Russland "Alles läuft nach Plan"Seite 3/3
Für welche Wirtschafts- oder Sozialpolitik Einiges Russland steht, bleibt Geheimnis der Partei. Sie setzt vielmehr auf einen mysteriösen „Plan Putin“, den bis auf Putin anscheinend niemand kennt. Dazu wirbt sie mit Prominenten wie dem Kinoregisseur Nikita Michalkow oder der Sängerin Alla Pugatschowa, die sich mit unterwürfigen Briefen und Billigschlagern schon vor zwölf Jahren dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin angedient haben.
Im Kemerower Gebiet versandte Einiges Russland Bittbriefe um Spenden zur Wahlkampagne an Unternehmer. Der Brief enthielt den drohenden Hinweis, im Falle einer Ablehnung werde sich die Partei beim Gouverneur aus derselben Partei oder gar in der Kremlverwaltung beschweren. In Universitäten legt der Rektor den Studenten nahe, die „richtige“ Partei zu wählen. In Behörden und Firmen wird im sowjetischen Reflex mit Entlassungen gedroht, falls im Wahllokal unzureichend gewählt werde. In Moskau riefen Mitarbeiter des Sozialamtes ältere und gebrechliche Menschen an, um ihnen die Putin-Partei für ihr Kreuz zu empfehlen.
Dann bleibt noch die Einschüchterung der Opposition. Allein die rechtsliberale SPS beklagt die Beschlagnahmung oder das Druckverbot von 14 Millionen Wahlkampfbroschüren. Die Polizei stoppt unter dem Verdacht extremistischer Textpassagen Lastwagen mit Broschüren, und die anschließende Expertise lässt auf sich warten. Übereifrige Beamten werten schon einen Aufruf gegen die Wahl Putins als „Indiz für eine Beleidigung der Macht“. Die liberale Partei Jabloko informiert per Mail, unter welchem Link ihre verbotenen Fernsehwahlspots bei YouTube im Internet erscheinen.
Die Bühne für das Wahlspektakel am Sonntag ist bereitet. Tschurow, der Leiter der Zentralen Wahlkommission, gibt sich zufrieden: „Alles läuft streng nach Plan“, verkündete er. Russlands „souveräne Demokratie“ unterscheidet sich nach Meinung des Kremls eben von den westeuropäischen Modellen. Das Volk darf wählen, was es nicht kennt: Welche Pläne hat Putin? Wird er Premierminister? Wer darf zur Präsidentschaftswahl antreten? Putin wird die Geheimnisse in den nächsten Wochen lüften. Außer, er tritt am Freitag zurück. Wie es das neueste Gerücht in Moskau besagt.
- Datum 03.12.2007 - 11:45 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Wie man schon in der russischen Blogsphäre sieht, scheint das Ergebnis der Wahl bereits festzustehen. Die Bewegung "Nashi" druckt bereits Flyer mit Aufrufen zum Kampf gegen die Opposition. Die Bilder die sie dabei benutzen, sehen den aus der NS Zeit sehr ähnlich.Die Scans und die Übersetzung der Flyer findet man hier.Jahey
"Die Entpolitisierung der Öffentlichkeit, die im Fernsehen vor allem mit Shows und Serien ruhig gestellt wird, führt zu Apathie unter großen Teilen der Wählerschaft." Woran läßt mich das denken?Mindestwahlbeteiligung? Das wäre doch mal eine prima Idee für die führende westliche Demokratie, need I say more.
warum denken Sie, Russland oder Amerika interessieren sich an was Sie und Deutschland ihnen zu sagen haben?
In den Staaten gibts immerhin per Definition zwei Kandidaten, die mehr oder weniger wählbar sind und ne Chance zu gewinnen haben.Das Problem mit den Talkshows und Serien, die bei übermäßigem Konsum eine gewisse Lethargie verbreiten, hat vermutlich jedes Land mit Privatfernsehen. Wenn dann aber wie in Russland die Presselandschaft ausgedünnt ist, dann wirds wirklich ungesund für die Demokratie.
Wozu braucht man denn eigentlich die Demokratie. Es ist doch viel besser ein Richter entscheidet, was gut für alle ist. Putin ist nicht machtbesessen sondern meint es nur gut mit dem Volk. Er weiß, was für alle am Besten ist. Er will allen Helfen!Die Brutalität geht meiner Meinung nach allerdings zu weit. Ich schlage vor: Er sollte es mit Suggestion versuchen. Mit ihrer Hilfe ist es möglich die bewussten Denkvorgänge der Wählerschaft zu umgehen und somit einen Menschen ganz ohne Gewalt von Putins Meinung zu überzeugen. Es geht doch nur darum, dass die Menschen glücklich sind. Sie müssen ja nicht erfahren, dass sie suggestiv manipuliert werden. Es reicht doch, dass sie denken in einer Demokratie zu leben. Dann sind alle glücklich. Wen interessiert Moral????
Da das Wahlresultat schon feststeht, lohnt es sich nicht, überhaupt noch eine Wahl zu veranstalten. Man muss nur wie bei Hitler aufpassen, dass die Zahl der Ja-Stimmen nicht über 100 % beträgt.
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