Jugendschutz Hör dies nicht!Seite 3/3
Es folgte ein langwieriger Prozess, der Jello Biafra und seine Plattenfirma Alternative Tentacles an den Rand des finanziellen Ruins trieb und zur Auflösung der Dead Kennedys führte. Der Angeklagte beharrte darauf, dass es in diesem Verfahren nicht um Pornografie ginge, sondern um das Recht der freien Meinungsäußerung.
Auch Judas Priest und Ozzy Osbourne wurden 1986 angezeigt. Gegen sie war der schwerwiegende Vorwurf erhoben worden, sie hätten mit versteckten, sublimen Botschaften bzw. mit einzelnen Textzeilen zwei Jugendliche in den Selbstmord getrieben. Fundamentalistische christliche Organisationen und das PMRC glaubten, dass es möglich sei, mittels rückwärts abgespielter Musik Botschaften an das Unterbewusstsein zu senden („
subliminal messages
“).
Die Angst vor Musik und Texten steigerte sich ins Absurde: Frank Zappa veröffentlichte 1986 die Platte
Jazz from Hell
, die mit dem Aufkleber „
Explicit Lyrics
“ versehen wurde. Auf der LP befanden sich ausschließlich Instrumentalstücke.
Zweifellos hat das PMRC die Plattenindustrie, die Musik der 1980er Jahre und die Entwicklung des Musikfernsehens stark beeinflusst. Fest steht auch, dass die Probleme der Jugendlichen und Amerikas nicht mit einem Aufkleber aus der Welt geschafft werden konnten.
Heute gilt der Tipper-Sticker gar als verkaufsfördernd. Die Entrüstung über
Marilyn Manson
, Eminem und Janet Jacksons Brustwarze zeigt, dass sich auch 50 Jahre nach Elvis' erstem Hüftschwung die USA über den kulturellen Wert polarisierender Pop- und Rockmusik uneinig sind. Bei aller Sorge um die geistig-moralische Entwicklung Jugendlicher sollte man sich der Aussage eines Pressesprechers von Warner Bros. Records von 1984 erinnern: „Rockmusik dient dazu, Eltern zu ärgern. Daran hat sich nichts geändert.“
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- Datum 14.12.2007 - 06:26 Uhr
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"versteckten, sublimen Botschaften"Wie sublim diese Botschaften sind, ist Ansichtssache. . .
Na ja. Ich frage mich gerade, ob diejenigen, die die Aufregung über anstößige Texte auf heißen und coolen Scheiben eher spießig finden, ebenso liberal über sogenannten "Rechtsrock" oder die Schulhof-CDs der NPD denken. Hier dürfte die Toleranz und das Gefühl, was Freiheit und was Gefahr ist, wie so oft recht selektiv sein.
Die Mehrheit der in letzter Zeit veröffentlichten Werke in dem angesprochenen Sektor erinnern eher an sadistische autoritäre Besserwisser, wenn nicht gar irgendwelche seltsamen moralischen Ansichten untergriffig "untergeschoben" werden. Oder an den großen Bruder, der einem buchstäblich das Leben zur Hölle macht. Vielleicht liegts ja daran, dass ich kein Elternteil bin. Enttäuschend auch der Zynismus - "Zynismus ist was für Leute, die gar nichts anderes haben". Als Zuhörer kann man sich lyrisch vor allem eins: betrogen und verarscht fühlen.
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