Wie ging es weiter für ... ... Lutz Paege, Telekom-Mitarbeiter
Der Fernmeldetechniker, 48, arbeitet seit 32 Jahren für den Konzern. Im März sorgte er mit einem wütenden Brief an seinen Chef René Obermann für Aufsehen
DIE ZEIT: Herr Paege, warum haben Sie diesen Brief geschrieben?
Lutz Paege: Es hat mich geärgert, dass vom Vorstand immer wieder der Vorwurf kam, wir Telekom-Mitarbeiter seien zu langsam und zu unflexibel. Uns kann man wirklich nicht anlasten, dass der Service immer schlechter wurde. In den letzten elf Jahren gab es 18 Umstrukturierungen innerhalb des Unternehmens. Ständig veränderte man die Arbeitsabläufe, da kann einfach nicht mehr alles reibungslos funktionieren. Ob die Veränderungen etwas nutzten, konnte man auch gar nicht sehen, weil viel zu schnell wieder etwas verändert wurde immer mit dem Ziel, möglichst viele Stellen zu streichen.
ZEIT: Wie waren die Reaktionen auf Ihren Brief?
Paege: Ich habe über 1000 E-Mails von Kollegen aus sämtlichen Sparten der Telekom bekommen. Alle haben mir zugestimmt und geschrieben, dass es in ihren Bereichen genau die gleichen Probleme gibt. Von Obermann kam auch ein Antwortschreiben. Man konnte herauslesen, dass er sich missverstanden und beleidigt gefühlt hat. Offenbar hat er nicht verstanden, worum es mir eigentlich ging nämlich dass man uns für Sachen verantwortlich macht, für die wir gar nichts können.
ZEIT: Mit dem Beginn des Telekom-Streiks im Mai hat sich der Konflikt zwischen Mitarbeitern und Vorstand noch verschärft.
Paege: Ich bin Beamter und durfte selbst nicht streiken, aber mein Eindruck war, dass der Streik vom Vorstand knallhart geführt wurde. Ich bin schon lange im Unternehmen, aber so heftig habe ich das noch nie erlebt. Früher hat man trotz Differenzen gesagt, wir reden miteinander. Jetzt wurde aufeinander eingehackt und viel Druck auf die Streikenden gemacht. Abstimmungen mussten vor der Tür stattfinden, weil man dafür keine Büros benutzen durfte und viele Kollegen haben Abmahnungen geschickt bekommen. Da ist viel Vertrauen zerstört worden.
ZEIT: Trotz des Streiks setzte sich Obermann mit seinen Plänen durch. 50.000 Mitarbeiter wurden in eigenständige Gesellschaften ausgegliedert und müssen mehr arbeiten für weniger Geld.
Paege: Ich arbeite seit Juli auch in der neuen Servicegesellschaft. Für mich hat sich nicht viel verändert, außer dass ich wieder 38 Stunden in der Woche arbeite. Für die nächsten anderthalb Jahre gibt es für das niedrigere Gehalt noch Ausgleichszahlungen. Und viele Betriebsvereinbarungen, die Obermann streichen wollte, wurden am Ende doch übernommen. Ohne den Streik wären die Einschnitte sicher viel tiefer gewesen.
ZEIT: Wie ist die Stimmung jetzt im Unternehmen?
Paege:
Die Stimmung schwankt: Einerseits wollen wir weiter um unsere Kunden und damit um unsere Arbeitsplätze kämpfen. Andererseits fühlt man sich wie die Maus, kurz bevor die Schlange zubeißt. Wir wissen ja nicht, ob wir nicht bald doch verkauft werden. Im Oktober wurde erst wieder eine Tochterfirma mit 2000 Mitarbeitern verscherbelt. Da sind Kollegen betroffen, mit denen wir lange zusammengearbeitet haben. Das tut schon weh.
Das Gespräch führte Jan Pfaff.
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Nr. 50
- Datum 11.12.2007 - 10:58 Uhr
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