Rassismus

Lieber weg- als hinsehen

Die neuesten Vorfälle in Magdeburg zeigen, dass es für Ausländer im Osten gefährlich bleibt. Dennoch ist nicht alles immer so eindeutig, wie es scheint

Haben mehrere Familienväter in Magdeburg in einem Bus eine schwangere Irakerin angegriffen und verletzt? Der Vorfall vom Wochenende sorgte zu Wochenbeginn für einige Aufregung. Wieder einmal schien sich das Bild zu bestätigen, dass der Osten Deutschlands für Ausländer gefährlich ist und dass sie jederzeit und an jedem Ort damit rechnen müssen, Opfer von Gewalt zu werden.

Doch zwei Tage nach dem angeblich fremdenfeindlichen Angriff gibt es Zweifel an der bisherigen Tatversion. So eindeutig, wie es die Polizei zunächst vermeldet hatte, scheint es nicht gewesen zu sein.

Oberstaatsanwältin Silvia Niemann sagte ZEIT online, es hätten sich aufgrund der Berichterstattung in der Presse mehrere Zeugen gemeldet, die den Vorfall in dem Nachtbus anders beobachtet hätten. Einige seien empört gewesen: "So wie es in der Zeitung steht, stimmt es nicht", hätten sie erklärt. Sie schilderten, die irakische Familie mit Kinderwagen habe sich in den Bus gedrängt, obwohl der voll und schon mit mehreren Kinderwagen besetzt gewesen sei. Dabei seien jedoch auch ausländerfeindliche Sprüche gefallen.

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Unklar ist nach den Worten Niemanns, wer sie äußerte. Im Gedränge habe die 20-jährige Schwangere dann einen "Schubs" erhalten und sei auf den Kinderwagen gestürzt, in dem ihre kleine Tochter saß. 

Die junge Irakerin liegt im Krankenhaus, ihr Zustand ist ernst. Der Chef der Universitätsfrauenklinik, Serban Costa, sagte ZEIT online, der 20-Jährigen drohe eine Früh- oder Fehlgeburt. Sie habe vor zweieinhalb Jahren schon einmal eine Frühgeburt mit Kaiserschnitt gehabt. "In solchen Fällen", erläuterte der Professor, "besteht die Gefahr, dass die Narbe schon bei einem geringfügigem Stoß reißt." Hinzu komme der Stress, der vorzeitige Wehen auslösen kann: "Unter diesen Umständen sind unsere medizinischen Möglichkeiten begrenzt." Die Irakerin ist im fünften Monat. Der Arzt vermutet, dass sie noch etliche Tage in der Klinik bleiben muss; die Schwangerschaft sei äußerlich nicht erkennbar.

Möglicherweise erweist sich der Vorfall im Bus also eher als eine Rangelei, zu der es womöglich auch hätte kommen, hätte sich eine deutsche Familie mit Kinderwagen in den Bus gedrängt. In Ostdeutschland werden jedoch bei solchen Gelegenheiten immer wieder schnell rassistische Äußerungen laut, sobald es zu einem Streit mit Ausländern kommt. Und manchmal genügt es schon, dass ein Mensch mit anderer Hautfarbe vorbeigeht, um ihn anzupöbeln. Tatsache ist auch, dass kein Fahrgast der gestürzten Frau half. Immerhin rief der Busfahrer die Polizei.

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Leser-Kommentare

    • 04.12.2007 um 17:46 Uhr
    • RobJir

    ich wohnte lange zeit in magdeburg und hatte auch einen freund aus nigeria der ebenfalls in einer straßenbahn krankenhausreif geschlagen wurde ohne dass ihm jemand half
    doch ich denke das problem in den neuen bundesländern ist vor allem dass sich viele hilfslos gegenüber den neonazis vorkommen und angst haben selber angegriffen zu werden
    die polizei selbst redet jedoch das problem klein und zeigt sich wenig couragiert beim kampf gegen den rassismusdoch natürlich ist nicht jeder ostdeutsche gleich rassistes mangelt eher an bildung und perspektive sowie historisch gesehen an erfahrung mit fremdenfeindlichen aktionen richtig umzugehenwas ich aber nicht als ausrede gelten lasse

    • 04.12.2007 um 18:32 Uhr
    • PRO

    Die Medien sollen mal aufpassen mit ihrer Berichterstattung!
    Lieber mal mit der grossen Schlagzeile einen Tag warten, als Menschen zu ruinieren.
    Fassen wir zusammen:Die 30 jährigen Schubser, sind nun als Neonazis gebrandmarkt.Die Irakerin als Luegnerin.Magdeburg ist die neueste No-Go Area.
    Ich gratuliere!

  1. Wie fast immer bei ausländischen Straftaten war also auch hier wiedermal alles nicht so, wie man es uns zunächst erzählen wollte. Die Kommentatoren zum gestrigen Artikel zu diesem Thema hatten völlig recht, erst einmal nicht alles zu glauben was man liest. Die Bilanz ist inzwischen alarmierend. Egal ob im Fall E. Mulugeta, Mügeln oder dem jetzigen Fall der irakischen Frau. Die Tatsachen sind jedesmal ganz andere, als man uns zunächst weis machen will. Immerhin werden die Zeitabstände, bis man dann doch mit der Wahrheit rausrückt immer kürzer. Von Monaten im Fall Mulugeta über Wochen im Fall Mügeln bis zu Tagen in diesem Fall. Dies ist sicherlich ein Verdienst alternativer Blogs wie PI und vielen kritischen Kommentatoren, die das verschleiern der Wahrheit durch Politik, Polizei und Medien zunehmend erschweren.

  2. um jede Rangelei zwischen Deutschen und Auslaendern aus rassistisch zu ver -und beurteilen.Wenn es sich dann spaeter rausstellt dass es doch ein bischen anders ist als erst berichtet dann kommt wenig.
    Obwohl es inzwischen klar ist dass der Osten Deutschlands fuer Migranten nicht sehr einladend ist kann man nicht alle Zwischenfaelle als rassistisch aburteilen.Ich glaube die Leute in dem vollbesetzen Bus waren nicht begeistert ueber die ruecksichtslose Irakerin mit ihrem Kinderwagen.Aber geschlagen sie keiner.
    In EUropa ist halt nicht sitte dass man sich in Busse oder Zuege zwaengt die schon voll sind wie man es in der 3.Welt macht. Vielleicht sollte man den Leuten solche Unterschiede mal begreiflich machen.
    Es ist aber gut dass sich Zeugen dann doch noch gemeldet haben um diese spezielle Sache aufzuklaeren.

  3. "Oberstaatsanwältin Silvia Niemann sagte ZEIT online, es hätten sich aufgrund der Berichterstattung in der Presse mehrere Zeugen gemeldet, die den Vorfall in dem Nachtbus anders beobachtet hätten."Kann einen das noch wundern? Nicht nach den letzten Tatarenmeldungen unserer "demokratischen" Presse bis hin zu Mügeln. Das Motto dieses verantwortungsbewußten Journallismus lautet nämlich: 'Erst mal so richtig rassistisch losledern!' - bringt schließlich Umsatz, und vielleicht einen Bonus in die gefühlsechte Brieftasche des Wächters der Demokratie.Bei den mitteldeutschen Medien wundert einen das nicht, hat dessen Journaille doch bis 1989 das SED-Regime grölend bejubelt, um anschließend, [...], nun stramm auf demokratisch zu machen. Aber unsere alten Bonner Demokratenmedien sind leider keinen Deut besser!Der Staatsschutz ermittelt, der Staatsschutz, ermittelt wegen rassistischer Äußerungen. Wenn ich das schon lese! Als Deutsche darf ich doch keinen Pupser in der Nähe eines Kulturbereicheres lassen ohne das der Staatsschutz wegen Rassismus ermittelt. Wenn dagegen Araber bzw. Türken auf Schweinefleisch spucken, oder Deutsche als "Schweineficker" bezeichnen, da ermittelt kein Staatsschutz. Die dürfen so was!http://www.politikforen.de/showthread.php?t=37893Spes nostra in fide amicorum est! [Achten Sie bitte auf Ihre Wortwahl! Danke. /Die Redaktion pt.]

    • 04.12.2007 um 20:48 Uhr
    • Akakor

    Zunächst einmal wünsche ich der Frau gute Besserung und hoffe, dass sie ihr Kind aufgrund dieses Unfalls nicht verliert. Wie sie sich dabei verhalten wird dabei zur Nebensache. Iraker dürften schon genug damit zu tun haben auszulöffeln, was ihnen usraelische Demokratiebringer in ihrem eigenen Land eingebrockt haben.Diesem Land wünsche ich, dass immer öfter Menschen aufstehen und sich nicht weiter für dumm verkaufen und instrumentarisieren lassen. Auch aktives Entgegentreten in Kommentarforen oder alternativen Blogs wirkt sich wohl fördernd auf das Abdrucken von Wahrheiten aus...In diesem Sinne

  4. Den Autoren Datt und Ginzel gebührt Anerkennung, daß es für sie auch eine "story" ist, daß in Chemnitz eben NICHT glatzköpfige Neonazis mit Springerstiefeln in den Bus gestürmt sind und die Irakerin mir nichts, dir nichts ins Gesicht geschlagen haben. - Wie hier schon mehrfach angemerkt wurde: In den meisten Schlagzeilen machenden Fällen "rechter Gewalt" war dann alles in Wirklichkeit etwas anders als anfangs verkündet wurde.Doch warum diese BILD-Zeitungs-mäßigen Skandalberichte auch in Blättern wie der Süddeutschen, der ZEIT? Warum hat nur ein einziger Journalist (ausgerechnet im SPIEGEL) in den letzten Tagen darauf hingewiesen, daß sich die drei Fälle angeblicher Hakenkreuz-Ritz-Attacken gegen junge Frauen in der Vergangenheit als Schwindel entpuppt haben?Liebe Journalisten, geht es euch einfach um die "gute story"? Um die Auflage, den Verkauf? Mann beißt Hund? Die hundert Messerstechereien von Türken und Afrikanern in Berlin, Frankfurt und Stuttgart pro Tag sind uninteressant, weil Alltag? - Oder geht es tatsächlich darum, vorsätzlich eine verzerrte Wirklichkeit, eine inszenierte Wirklichkeit vorzuspiegeln, um bestimmte politische Seilschaften an der Macht zu halten? Wählerstimmen, Projekte, Fördermittel?Nie war die "antifaschistische" Volkspädagogik der Medien und Politiker so heftig wie heute, 62 Jahre nach 1945. Das könnte daran liegen, daß man unterschwellig spürt: Die Menschen haben wieder Heimweh nach all dem, was die '68er und ihre Nachfolger hinweggefegt haben. Um dieses Heimweh zu unterdrücken, stellt man alles Konservativ-Bürgerliche in die Nähe brauner Gespenster, die ihrerseits möglichst oft wie der Teufel aus dem Schachterl aus irgendwelchen dunklen Ecken hervorspringen und Unheil anrichten müssen. Damit ist klar, wo der Feind und wo der Beschützer steht. Fragt sich nur, wie lange das Volk dieses simplifizierende Gesellschaftsbild noch akzeptiert.

  5. Wenn Ausländer verfolgt werden wird groß berichtet, das ist auch gut so.Wenn Einheimische von "Mitbürgern mit Migrationshintergrund" krankenhausreif geschlagen werden, passiert folgendes:- Von der Polizei bekommen sie gesagt: Sie können anzeigen, aber es wird eh nichts passieren. Lassen Sie es lieber.- Wenn man anzeigt, passiert nichts.- Es interessiert niemand, da es noch nicht einmal in den Lokalblättern berichtet wird.Das habe ich MEHRFACH in westdeutschen Großstädten im persönlichen Bekanntenkreis erlebt, viel Innenstadtviertel sind einfach abends für Deutsche Tabu. Und aus politischen Gründen an jede Verfolgung dieser Straftaten nicht zu denken.Das soll nicht recht sein (ich bin links), aber den Augenmerk auf unseren Journalismus lenken.

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  • Von Thomas Datt
  • Datum 7.12.2007 - 07:11 Uhr
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