Größe und Beschaffenheit im Nahen Osten einzunehmen gedenkt. Mit logischen Überlegungen waren die Sanktionen eh nie zu eklären, siehe Atomprogramme anderer Nahost-Staaten oder die durchgängige Zusammenarbeit mit dieser Baradai-Behörde.Dies zur Kenntniss genommen frage ich mich, ob sich die Bundesregierung mit ihrer Unterstützung der Sanktionen nicht munter an einer Politik im Nahen Osten beteiligt, bei der ich mir nicht sicher bin ob sie uns ansteht. Wer sind wir in die Machtstrukturen des Nahen Ostens einzugreifen? 

  4. Warum nur diese Aufregung, Herr Joffe ? Warum versuchen Sie nicht , mit Fakten anstatt mit ideologisch gefärbter Imperiumsmeinung zur Weltlage zu arbeiten? In der gesamten Iran-Atombomben-Chose waren die Fakten  bisher immer genügend klar: Baradei's Internationale Atomenergieagentur hat in allen bisher zum Iran veröffentlichten Berichten klar und deutlich in Abrede gestellt, dass dort ein Atomwaffenprogramm betrieben würde. Genauer: Es ist seit Jahr und Tag bekannt, auch für Laien, die sich etwas in  einfacher Netzrecherchearbeit auskennen, dass sich der Iran in Sachen Proliferation (Weiterverbreitung von Atomwaffen usw.) - und dies sehr im Gegensatz zu Israel (das den Atomwaffensperrvetrag nicht unterzeichnet hat und selber Atomwaffen besitzt und damit seine Nachbarn seit Jahren bedroht, ein Faktum, das Sie völlig ausser Acht lassen), Pakistan (dito), Indien (dito) und Ägypten, wo keine Kontrollen der Agentur zugelassen werden - bis heute vertragstreu verhält. Nicht vertragstreu verhält sich aber beispielsweise die Administration Bush, indem sie mit Indien Atomenergiekooperationsverträge geschlossen hat. Sie wurde dafür von der Atomenergieagentur auch ausdrücklich gerügt.Nun ist mir schon klar, weshalb Sie sich auf diese einigermassen nachprüfbaren Fakten nicht einlassen wollen: Sie müssten einiges von Ihrer festgefügten Weltsicht in Frage stellen. Das beginnt bei der Rolle, die Israel dort, wo Israel sich ausbreitet, spielt. Und es hat mit Ihrer Selbstverständlichkeit zu tun, mit der Sie annehmen, wie jemand wie Putin oder "die Chinesen" Weltpolitik betreiben, nämlich genau so, wie Bush und Co. offensichtlich Weltpolitik betreiben. Nun steht aber für Leute, die sich einen etwas freieren Blick auf das Geschehen erlauben, schon fest, dass weder die Chinesen noch die Russen noch der Iran irgendwelche aggressiven Handlungen ausserhalb ihres Staatsgebietes durchführen, die sich ausserhalb völkerrechtlicher Dimensionen bewegen würden. Die USA aber tut so, als ob sie das Recht hätte, souveräne Staaten ausserhalb des Völkerrechts angreifen und "bodigen" zu dürfen, wenn es "im Interesse der USA" liegt, Krieg zu führen.Das und nichts anderes ist der Kern Ihrer Problematik. Ob dahinter irgend eine Lobby, die Öllobby oder irgend eine Israellobby steckt, ist nicht von Bedeutung. Von Bedeutung ist die Tatsache, dass die USA heute eine aggressive Macht ist, welche vor völkerrechtswidrigem Krieg nicht zurückschreckt.Was die vielen dummen und dummdreisten Äusserungen vis-à-vis von Israel oder von den USA von Irans gegenwärtigem Präsidenten betrifft, würde ich Ihnen, Herr Joffe,  vorschlagen, einmal alle dummen und dummdreisten Äusserungen des gegenwärtigen US-Präsidenten, welche den Iran betreffen, mit der gleichen Lupe, nämlich derjenigen der Äusserungs-Adressaten respektive der Äusserungsobjekte anzuschauen. Sie werden vielleicht doch etwas überrascht sein über das, was dabei im Vergleich herauskommt!Vielleicht haben die 16 Geheimdienste diesbezüglich eine Reissleine gezogen ? Meinen Sie nicht, dass es sich darum handeln könnte ?

    • Tom030
    • 05.12.2007 um 10:35 Uhr

    Anders kann man diesen Dolchstoß der Geheimdienste nicht deuten. Hohe Verantwortungsträger in Pentagon und CIA wollen verhindern, daß die USA in einen neuen Kreig schlittern. Daher wurde der Report auch veröffentlicht, was normalerweise nicht üblich ist.
     
    Was aber steuert die US Administration, wenn sich selbst die CIA bemüßigt fühlt, mit derartigen Methoden gegen ihre Chefs zu operieren. Ein offenes Gespräch über die Gefahren einer Iran-Invasion hätte doch ausgereicht. Offensichtlich haben diese Herren erkannt, daß die US Administration nicht mehr rational erreichbar ist.
     
    Wir müssen uns fragen, ob es nicht die Israel Lobby in den USA ist, welche freie Entscheidungen mittlerweile unmöglich macht: Laut den US Politologen Walt/Mearschheimer sind fast alle führenden Neocons Teil dieser Lobby. Die Macht dieser Gruppen scheint so groß zu sein, daß sich führende Kräfte zu solchen Operationen gezwungen sehen.
    Siehe dazu auch:
    http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2007/nr42-vom-22102007/aufstand-der-us-luftwaffe-und-der-us-geheimdienste-gegen-neokonservative-plaene-fuer-einen-atomkrieg
     

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