Iran Das arabische Schweigen

Empörung, Erleichterung, Genugtuung? Von wegen. Zum neuen US-Geheimdienstbericht über das iranische Atomprogramm äußern sich die arabischen Länder nur verwirrt

Ist nun also alles nicht so schlimm mit Iran? Der amerikanische Geheimdienstbericht über das schon 2003 eingestellte Atombombenprogramm Teherans stellt nicht nur Washingtons bisherige Iranpolitik infrage.

Er stört auch den Versuch der USA, die gern als „moderat“ apostrophierten arabischen Länder in einer Koalition gegen Iran zusammenzuschweißen. Ob die jüngst auf der großen Nahostkonferenz in Annapolis bekräftigte Allianz eine Zukunft hat, steht dahin. Aber wie die Araber Iran sehen und wie der Bericht auch sie verwirrt, ließ sich auf einer Konferenz der Golfaraber in Doha beobachten.

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Auf der Tagung des Golfkooperationsrats (Saudi Arabien, Kuwat, Bahrein, Qatar, Emiraten und Oman) in der Hauptstadt von Qatar trafen sich zu Wochenbeginn jene arabischen Golfstaaten, welche die Amerikaner auf ihrer Seite gegen Iran wähnen. Es mag Zufall gewesen sein, aber erwies sich als Ironie der historischen Stunde, dass Mahmud Ahmadineschad ausgerechnet hier als „Ehrengast“ eingeladen war.

Der iranische Präsident lächelte viel, aber verscherzte sich sogleich Sympathien, als er mehrmals vom „Persischen“ Golf sprach, den die Araber den „Arabischen“ Golf nennen. Doch er war gekommen, um für sich zu werben. Also schlug er den Arabern einen Sicherheitspakt am Golf vor und schwieg laut hörbar über seine nuklearen Ambitionen, durch die sich die Araber heftig bedroht fühlen. „Er hätte uns etwas über Transparenz und seine wahren Absichten mit dem Atomprogramm erzählen können – die Gelegenheit hat er verpasst“, schimpfte der kuwaitische Politikprofessor Abdullah al-Schajedschi in eine Fernsehkamera von al-Dschasira und gab so dem stillen Ärger vieler über Ahmadineschad ein Ventil.

Eine gewisse Art von Transparenz kam schließlich aus Washington in Form des Berichts, der für den hochbeglückten Ahmadineschad in Doha wie auf Bestellung kam. Doch dem Lob und Preis des Iraners für den Report folgte konsterniertes Schweigen der Araber. Haben die Amerikaner und die Internationale Atomenergiebehörde sie in die Irre geführt? Ist Iran viel ungefährlicher,als es scheint? Noch sortiert man auf der arabischen Seite des Golfs die Gedanken neu.

Wie so häufig, tun sich die Araber mit schnellen Reaktionen schwer. Der Gastgeber, Scheich Hamad bin-Khalifa al-Thani von Qatar, ließ sich nicht nehmen, Iran gleichwohl zu warnen. Er betonte nachdrücklich, dass die Golfregion „ernsthaft bedroht“ sei. Nun müssten „alle Beteiligten ihre Positionen überdenken, bevor es zu spät“ sei. Wenn auch das nicht gerade transparent gesagt war, durfte sich Ahmadineschad seinen Reim darauf machen.

Doch nach der ersten kalten Überraschung für die Araber dürfte Erleichterung folgen. Denn, genau besehen, enthält der Bericht für sie gute Nachrichten in zwei Richtungen: Erstens steht Ahmadineschad offenbar nicht unmittelbar vor dem Griff nach der Atombombe, zweitens dürfte der vorkriegerische Furor von George W. Bush durch die Veröffentlichung spürbar gebremst werden. Beides gefällt den Golfarabern, die lieber Geschäfte machen, als Kriege führen, ganz gut.

 
Leser-Kommentare
  1. Es gab immer nur einen Persischen Golf, es gibt nur einen Persischen Golf und es wird auch immer nur einen Persischen Golf geben:
    Die UNO empfiehlt und verwendet historisch bedingt nur den Namen „Persischer Golf“.
    Arbeitspapier Nr. 61 der UNO: United Nations Group of Experts on geographical Names, Wien, 28. März - 4. April 2006 (PDF, englisch).
    Weitere Informationen unter:
    Factsheet on the Legal and Historical Usage of the “Persian Gulf”
     

    • FahadA
    • 05.12.2007 um 20:28 Uhr
  2. @ xalingefars,
    möchte Ihnen zu stimmen. Da soll keiner auf die Gemütslage der Araber Rücksicht nehmen.

  3. .Verwirrt, nein "stinksauer" wäre ich ( und werden die arabischen Staaten wohl auch sein) .........wenn mein politischer Partner mit "Lügen" und Falschimformationen in meinem "Vorgarten" einen vollkommen unnützen, nicht zu beendenden Krieg vom Zaun bricht.....wenn der gleiche Partner danach mit der gleichen Strategie, "Lügen", Waffen, Gewalt, meine gesammte Nachbarschaft militarisiert und meine Gegend zum Pulverfass macht..Die Aussenpolitik der USA ist nicht nur "grottenschecht". Etwas schlechtes kann man verbessern. Sie ist eine Gefahr für die gesamte Welt..Jedem Jugendlichen, der in dieser Art und Weise agressiv seine Beziehungeprobleme löst, würde eine "Erziehungsberatung" verordnet, (Vielleicht kann er ja noch etwas lernen) Erwachsene kämen in den Knast. Wenigstens in zivilisierten Ländern.Gruss. Sikasuu--Ps. Bewusst steht hier USA und nicht Bush. Jedes Volk hat die Regierung die es verdient, die es wählt. Es muss sich auch für die Entscheidungen die seine politische Elite trifft, verantworten. Wenn ich volljährig bin und entscheiden darf, muss ich auch dafür gerade stehn.

  4. und obwohl es der Richtung bis jetzt noch keine Kommentare kamen kann man einigermassen sicher sein dass diese Eroeffnung bei den Arabern keine Freudenspruenge verursacht.Im Gegenteil, die fuehlen sich vom Iran bedroht und es waere denen lieber gewesen wenn die Berichte ueber Irans Atom-Programm anders ausgefallen waere.( ich vermute sogar dass sie auf die Israelis hoffen) denn auch wenn sie die Israelis hassen, hoffen sie ingeheim dass Israel dem Atom-Spuk im Iran ein Ende setzt.Denn auch wenn die Iraner heute noch keine Bombe bauen koennen ist das kein Garant fuer die Zukunft. Ich denke Ahmadineschad hat genug Ehrgeiz dass er dem Westen zeigen will was eine Harke ist.

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