Die Klimakonferenz auf Bali endete mit einem Formelkompromiss . Für weit gehende Vereinbarungen im Klimaschutz lagen die Positionender Länder zu weit auseinander. Über Probleme und Chancen der Verhandlungen sprach ZEIT-online-Redakteur Björn Schwentker bereits vor den Beschlüsen von Bali mit Reimund Schwarze , Spezialist für Fragen der Nachhaltigen Entwicklung und des Emissionshandels am Helmholtzzentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

ZEIT online: Viele erwarten von Bali den großen Durchbruch: Ein Nachfolgeabkommen von Kyoto soll vorbereitet werden, mit strengeren Emissionszielen. Wird das gelingen?

Reimund Schwarze: Das kommt auf die Erwartungen an; einen Durchbruch im Sinne eines großen Vertrages für alle wird es sicher nicht geben. Ich glaube, dass wir uns für ein „Kyoto-Protokoll-Plus“ realistische Ziele setzen müssen. Und wir müssen noch einmal darüber reden, ob eine Konferenz wie Bali und ein Protokoll wie das von Kyoto überhaupt ein geeigneter internationaler Verhandlungsrahmen sind, um voranzukommen.

ZEIT online: Im Kyoto-Protokoll haben sich ja bereits etliche Staaten solchen Zielen unterworfen. Ist das kein Erfolg versprechender Weg?

Schwarze: Der Kyoto-Prozess hat doch nur einen kleinen Luftzug erzeugt. Die Industriestaaten wollten ihre CO2-Ausstoss im Durchschnitt bis 2012 um fünf Prozent senken, bezogen auf 1990. Das war nur ein ganz kleiner erster Schritt, der nicht einmal eingehalten wurde. Die EU verfehlt dieses Ziel, die Weltgemeinschaft erreicht es als Ganzes auch nicht. Kyoto zeigt zudem, dass Länder, die sich keinen unmittelbaren Vorteil aus dem Beitritt zu solchen Abkommen versprechen, auch nicht beitreten werden. Die USA sind das beste Beispiel.

ZEIT online: Aber die politischen Verhältnisse können sich ja zum Positiven ändern. Australiens neue Regierung etwa ist dem Kyoto-Abkommen doch gerade beigetreten...

Schwarze: Ja, aber andererseits gibt es derzeit die Sorge, Russland könnte einem Folgeabkommen gar nicht erst beitreten, bzw. aus der Kyoto-Vereinbarung wieder aussteigen. Dafür hat Russland rationale Gründe, die auch auf andere Staaten zutreffen: Russland ist jetzt wieder auf einem Wachstumspfad der Emissionen, und wenn es sich weiter so entwickelt, wird das Land ab 2010 erstmals wieder seine CO2-Werte von 1990 überschreiten. Wie in vielen osteuropäischen Ländern hatte sich dort der Ausstoß innerhalb weniger Jahre nach dem radikalen wirtschaftlichen Einbruch in den 90ern drastisch reduziert. Aber seit mindestens fünf Jahren wachsen Wirtschaft und Emissionen wieder. Und jetzt befürchten viele, der neue Bremser für internationale Minderungsziele könnten nicht mehr die USA sein, sondern Russland.

ZEIT online: Das klingt, als könnte ein „Kyoto Plus“ Abkommen scheitern?