Bildung Ausgezeichnete Schulen
Zum zweiten Mal wurde der deutsche Schulpreis vergeben. Sieger ist eine Gesamtschule in Hildesheim
Mit dem Deutschen Schulpreis für besonders herausragende pädagogische Leistungen wurden am Montag fünf Schulen ausgezeichnet. Den ersten Preis bekommt die Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim; sie erhält 50.000 Euro. Vier weitere Schulen bekommen je 10.000 Euro: Die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, die sich im Zuge ihrer Erneuerung vom Gymnasium zur Gesamtschule umgewandelt hat; die staatliche Montessori-Oberschule in Potsdam; das Schiller-Gymnasium in Marbach sowie die Carl-von-Linnè-Schule, eine hervorragende Förderschule für Körperbehinderte in Berlin.
Die Robert-Bosch-Schule setze bei der Ausgestaltung als Ganztagsschule Maßstäbe,
hieß es in der Begründung der Jury. Noch vor zehn Jahren hatte sie einen schlechten Ruf. Es gab nur für die Hälfte der Plätze, die die Schule zu vergeben hatte, interessierte Schüler. Heute ist das umgekehrt: In diesem Jahr bewarben sich 359 Kinder auf einen der 180 Plätze. Die Lehrer hatten sich selbst aus der Krise befreit. Aus Einzelkämpfern wurden Teamarbeiter. Die meisten nehmen an so genannten Hospitationsringen teil; sie besuchen sich gegenseitig im Unterricht und kooperieren bei der Vorbereitung - das erfordert Vertrauen. In den Ferien gehen sie zusammen in Klausur und erarbeiten gemeinsame, fächerübergreifende Projekte. Die Lehrer machen den Schülern vor, wie man kooperiert und sich für Neues begeistert.
Die Geschäftsführerin der Bosch Stiftung, Ingrid Hamm, sagte, die Hildesheimer Schule habe sich in 15 Jahren von ganz unten an die Spitze hochgearbeitet. "Sie ist ein beeindruckendes und vorbildliches Beispiel für die Innovationskraft deutscher Schulen." Obwohl die Schule mit rund 1300 Schülern sehr groß sei, spüre dort jeder: "Auf mich kommt es an." Die Jury lobte ferner ein beispielhaftes Betriebsmanagement, demokratische Führung und kontinuierliche Qualitätskontrolle.
Bundesbildungsministerin Annette
Schavan überreichte die Auszeichnung am Montag in Berlin. Die Kriterien bei dem Wettbewerb sind zum einen die Leistung der Kinder und die Unterrichtsqualität. Es wird aber auch bewertet, wie mit der Vielfalt der Schüler umgegangen wird, wie es sich an der Schule lebt und wie die Lehrer zu Reformen bereit sind.
Vergeben wird der Schulpreis von der Robert-Bosch-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Heidehof-Stiftung, der Illustrierten Stern und dem ZDF . Die Entscheidung trifft eine pluralistisch zusammengesetzte Jury. Zu den elf Mitgliedern gehören unter anderen Professor Erich Thies, der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Professor Manfred Prenzel, Chef des deutschen Pisa-Konsortiums , und Johan C. van Bruggen, pensionierter Sprecher der niederländischen Schulinspektion.
Man wolle ein Zeichen setzen, dass in Deutschland
trotz unbefriedigender Pisa-Ergebnisse
eine vorbildhaft gute Schule machbar sei, heißt es in der Ausschreibung. Im vergangenem Jahr war der Schulpreis von Bundespräsident Horst Köhler vergeben worden. Gewinner war damals eine Grundschule in einem sozialen Brennpunkt in Dortmund.
Die Jury hatte diesmal von 170 Bewerbern 14 Schulen besucht und zehn Kandidaten für die Endrunde ausgewählt. Dies waren neben den Preisträgern das berufliche Gymnasium Der Ravensberg in Kiel, das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach/Neckar, das Gymnasium Neckartenzlingen (Baden-Württemberg), die Laagberg-Grundschule in Wolfsburg, die List-Gesamtschule in Hannover und die private Waldhofschule in Templin (Brandenburg).
Sehen Sie zu einem der Preisträger, der Montessori-Oberschule in Potsdam, den Film von Reinhard Kahl
- Datum 10.12.2007 - 05:14 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa
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Wie im Sozialismus;-). Da hat jetzt das Schulkombinat "Rote Sonne" in Hildesheim einen Aktivistenorden bekommen fuer augezeichnete Lehre und Leistung der Schueler. Zur Verleihung wird dann auch wahrscheinlich ein (Fdj-?)Jugendchor ein huebsches Staendchen bringen, wie schoen doch das Leben ( Leben an der Schule !?!) an einer deutschen Gesamtschule ist, mit allen seinen bunten Facetten. Unterschwellig soll Eltern suggeriert werden: die Gesamtschule ist das beste deutsche Schulsystem, schickt doch bitte alle eure Kinder dahin, das dreistufige System ist ein Auslaufmodell. Passt doch genau in den politischen mainstream, Gleichmacherei an allen Enden. Und (links-)gleichgeschaltete Presse. Ich werde meine Kinder weiterhin auf ein altehrwuerdiges (bayrisches) Gymnasium schicken, wo sie gut aufgehoben sind, selbst wenn in der paepstlichen Enzyklia fuer die Gesamtschule geworben wuerde. Und ausserdem: Warum ueberlaesst man es nicht den Eltern und Kindern selber zu entscheiden welche Schulform sie vorziehen, indem man alle Formen anbietet und dann frei entscheiden laesst?Hannes
Ich werde meine Kinder weiterhin auf ein altehrwuerdiges (bayrisches) Gymnasium schicken, wo sie gut aufgehoben sind, selbst wenn in der paepstlichen Enzyklia fuer die Gesamtschule geworben wuerde. Und ausserdem: Warum ueberlaesst man es nicht den Eltern und Kindern selber zu entscheiden welche Schulform sie vorziehen, indem man alle Formen anbietet und dann frei entscheiden laesst?Gibt es doch defakto jetzt schon, jetzt können sich die Eltern frei entscheiden und zwingen ihre Kinder, sofern es irgendwie geht, aufs Gymnasium. Eine selbstverstärkende Spirale, denn wer zurückbleibt hat tatsächlich nichts mehr zu lachen. Solange es Gymnasien gibt, wird sich daran auch nichts ändern.Gegen einen Volksentscheid hätte ich aber nichts, ich denke die meisten Leute nervt diese alte ideologische Schlacht.Die albernen DDR-Vergleiche kannst du dir übrigens sparen. Ich habe die Wende etwa in der 8-ten Klasse in der DDR miterlebt. Das Niveau ist danach enorm gesunken, die DDR-Gesamtschulen waren sehr bildungsstark. Aber schick du deine Kinder aufs Gym, wenn sie es schaffen (in bayr. Gymnasien herrscht ja mehr Selektion als Bildung) dann können sie sich privilegiert fühlen und du hast die Tradition eine Generation länger am Leben gehalten.
Sie haben es schon geschafft und darueber bin ich sehr froh. Was ist mit deinem Nachwuchs?Hannes
Mein Nachwuchs ist gerade unterwegs :-)Ich hoffe bis er in der 5 Klasse ist, muss ich nicht mehr entscheiden ob ich ihn aufs Gymnasium prügeln muss. Eine alternative Schule wäre mir eigentlich am liebsten, da ich selbst die Schule immer gehasst habe. Aber alternative Schulen gibts hier auf dem Land keine und bezahlen könnte ich sie vermutlich auch nicht.
'Warum ueberlaesst man es nicht den Eltern und Kindern selber zu
entscheiden welche Schulform sie vorziehen, indem man alle Formen
anbietet und dann frei entscheiden laesst?'Ich war auf einer Gesamtschule und habe eine hervorragende Bildung genossen, der Punkt war jedoch, dass ich Glück hatte auf dieser Schule zu landen, denn auch bei meiner Einschulung gab es auf jeden Platz zwei Bewerber. Und dies scheint offensichtlich ein Trend zu sein, denn komischerweise werden Gesamtschulen immer öfters augezeichnet, während Gymnasien dafür bekannt sind 'altehrwuerdig' und ein bisschen rückständigzu sein, während die Pädagogik als Wissenschaft rasante Fortschritte macht. Doch wozu Fortschritt?
Ja, so ist es. Gesamtschulen sind attraktiv geworden - für die Wirtschaft im Allgemeinen (Bertelsmann"stiftung", Bosch"stiftung", Verband der Bayrischen Wirtschaft etc.) und im Besonderen (Schulbuchverlage) sowie deren "Experten" (Prenzel darf nicht fehlen, nirgendwo). Aus den drei Bildungsständen sind zwei Bildungsklassen geworden. Für die künftigen Arbeitskräfte inklusive Prekariat die Gesamtschule, die in "Gemeinschaftsschule" umgetauft wird, auf die die Kinder des "gemeinen Mannes" zu gehen haben und wo "Heterogenität" (welch schreckliches Wort!) in "Employability" (welch schrecklicheres Wort!) transformiert wird, und für die (sich selbst ernennende) Elite weiterhin das Gymnasium. Das heißt, unser Schulsystem wird modernisiert, um die soziale Reproduktion geschmeidiger zu garantieren.
Dafür sind in unserer medialen Welt natürlich Erfolgsstories vonnöten, Bilder von über die Preisverleihung jubelnden Jugendlichen, die dann im Interview betonen, die Mitschüler und Lehrer seien wie "eine Familie". So lieb (und brauchbar) sind Gesamtschüler, Gymnasiasten - so die implizite Botschaft - sind eher intellektuell, eher Einzelkämpfer (die künftigen Führer).
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