Die Weltklimakonferenz auf Bali geht in ihre entscheidende Phase: Seit diesem Mittwoch verhandeln auf der indonesischen Insel nicht mehr nur die untergeordneten Beamten, sondern die Minister der dort zusammenkommenden Länder. Sie sollen sicherstellen, dass möglichst bis zum Jahr 2009 ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll zustande kommt.

Es scheint nicht leicht, diesen Auftrag zu erfüllen. Auf Vorschlag der indonesischen Gastgeber ist eine Verhandlungsgruppe von 40 Ländern gebildet worden, die zunächst einen Entwurf für das so genannte Bali-Mandat aushandeln soll. Dem Gremium gehört auch Umweltminister Sigmar Gabriel an. Eine entscheidende Frage ist: Wie konkret soll der Entwurf sein?

Streit herrscht unter den Delegierten vor allem darüber, ob bereits das Mandat grobe Vorgaben für zukünftige Emissionsbegrenzungen enthalten soll – oder ob eine Einigung darüber den sich anschließenden Verhandlungen überlassen bleiben soll. Die Positionen liegen dermaßen weit auseinander, dass womöglich erst nach dem offiziellen Konferenzende am Freitagabend mit einem Kompromiss gerechnet werden kann. Gabriel hat seinen Rückflug nach Deutschland wohlweislich erst für Sonntag geplant.

Sie dürften die Hoffnungen der Weltbevölkerung nicht enttäuschen, mahnte der indonesische Präsident vor dem ersten Treffen der Unterhändler die Delegierten. Im Jahr 2050 würden neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Ob sie in einer nur um zwei Grad oder um katastrophale fünf Grad heißeren Welt leben müssten, hänge stark von ihren Entscheidungen auf Bali ab, rief er den Abgesandten zu. „Die Menschen sagen, dass der Klimawandel eine extrem komplexe Angelegenheit ist, mit allerlei schwer zu merkenden Abkürzungen, Fachausdrücken und verzwickten Mechanismen. Aber die ganze Wahrheit ist, dass es eine sehr einfache Lösungsformel gibt: Weniger Emissionen, mehr Senken.“ Das sind beispielsweise Wälder, über die Indonesien noch in großem Umfang verfügt - sie haben die Fähigkeit, klimaschädliches Kohlendioxid zu binden.

Doch die Verhandlungen sind komplex. Die Ministerrunde soll sich in den kommenden Stunden auf einen Entwurf für die „Bali Roadmap“ einigen, eine Art Tagesordnung, die den mehrjährigen Verhandlungsprozess strukturiert. Ganz am Ende soll ein wirkungsvoller Klimaschutzvertrag stehen. Die Fehler des Kyoto-Protokolls will man möglichst nicht wiederholen: Es hat sich als unzureichend erwiesen, um eine gefährliche Erderwärmung zu verhindern.

Zu den Bausteinen eines neuen Vertrages gehören Bestimmungen, die den Finanz- und Technologietransfer regeln sollen, daneben die Anpassungshilfe für von der Erderwärmung besonders betroffene Länder und die Emissionsminderung. Angestrebt wird darüber hinaus, sämtliche Länder in ein neues globales Klimaschutzregime einzubeziehen, also auch die USA, die als einziges Industrieland dem Kyoto-Protokoll nicht beigetreten sind, und ebenso Schwellenländer wie China und Indien, deren Emissionen rasch wachsen.

In ersten Entwürfen verschiedener Arbeitsgruppen war bereits vor einigen Tagen die Rede von einer „wirksamen Beteiligung aller Länder“ beim Klimaschutz. Das würde bedeuten, dass in Zukunft auch jene Entwicklungsländer, die bisher nicht auf eine konkrete Begrenzung oder Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet wurden, künftig solche Ziele erfüllen müssen. Vermutlich ginge es dabei nicht um absolute Emissionsminderungen, sondern nur um eine Begrenzung ihres Zuwachses. China hat Bereitschaft gezeigt, solche Verpflichtungen zu übernehmen.