Russland

Putin, der Auserwählte

Durch massive Propaganda und Einschüchterung hat der russische Präsident die Parlamentswahl beeinflusst. Beobachtungen aus Moskau

Eine Überraschung war ausgeschlossen: Das Ergebnis der Staatsduma-Wahlen und damit die zukünftige politische Konfiguration Russlands stand schon vor den Wahlen fest. Tatsächlich lag Putins Partei "Einiges Russland" nach der Auswertung von mehr als 90 Prozent der Stimmen mit einem Stimmenanteil von 63,3 Prozent weit vorne. Die monatelange propagandistische Bearbeitung der russischen Bevölkerung durch die Kreml-Partei war derart massiv gewesen, dass sie nicht an Breschnews, sondern an Stalins Zeiten erinnerte.

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Unzählige Politiker, Künstler, TV-Stars, Sportler, Journalisten und irgendwelche einfache Arbeiter und Melkerinnen priesen Putin beinahe als Geschenk Gottes für Russland und flehten ihn an, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Damit Putin im Amt bleibt, am liebsten lebenslang, waren sie bereit, die Verfassung zu ändern. Ein Abglanz von Putins Auserwähltheit fiel auf die von ihm ins Leben gerufene Partei, frei nach Majakowski: "Wir sagen "Putin" und meinen "Einiges Russland", wir sagen "Einiges Russland" und meinen "Putin".

Der wirtschaftliche Aufschwung in Russland, der weitgehend auf die dramatisch angestiegenen Erdöl- und Gaspreise zurückzuführen ist, wurde als persönlicher Verdienst Putins präsentiert. Raffiniert hob der Kreml in den letzten Vorwahltagen die Renten an, wenn auch nur minimal, und stellte eine weitere Erhöhung in Sicht. Damit hatte die regierende Partei die Rentner an ihrer Seite. Nach demselben Muster wurden die Militärs beschert - sie repräsentieren Millionen von Stimmen. Die Möglichkeit, solche "Geschenke" zu machen, hatte die Opposition nicht.

Schon drei Tage vor den Wahlen ließ die Pro-Putin-Jugendbewegung "Naschi" (Die Unseren) Flugblätter drucken, die den Triumph des "Einigen Russlands" feierten. "Am 2. Dezember haben wir Präsident Putin zum Führer der Nation gewählt!", stellte das Flugblatt siegessicher fest. Zugleich warnte es vor einer angeblich geplanten "orangenen Revolution" nach ukrainischem Vorbild und rief alle Putin-Anhänger auf, am 3. Dezember auf die Straße zu gehen, um den Präsidenten vor seinen Feinden, nämlich den Oppositionsführern, zu schützten, allesamt "Verräter und Diebe - der amerikanische Staatsbürger Kasparow, der Faschist Limonow und der Ex-Premier Nemzow, der Russland verkauft hat". Sie handelten angeblich im Auftrag von Washington, damit Russland wieder arm, schwach und abhängig vom Westen werde.

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Leser-Kommentare

  1. Hallo,
    ich habe die russischen Wahlen im Vorfeld mehr oder weniger ignoriert und will mir nun - nachdem sie gelaufen sind - ein Bild davon machen. Leider finde ich fast nur Informationen darüber was alles schief gelaufen ist, und dass Putin weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird.
    In vier oder fünf Artikeln (Zeit.de und Spiegel Online) war nicht einmal zu lesen, wer denn nun der nächste russische Präsident wird. Auch wenn Putin wichtig bleibt, ist das doch auch eine wichtige Information, oder?
    Wer wird es denn? Wo kommt er her? Was weiß man über ihn? Welche Befugnisse hat er, welche Putin? Wie stehen die beiden zueinander? Zeichnet sich ab, dass Putin bald wieder Präsident werden will (wie gelegentlich zu lesen war)? Selbst im Schwerpunkt der Zeit zum Thema findet sich dazu leider nichts.
    Kann mir jemand ein paar Tips geben, wo ich an entsprechende Informationen komme?

    Anachronist



  2. Lieber Anachronist,bei der gestrigen Wahl ist nicht der Praesident gewahlt worden, sondern die neue Zusammensetzung der Staatsduma. Wladimir Putin ist allerdings als Spitzenkandidat fuer das "Einige Russland" angetreten, insofern ist die Dumawahl auch ein Stimmungsbild der Bevoelkerung in Bezug auf den Praesidenten.Die Praesidentenwahl findet erst im Fruehjahr 08 statt. Der Kandidat des Einigen Russlands wird Mitte Dezember bekanntgegeben.

  3. Die Spannendere Frage wird sein wie lange der Westen es sich noch leisten will von einer wachsenden Demokratie in Russland zu sprechen in die man nicht stören dürfte duch Mahnungen und Einschränkungen. Die Wahlen zeigen schon recht eindeutig das sich Russland von der Demokratie grad wieder verabschidet und deshalb die Politiker aktiv etwas tun sollten als sich darauf auszuruhen das die rusische Regirung keine hilfe bei den demokratishen Wahlen möchte. Andernfalls sollten wir uns schon mal überlgen wie wir denn zu den Wachsenden Politzei Staat und werdender Diktatur stehen möhten sollten wir der Demokratie in Ruslanfd nicht helfen.

    • 03.12.2007 um 17:07 Uhr
    • PhiKi

    Den Westen interessierte es auch nicht, als sich George W. Bush den Sieg erschlich. Der Westen scheint die Russen als große Gefahr zu sehen, andernfalls wäre das große Interesse nicht mehr zu erklären.Solange in den westlichen Ländern Korruption und Unwahrheit die Politik bestimmen, ja, auch in der Bundesrepublik (Schäuble lässt grüßen), sollte sich der Westen bedeckt halten.Außerdem sollten sich die Meinungsführer des Westens mal fragen, warum Putin zweifelsohne auch große Zustimmung genießt: Die Löhne sind gestiegen, die Rente wird pünktlich gezahlt und Russland, die Russen besitzen einen großen Nationalstolz, sind wieder in der Welt angekommen. Das ist was zählt!God bless America?! Vielleicht sollte wir unsere amerikanischen Freunde auch mal kritischer hinterfragen, dass dürfte dann auch Frau Merkel mal öffentlich aussprechen.

  4. Leider weiß ich nicht, wer Herr Micahilow ist und wo er sich befindet. Sein Artikel ist jedenfalls in Stile des kalten Krieges geschrieben und strotzt nur so von mühsam unterdrücktem Haß. Und sonderlich gut kann er "seine" Russen auch nicht kennen, sonst wüßte er, daß die von ihm beanstandeten Praktiken der "Wahlvorbereitung" sein Jahrzehnten gängige Praxis sind - vor allem, aber nicht nur, in Rußland.Leider teilt er uns auch nicht mit, wer nach seiner Meinung die "wirklich oppositionellen Parteien" seien.Und daß Wahlen von massiver Propaganda begleitet sind, ist ja wohl normal - man denke nur an Käpptn Blaubär und seine schöne Geschichte vom Wa(h)l-Versprechen.Die sog. "Impressionen" von den Orten des Geschehens sind primitiv, einseitig und geistlos, Schande über die ZEIT und ihre Redakteure, die solchen Schmutz in die Zeitung lassen.

    • 03.12.2007 um 21:42 Uhr
    • Jahey

    In diesem Blog zitiert der Autor einen russischen Oppositionellen Experten. Dieser sieht die Niederlage der Opposition als eine Chance. Die Opposition würde keine Wahl mehr haben als die Streitigkeiten einzustellen. Und da ist ja noch die Präsidentenwahl im März:www.dejarus.blogspot.comHier findet man auch einige Hintergrunginformationen zu der Wahl in Russland, die auch schon vor der Wahl da waren.

  5. Ich bin zutiefst entäuscht von der literarischen Abgestumpftheit des Verfassers dieses Artikels.Majakowski würde wahrscheinlich im grab rotieren wenn man ihn mit dem kleinen Eisbären Putin in einem Atemzug nennen würde.Ja Majakowski hat sehr viele revolutionsverherrlichende Gedichte verfasst, aber seine experimentelleren Gedichte( die eigentlich interessanten) lassen viel mehr mitschwingen als öde Propaganda. Zur Erinnerung: Dieser Dichter der mehrfach verhaftet(aus politischen Gründen) 1930 eines rätselhaften Todes starb, hat es nie an feinen zwischentönenmangeln lassen.Ich erwarte mir von einem moderat links eingestellten Wochenmagazin etwas sorgfältigere Recherche.Einstweilen wird weiter die Wirbelsäulenflöte auf und ab gespielt.

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  • Von Nikita Michailow
  • Datum 3.12.2007 - 11:45 Uhr
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