Musik-Downloads

MP3 for free

In der Plattenindustrie wächst die Einsicht, dass sich Musik im Internet schlecht verkauft. Die Alternative: gratis downloaden, aber mit Werbung.

Die Musikbranche geht seit Jahren mit harten Bandagen gegen Tauschbörsen-Nutzer vor. Allein in Deutschland wurden mittlerweile rund 30.000 Nutzer verklagt, die einzige Titel oder ganze CDs illegal aus dem Internet heruntergeladen haben sollen. Musikfans, die sich ihre MP3s mit Hilfe von Bittorrent , Gnutella und ähnlichen Programmen besorgen, scheint dies jedoch kaum zu stören. Die Leipziger Netzwerk-Management-Firma Ipoque meldet jetzt, dass knapp 70 Prozent des gesamten deutschen Internet-Datenverkehrs von Nutzern derartiger Programme verursacht wird, in denen die beteiligten Computer nicht nur über Server, sondern auchdirekt ("peer-to-peer", P2P)miteinanderkommunizieren.

Dabei geht es lange schon nicht mehr nur um Musik. Rund zwei Drittel dieser P2P-Daten werden über Bittorrent transportiert, das sich besonders gut zum Austausch großer Dateien eignet. Ipoque geht davon aus, dass 37 Prozent aller Bittorrent-Daten durch das Herunterladen kompletter Spielfilme und 21 Prozent durch TV-Downloads verursacht werden.

Musik-Downloads verursachen demnach "nur" knapp acht Prozent. Das kann die Musikindustrie nicht beruhigen. Denn Ipoque misst für seine Statistiken nur die von Internet-Anbietern vermittelten Datenströme. MP3-Dateien spielen dabei aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Größe eine untergeordnete Rolle. So ergibt sich ein anderes Bild, betrachtet man die Übertragung der Einzeldateien. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) geht davon aus, dass im vergangenen Jahr allein in Deutschland 465 Millionen MP3-Dateien aus Tauschbörsen heruntergeladen wurden.

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Langsam dämmert es auch der Industrie, dass sich die Piraterie nicht mit Rechtsmitteln allein bekämpfen lässt. Auch legale Download-Angebote scheinen auf Tauschbörsen-Nutzer nur eine begrenzte Wirkung zu haben. Wer sich erst einmal an das kostenlose Download gewöhnt hat, ist offenbar schwer davon zu überzeugen, in Zukunft bei kommerziellen Anbietern wie Musicload 1,30 Euro pro Song auszugeben.

Große Hoffnungen hegte die Branche deshalb, als im Sommer dieses Jahres die Donwload-Plattform Spiralfrog.com startete. Spiralfrog bietet kanadischen und US-amerikanischen Musikfans Alben von Künstlern wie Nelly Furtado, Fergie oder den Nine Inch Nails zum kostenlosen Download, die über Online-Werbung finanziert werden. Die kopiergeschützten Titel lassen sich auf eine Reihe von MP3-Playern übertragen, sind jedoch nicht mit Apples iPod kompatibel. Auch ein Brennen auf Audio-CDs ist nicht möglich.

Spiralfrog bemüht sich darum, seine Nutzer mit so viel Werbung wie möglich zu konfrontieren. Songs lassen sich immer nur einzeln herunterladen, um die Verweildauer auf der Website zu erhöhen. Wer seine Downloads länger als 30 Tage nutzen will, muss einen mehrseitigen Marktforschungs-Fragebogen beantworten.

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Leser-Kommentare

    • 12.12.2007 um 20:50 Uhr
    • ttob

    ...ich kaufe immer noch gerne CD's, aber 10+ Euros gebe ich nur für Sachen aus, die ich wirklich unbedingt will und schonmal gehört habe. Da das Radio seine Aufgabe, neue Musik zu vermitteln, nicht mehr annähernd erfüllt, trifft das halt immer seltener zu. Bei Preisen unter 5 Euro kaufe ich dagegen auch mal einfach so, zum probieren. Zum Beispiel habe ich kürzlich für ca. 50 Euro 10 verschiedene CD's bei nixgut.de gekauft. Voller deftiger deutscher Punk, auch viel Schrott, aber es hat sich trotzdem gelohnt. Umso besser wenn die Bands oft sogar eine kurze Titelvorschau irgendwo haben.Interessante weitgehend unbekannte Bands findet man nämlich schwer bei p2p, außerdem unterstütze ich solche Bands lieber als einen Williams oder eine Spears.

  1. Als unmittelbar Betroffener (nämlich Musiker) möchte ich auch mal ein Statement zu diesem Thema abgeben:Sicherlich bringt es der Musikindustrie nichts, wenn sie jahrelang in Tränen ausbricht, weil illegal Songs downgeloaded werden, CDs kopiert werden usw. Das Problem ist als solches bereits seit der Kassette bekannt und wurde durch die Einführung der CD nur verschoben anstatt beseitigt. Auf dem Klangart Kongreß '99 ist wurde dies bereits umfassend thematisiert - Lösungsstrategien existieren bisher nicht bzw. nur in einem Maße, der als Teststrategie zu werten ist.Prinzipiell läßt sich sicherlich wenig ausrichten "gegen" ein Publikum, welches ohne mit der Wimper zu zucken den Supermarkt nebenan ausräumt, weil es eben alle machen und weil es eben geht. Der Diebstahl von Musik ist ganz offensichtlich common sense. Ich bin mehrfach angefeindet worden, weil ich dafür eingetreten bin, für Musik Geld zu verlangen. Der Diebstahl wird IMMER günstiger sein, als der legale Download - unabhängig davon, was er kostet. Solange dies so bleibt, haben Musiker/Künstler/Labels schlechte Karten.Allerdings möchte ich auch meinem Vorredner in gewisser Weise beipflichten. Ich habe als Jugendlicher (1985) Schallplatten gekauft für zumeist 14-15 DM sprich 7-8 Euro. Ich empfand das damals als durchaus legitimen Preis, konnte ich mir doch hin und wieder eine neue Scheibe leisten. Manchmal mußte ich auch teurere Platten kaufen (für 20-22 DM), aber die meisten lagen in dem zuvor genannten Umfeld. Rechnet man eine Inflationsrate von durchschnittlich 2.5% in den Preis lägen wir jetzt bei ca. 12,90 Euro für eine CD bzw. pro Medium.Die CD wurde damals aufgrund der neuen Features (besserer Klang, direkte Titelanwahl) zu einem doppelt so hohen Preis eingeführt. Seitdem hat sich der Preis kaum erhöht, allerdings liegt der Preis - wie man sieht - für eine Neuveröffentlichung immer noch über dem, der damals genommen wurde. Das Medium spielt bei der Preisgestaltung eine sichtlich untergeordnete Rolle, denn das Teuerste ist sozusagen der Künstler und das mit ihm eingegangene Risiko.Es gibt jedoch auch etwas Positives zu vermelden: durch den direkten Weg, den Musiker heute bei der Veröffentlichung nehmen können, ist es ihnen möglich zu einem größeren Teil an der Veröffentlichung zu partizipieren. Dadurch kann aus Sicht des Musikers, das Album tatsächlich günstiger gemacht werden (solange es als .mp3 angeboten wird und die Produktionskosten somit mehr oder weniger entfallen (mal von Gema und Transfergebühren abgesehen)). Es stellt sich eben nur die Frage, ob das Publikum diesen Preis bereit ist zu zahlen, oder ob Musik nicht gänzlich "wertlos" im kapitalistischen Sinne wird und einzig und allein das Live-Erlebnis (teuer) bezahlt wird. Dann wären wir meiner Meinung nach wieder im 19. Jahrhundert.Björn SchoepkeMusikwissenschaftler MAwww.sampleparkrecords.de

  2. Eigentlich sollte die MI aus den Erfahrungen anderer Unternehmen gelernt haben und verstehen, dass man mit viel Werbung - sei es im Bereich Musik oder TV - keine großen Erfolge erzielen kann. Der Kunde ist mehr als genervt von Dingen, die er wegklicken, leiser stellen oder gezwungenermassen anhören muss. Gibt es Alternativen, ist er weg.
    Das Verhalten der heutigen Generation von Musikkunden kann man nicht mehr mit dem der einstigen Platten und CD Käufer vergleichen. Musik ist heute nicht mehr eine neue Erfahrung, oder ein Ausdruck, sondern etwas, was alle hören und was man sofort haben muss. Die wollen nicht lange warten, weil die Titel Morgen schon wieder out sind. Das schnellste Medium ist also das Internet. Wer als erstes den Song hat, der ist angesagt. Er tauscht dann mit seinen "Freunden".
    Um die richtigen Songs zu hören, wollen die Kids testen. Empfehlungen von ihren Freunden bekommen und dann selbst weiterempfehlen. Früher hat man dazu sein LP verliehen, heute sagt man wo die Songs zu finden sind, oder schickt sie gleich selbst. Dann hat sie Jeder. Sie sind frei erhältlich und warum dann noch zahlen?
    Die Künstler haben das bereits verstanden. Sie schaffen ihren eigenen Vertriebsweg und den direkten Kontakt zu ihren Kunden. Sie gehen wieder auf Konzerte, denn das Einzige, wofür die Menschen richtig viel Geld zahlen, ist die Nähe zu ihren Idolen. Die Musikindustrie ist im Wandel, sie hat viel zu lange versucht an alten Methoden festzuhalen und wird dafür jetzt bestraft.
    Aber der Wandel bringt auch Neues. Wenn man bereit dafür ist.

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  • Von Janko Roettgers
  • Datum 13.12.2007 - 08:31 Uhr
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