Ingenieure

Nachgefragt

© Julia Guther

Welche Absolventen will der Arbeitsmarkt? Wer sind die beliebtesten Arbeitgeber? Und braucht man einen Doktortitel? Eine Galerie von acht Fragen und Antworten Ingenieure sind gefragt. Eine Umfrage des Kölner Instituts für Wirtschaft unter mehr als 3.000 Arbeitgebern ergab, dass die Unternehmen im Jahr 2006 rund 48.000 freie Ingenieurstellen nicht besetzen konnten.
Leser-Kommentare
  1. Also, Sorry, aber hier werden wieder einmal die üblichen Plattitüden verbreitet. Wahr ist: Ingenieure werden gesucht. Informatik, Machinenbau, E-Technik, genausogut aber auch Physiker mit weiterem Horizont. Sie haben -im allgemeinen, 2002 bis 2004 war es anders- kein Problem eine Stelle zu finden, die Stelle auch öfter zu wechseln, usw. "Engagement" während des Studiums, also das "über den Tellerrand blicken" können Sie sich getrost sparen. "Hintergrund", d.h. de-facto-Berufserfahrung, ist für Absolventen nur wichtig, wenn Sie bereits deutlich über 30 Jahre sind. Dann müssen Sie sowieso (ihrem Alter entsprechend) selbstbewusst und "erwachsen" auftreten. Ansonsten: Auslandserfahrung, Praxissemester (über Pflicht hinaus), Fremdsprachenkenntnisse jenseits von Schul-Englisch, all der Käse, das bringt Sie nicht weiter.Ebenso: "Soft-Skills". Für Ingenieure ist es oft schon ein Erfolg, wenn Sie mit Messer und Gabel essen können. Nein, so schlimm ist es nicht, aber annähernd. Weil "Nerds" vorherrschend sind bei Informatikern, E-Technikern (und bestimmt auch bei anderen) ist die Industrie durchaus bereit, jedwege Sonderlinge einzustellen.  Aber: Zwar ist das Einstiegsgehalt für einen guten (!) Absolventen der Informatik, wenn er sich denn gut verkaufen kann, durchaus jenseits der 40-42000 Euro/Jahr (der promovierte Einsteiger wird allerdings normalerweise mit 60000+ einsteigen, nicht mit 48000 wie im Artikel), aber er wird auch schwerlich irgendwann mehr als 55000 (das ist schon ein Spitzengehalt in dem Bereich) verdienen.Also:Auf der einen Seite händeringend gesucht, aber auf der anderen Seite nicht so gut bezahlt, wie man erwarten würde. UND: verdammt wenig Entwicklungsperspektive.Wollen Sie Karriere machen und haben auch Soft-Skills (also Sie können ein paar zusammenhängende Sätze sprechen ohne zu sabbern), dann studieren Sie lieber was wirtschaftliches. Oder werden Sie Zahnarzt. Auch nach der 10ten "Gesundheits"-Reform wirds Ihnen noch besser gehen als dem armen Ingenieur bei Siemens oder -Gott bewahre!- BMW.

  2. Schön wärs wenn das alles wahr wäre.
    Ich bin Dipl.Wirtsch.Ing. und ich würde mich schon über ein Gehalt jenseits der 30T Euro p.a. freuen.
    Mir ist bewusst, dass der Wirtsch.Ing nur ein halber Ing. ist und der Arbeitsmarkt hier im Bremer Raum auch schlechter aussieht als im Süden. Da ich aber auf Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft spezialisiert bin und meine Frau in OL fest arbeitet habe ich keine Möglichkeit in den Süden oder nach Hamburg zu gehen.
    Ich habe ein 3/4 Jahr benötigt eine Stelle zu finden, die ich nun nach 3 Monaten mangels Auftragslage wieder verlieren werde. 140 Bewerbungen sind verpufft und auch die Personaldienstleister (8 verschiedene) waren anscheinend nicht in der Lage eine Stelle für mich zu finden. Der Lohn bei den Personaldienstleistern hätte bei Einstellung bei 20T p.a. gelegen!!!!!!
    Ich habe zwar kein 2er Studium, sondern es war nur befriedigend und hat auch etwas länger gedauert, aber ich habe 1,5 Jahre Auslandsaufenthalt (USA, Australien, Irland, GB), 4 halbjährliche Praktika und diverse Fortbildungskurse vorzuweisen. Ich bin von dieser Gesellschaft und diesem Schulsystem maßlos entäuscht! Ich habe während meines Studiums als Packer wesentlich besser verdient!
    Ich kann es nicht mehr hören, dass hier und dort ein Fachkräftemangel herrscht-ES IST EINFACH NICHT WAHR!
    Mein jetziger Arbeitgeber hat mich Anfangs 6 Wochen lang unbezahlt mitlaufen lassen. Da mir kein Hartz 4 zusteht, ging das alles auf meine Kappe-habe ich nur gemacht, weil die Hoffnung auf einen guten Job bestand-nun ist es nach drei Monaten schon wieder vorbei.
    Es hilft nur eins bei der Jobsuche: VITAMIN B!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  3. Ich widerspreche Ihnen nicht. Meine Aussage 42K+ als Einstiegsgehalt setzten 1. einen guten Abschluß2. (fachliches) Zutrauen beim Arbeitgeber3. eine "harte" Ingenieursdisziplin4. Süddeutschland oder Großräume (Hamburg, Frankfurt, bay. Großstädte)und 5. das Gelingen, dass der potientielle Arbeitgeber Sie für pflegeleicht hältvoraus. Trotzdem können Sie die Erfahrungen, die Sie gemacht haben, auch als Informatiker mit 1er-Diplom machen. Und leider ist in deutschen Unternehmen die "Geiz ist Geil"-Mentalität ebenso weit verbreitet wie die allgegenwärtige schlechte Zahlungsmoral der Deutschen. Das ist sehr bitter, hat aber mit dem Studienfach eher nichts zu tun. Es wird eher gefragt, was Sie können und wo Sie Erfahrungen haben. Wenn Sie da nichts vorzuweisen haben, müssen Sie was erfinden. Die Bereitschaft, jemanden auch nur 4 Wochen einzuarbeiten sind in Deutschland gleich null. Das ist auch der Hintergrund des angeblichen "Fachkräftemangels". Den gibt es einfach nicht. Was es aber gibt ist ein (vermeintlicher) Mangel an Leuten, die in jeweils einem spezifischen Bereich hochspezialisiert sind, keine Minute sich einarbeiten müssen, sofort loslegen können und kein Geld kosten. Die wollen halt kleine Heinzelmännchen  mit Zipfelmützchen. Und wenns die nicht gibt, dann greinen sie halt, die deutschen Firmen, und reden vom "Fachkräftemangel".

    • wll
    • 06.02.2008 um 13:27 Uhr

    "Zwar ist das Einstiegsgehalt für einen guten (!) Absolventen der Informatik, wenn er sich denn gut verkaufen kann, durchaus jenseits der 40-42000 Euro/Jahr (der promovierte Einsteiger wird allerdings normalerweise mit 60000+ einsteigen, nicht mit 48000 wie im Artikel), aber er wird auch schwerlich irgendwann mehr als 55000 (das ist schon ein Spitzengehalt in dem Bereich) verdienen."
    Wo haben Sie Ihre Zahlen her? In der Informatik steigt ein FH-Absolvent zurzeit bei etwa 40 - 42 k€ ein, ein Universitätsabsolvent mit Diplom bei etwa 42-45k€ und mit Promotion bei etwa 50 - 55k€. Grundlage ist dabei jeweils ein guter bis sehr guter Studienabschluss. Die von Ihnen genannten Zahlen sind m. E. nach nur in Sonderfällen oder Spzialbranchen realisierbar, bei denen eine sehr seltene Spezialqualifikation nachgefragt wird - oder bei Einnahme von "Vitamin B" ;-). Der Normalfall sind sie jedenfalls nicht. Auch Unternehmensberater können üblicher Weise nicht mit derartigen Einkommen aufwarten. Sie wären wohl überrascht, was dort ein Absolvent so verdient - vor allem, wenn man den effektiven Stundenlohn betrachtet.
    Entgegen den von Ihnen bemühten Vorurteilen sind übrigens die meisten Ingenieure oder Informatiker durchaus keine "Nerds" oder lebensuntüchtige Sozialautisten, sondern ganz normale Menschen. Es trifft auch nicht zu, dass quasi jeder Fachidiot ungeachtet der von Ihnen zitierten Soft Skills eingestellt wird, "der bei drei nicht auf der Palme ist". Heute ist bei Ingenieuren und Informatikern die Arbeit in grösseren, oft internationalen Teams üblich. So jemand würde dort bei weitem mehr Schaden anrichten, als er Nutzen schafft. Eine solche Situation kann eine Eigendynamik entfalten, die im Extremfall auch zum Scheitern eines Projekts führen kann. Dieses Risiko wird kaum ein Unternehmen bewusst eingehen. Meistens versagt in diesen Fällen eher der Auswahlprozess bei der EInstellung.

    • wll
    • 06.02.2008 um 13:38 Uhr

    "Ich kann es nicht mehr hören, dass hier und dort ein Fachkräftemangel herrscht-ES IST EINFACH NICHT WAHR!"
    Doch, mindestens im Maschinen- und Anlagenbau sowie in vielen Gebieten der IT trifft das sehr wohl zu. Ich weiss wovon ich spreche, da ich in dieser Branche als IT-Fachmann tätig bin und wir Hände ringend Fachkräfte suchen. Pauschal für alle Berufsgebiete gilt das aber natürlich nicht...
    "Da ich aber auf Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft spezialisiert bin..."

    Das dürfte das Problem sein. Sie sind auf ein sehr eng begrenztes Arbeitsgebiet spezialisiert, dass nicht genug nachgefragt wird, um für alle Bewerber genügend Arbeitsplätze anzubieten. Daraus lässt sich aber nicht auf andere Branchen oder Berufsgebiete schliessen.
    "Es hilft nur eins bei der Jobsuche: VITAMIN B!!!"
    Das kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. ich war in meinem Leben schon für mehrere Unternehmen tätig und kannte vor meiner Einstellung in keinem Fall dort auch nur einen Menschen. Beziehungen können aber natürlich durchaus bei der Arbeitssuche hilfreich sein, das will ich nicht abstreiten - zumal mir solche Fälle bekannt sind. Entscheidend ist aber die Nachfrage nach einer beruflichen Qualifikation und die Anzahl der Bewerber im Verhältnis zu den angebotenen Stellen.

    • FrauM
    • 06.02.2008 um 21:05 Uhr

    Schon der zweite Artikel innerhalb der letzten beiden Tage, der durch Sexismus glänzt. Diesmal von den Illustratoren schön sexistisch JEDES Bild mit einem Mann bebildert. Ihr wollt Mädchen ermuntern, den Beruf zu erlernen/studieren? So wird das wohl nichts.Gruß

    • simono
    • 11.02.2008 um 10:46 Uhr
    7. @FrauM

    Verzeihung werte Damen,
    aber ich kann es nicht mehr hören. Dieses ständige, meist von Gesiteswissenschaftlerinnen stammende Gejammere über die Position und Situiation der Frau im Ingenieurstudiengang. Als ich anfing zu studieren (vor acht Semester Maschinenbau/Fahrzeugtechnik), erschien in jeder Vorlesung eine burschikos gekleidete burschikose Dame, um 400 Erstsemesterstudenten und 10 Erstsemesterstudentinnen zu erklären, dass sogenannte Frauentutorien existieren. Es liegt auf der Hand, dass sich die exemplarischen 10 Studentinnen aufgrund ihrer elitären Lage schwer darin taten, Anerkennung unter ihren männlichen Kommulitonen zu erkämpfen. Schließlich fand unsereins schlechte und überfüllte Tutorien vor, während das schwache Geschlecht mit Samthandschuhen und liebevoller Sonderbehandlung umtätschelt wurde. Doch zurück zum Thema; eine interessante Erfahrung konnte ich in meinem "Über den Tellerand blicken" Fach machen. Es handelte sich um eine Veranstaltung namens "Interkulturelle Kompetenz und Kommunikation", eine von Psychologinnen und Politikwissenschaftlerinnen dominierte Veranstaltung. Und tatsächlich wurde das Thema des weiblichen Ingenieurs diskutiert. Die Leitthese gestaltete sich darin, dass die Männer durch ihre Präsens in Ingenieurberufen die Frauen vergraulen. Ich habe die wortführenden Damen darauf hingewiesen, dass sie doch sicherlich selbstbestimmende Persönlichkeiten sind, was mit vollem Enthusiasmus bejaht wurde. Auf meine Frage, warum keine von ihnen einen Ingenieursstudiengang besucht, erhielt ich zur Antwort "das entspräche nicht meinen Neigungen und Interessen". Und genau das trifft den Punkt. Frauen, welche sich für Technik interessieren, werden auch das entsprechende studieren. Und die Frauen meiner Generation sind gewiss charakterlich stark genug, sich nicht von Bildern über Zeitungsartikeln davon abbringen zu lassen.
    Nur was uns beide nervt, weibliche Ingenieurinnen wie männliche Ingnieure, ist dieses Gejammere von Außenstehenden!

  4. Wir haben vor allem einen Mangel an großen Unternehmen, die für einen guten Ingenieur auch gut bezahlen wollen und nachhaltig in seine Weiterbildung investieren.
     
    Es ist aber auch so viel einfacher in schlechteren Zeiten niemand einzustellen und später nach der Greencard zu schreien.
     

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