Fussball Wir können auch Österreich

Wenn bei der EM keiner der Gegner so kämpft wie die zweite Mannschaft von Werder Bremen, dürfen wir vom Alpenmärchen schon mal träumen. Das Bundesliga-Nachspiel

Österreich, Kroatien und Polen heißen also die Gegner der Deutschen in der Vorrunde der Europameisterschaft 2008. „Die knallen wir durch die Wand“, hätte Jürgen Klinsmann gesagt. Seit Österreich vor 17 Jahren gegen die Färöer-Inseln verloren hat, nimmt das Land fußballerisch sowieso niemand mehr ernst. Gegen die Polen haben wir noch nie verloren. Und Kroatien? Da wird unserem Bundes-Jogi schon was einfallen. Das Viertelfinale ist also quasi schon erreicht.

Italien, Frankreich, die Niederlande oder Spanien hingegen können uns frühestens im Finale herausfordern. Wir wissen es schon lange: Der Fußballgott ist ein Deutscher, da kann ja gar nichts mehr schiefgehen beim Projekt Alpenwunder. Austria wir kommen!

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Aber bis zur EM-Eröffnung am 7. Juni 2008 ist noch viel Zeit und vor allem jede Menge Bundesliga. Dort ist immerhin die Spannung zurück. Der Blick auf die Tabelle lohnt wieder. Zumindest für 50 Stunden stand am Wochenende ein anderer Name als Bayern München ganz oben: Werder Bremen. Korrekter müsste es heißen Werder Bremen II, denn die erste Mannschaft liegt im Lazarett. Aber das stört an der Weser keinen. Dabei grenzt der Erfolg eigentlich an ein Wunder. 

Ein bisschen ist das so, als würden bei der EM im kommenden Jahr für Deutschland weder Ballack noch Schneider, kein Frings, kein Klose und auch kein Mertesacker auflaufen, nicht einmal Poldi und Schweini. Und im Tor stünde statt Jens Lehmann der Cottbuser Fliegenfänger Gerhard Tremmel. Ganz Fußball-Deutschland würde weiche Knie kriegen und sich an Cordoba 1978 erinnern, an Hans Krankl und Edi Finger: „I wer' narrisch.“ Vielleicht muss man sich die Namen Rene Aufhauser und Andreas Ivanschitz ja doch noch merken.  

In Bremen halten solche Widrigkeiten niemanden auf. Da haut das Notteam einfach die Intergalaktischen von Real Madrid in der Champions League durch die Wand, und das Spitzenspiel der Bundesliga gegen den Hamburger SV entschied Werder am Samstag mit 2:1 ebenfalls für sich. Ein klasse Spiel war das, schnell, kämpferisch, spannend. Es war jeden Euro wert, was man ja nicht über jedes Bundesligaspiel sagen kann.

Tore fielen auch. Boubacar Sanogo traf gegen seinen alten Verein. Strafe muss sein, wenn man ein Talent so verkennt und zur Nordkonkurrenz ziehen lässt. Aber dann schenken die Werderaner dem HSV sogar den Ausgleich, weil Ersatztorhüter Christian Vander den Ball Rafael van der Vaart vor die Füße legte. So sind die Norddeutschen. Die Hamburger revanchierten sich postwendend, sie sind ja hanseatische Ehrenmänner: Die Flanke von Petri Pasanen fälschte Vincent Kompany ab, und Frank Rost im Tor der Hamburger schaute dem Ball so lange zu, bis er ihn nicht mehr erreichen konnte.

Leser-Kommentare
  1. „Da kommt Krankl (...) in den Strafraum – Schuss ... Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer' narrisch! Krankl schießt ein – 3:2 für Österreich! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals; der Kollege Rippel, der Diplom-Ingenieur Posch – wir busseln uns ab. 3:2 für Österreich durch ein großartiges Tor unseres Krankl. Er hat olles überspielt, meine Damen und Herren. Und warten's noch ein bisserl, warten's no a bisserl; dann können wir uns vielleicht ein Vierterl genehmigen. (...) Jetzt hammas gschlagn! (...) Noch einmal Deutschland am Ball. Eine Möglichkeit für Abramczik. Und!? Daneeeeben! Also der Abraaaamczik – obbusseln möcht' i den Abramczik dafür. Jetzt hat er uns gehooolfn. Allein vor dem Tor stehend. Der braaave Abramczik hot daneben gschossn. Der Orme wird si' ärgern. Und jetzt ist auuus! Ende! Schluss! Vorbei! Aus! Deutschland geschlagen!“

    Schöne Erinnerungen: http://www.fanline08.at/de/?p=610

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