Wie ging es weiter für... ... Reiner Ehmann, Projektleiter bei Daimler
In diesem Jahr hat sich die DaimlerChrysler AG weitgehend von Chrysler getrennt und wurde in Daimler AG umbenannt. In nur einer Nacht wurden nahezu alle Schilder an den deutschen Standorten ausgetauscht. Reiner Ehmann, 47, ist Fabrik- und Standortentwickler für den Bereich Mercedes-Benz Cars und war als Projektleiter verantwortlich für die Änderung der Beschilderung aller Mercedes-Benz Werke.
DIE ZEIT: Herr Ehmann, wie schwierig war es, den Schriftzug Chrysler loszuwerden?
Reiner Ehmann: Die Hauptschwierigkeit lag sicher im Vorfeld. Was danach kam, war einfach die Umsetzung. Die Schilder mussten ja alle komplett ausgetauscht werden, in Deutschland sind das über 1500. Wir hatten den Anspruch, den Firmennamen in nur einer Nacht umzustellen - das war nach der außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Oktober.
ZEIT: Können Sie die Nacht vom 4. auf den 5. Oktober beschreiben?
Ehmann: Für uns war das aufregend: Wir haben mit großer Spannung auf die Bestätigung des neuen Firmennamens Daimler gewartet. Sofort haben wir dann alle Kollegen in Berlin, Hamburg, Bremen, Rastatt, Sindelfingen und Untertürkheim informiert und das "Go" gegeben. Die Fundamente der neuen Pylone, also der großen Informationstafeln, waren schon vorbereitet. Da kein neues Schild und Pylon dem anderen glich, stellte sich nun heraus, wie gut die Aktion geplant war. Mit großen Trennschneidern wurden die alten Pylonsäulen abgeschnitten und die neuen montiert. Um vier Uhr morgens bin ich dann aufgestanden, um auf dem Weg ins Büro zu schauen, wie weit die Mannschaft gekommen war. Alles war schon fast fertig, einige Arbeiter räumten noch ihr Werkzeug weg. Von den alten Schildern war nichts mehr zu sehen.
ZEIT: Sind denn jetzt alle Chryslers verschwunden?
Ehmann:
Auf dem Briefpapier und den Visitenkarten schon, die Kleidung in den Werken soll bald ausgetauscht werden. Man sieht bereits Mitarbeiter, die
Chrysler
mit einem Aufnäher abgedeckt haben. Was die Schilder betrifft, ist nur die erste Phase abgeschlossen: An den deutschen Standorten gibt es kein
Chrysler
mehr.
Die zweite Phase ist wesentlich komplexer: Sie betrifft alle weltweiten Standorte. Man muss sich das mal vorstellen: Jedes einzelne Schild muss ja erst mal gefunden werden, dann muss entschieden werden, was neu auf diesem Schild zu stehen hat. Wir stehen in Kontakt mit unseren Kollegen in Übersee, von Brasilien, Südafrika, Indien bis hin zu China. Das zieht sich. Für diese Phase werden wir sicher noch bis Februar 2008 brauchen.
ZEIT: Was ist aus den vielen DaimlerChrysler -Schriftzügen geworden? Liegen die auf einem Schilderfriedhof?
Ehmann:
Nein, die alten Schilder wurden entsorgt und gelangen als Wertstoffe wieder in den Produktionskreislauf. Es wurden auch keine Schilder mit
DaimlerChryler
aufgehoben: Wir haben genügend Zeitdokumente für die Firmenhistorie, auch das Museum wollte keine Hardware.
Das Gespräch führte Anne-Dore Krohn.
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ZEITmagazin LEBEN
, Nr. 50
- Datum 10.12.2007 - 10:50 Uhr
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