Gesellschaft Die Zukunft liegt hinter uns

Sibylle Berg seziert das Verhalten von Älteren, die damit prahlen, technikaffin zu sein - und entlarvt sich selbst als lächerlich.

So ist der ewige Herbst. Du sitzt in deinem Heim, an deinem Computer, denkst dir etwas aus, das keiner braucht, und glaubst, es sei das Leben. Krähen fallen zu Boden und gleich dem Schrei eines alten Kauzes schellt das Telefon. Ein Freund ist dran, der von einem Computerausfall zu berichten weiß. Und das er sich zu zügeln wusste und das Gerät nicht aus dem Fenster warf. Das nenn ich die Weisheit, die mit dem Alter selten einhergeht, astrein umgesetzt: Den Computer wegen eines Defektes, basierend auf dem Unvermögen des Besitzers, nicht aus dem Fenster zu werfen, gilt bei unsereins schon als große Tat. Da freuen wir uns, die wir an Beherrschung gewonnen haben, und klopfen uns auf die greisen Schultern, wir Alten. Doch ist es nicht wie das zahnlose Gemümmel auf Altenheimbänken? Die Bankrotterklärung an das eigene Leben? Das Eingeständnis, dass man da einer Entwicklung und deren Produkt mit nichts anderem als blankem Zorn gegenübersteht? Wir schwingen die geäderten, mit Pergamenthaut überzogenen Fäuste in der Luft und wettern wie gegen einen Taifun. Was möchte ich damit sagen?

Über Computer, Informatik, das digitale Zeitalter und Cyber-Sex ist eigentlich schon alles gesagt worden, möchte ich sagen. Alles von Menschen wie mir, die ihre Wut darüber, nicht mehr dazuzugehören, in Worte hüllen. Sie sind alt, nicht zeitgemäß, erreichen nichts, außer einem müden Gähnen bei jenen, die in einer anderen Zeit aufgewachsen sind. So wie sich einige Alte gegen Telefone verwahren, und mir das lächerlich dünkt - so ist das.

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Telefone und Computer, Teufelszeug, das die Menschen in die Vereinsamung treibt, in den Wahnsinn, den Suizid. Na und? Sterben eben wieder ein paar.

Wer will das wissen.

Neben allem, was man über das Computerzeitalter sagen könnte, was ich nicht sagen kann, weil ich keine Ahnung davon habe, ist der grausamste Aspekt, das sie eine Kluft gleich der Wetterscheide (ein schönes Wort, man ist ja mit so wenig zufrieden) gerissen hat zwischen alt und jung - und wehe dem, der auf der falschen Seite steht oder liegt, weil er zu alt zum Stehen ist. Bemühen sich Menschen, die vor der Vercomputerisierung (noch ein schönes Wort) der Welt zur Welt kamen, auf den Informatikzug aufzuspringen, so bleibt ein gequälter Ton dabei. Es gleicht dem Aufspringen eines Holzbeinigen, der einen leeren Schnaufer tut und am Trittbrett des ICEs hängenbleibt. Eine Euphorie, der es an Selbstverständnis gebricht. Keinem 20-Jährigen fiele ein, sich mit der Anschaffung eines Internet-Modems zu brüsten. So wie auch ich nicht stolz erzähle, dass ich jetzt ein Telefon besitze. Das ist lächerlich, traurig, macht den alten Tropf noch ein wenig grauer, rückt das Grab noch näher. Nein (das interessanteste Wort in diesem Text), egal was man versucht, als Mensch jenseits des Grabens, der Computer lehrt uns, wohin wir gehören. Zu der Generation, die out ist, alt ist, Platz machen muss man der Generation der Jugendverliebten. Quatsch, der Jugend, zu der ich nicht mehr gehöre. Und von der ich noch nicht einmal behaupten kann, das sie dümmer wäre als ich, ohne albern zu sein. Die Jugend ist nicht dumm. Durch die prima Informationstechnik mit der sie aufgewachsen ist, weiß sie viel mehr als ich in ihrem Alter, hat keine Angst vor fremden Menschen, fremden Ländern, vor der Technik nicht und eigentlich vor gar nichts. Sie müssen sich nicht jahrzehntelang auf Therapeuten-Couchen legen um ihr Ego zu finden. Die jungen Menschen sind das Ego. Sie sind die Zukunft, die bereits hinter mir liegt. So ist es Zeit für mich den Computer aus dem Fenster zu werfen, mich hinterher. Oder auch nicht, denn so viel Dramatik ist zu lächerlich für ein verschwindendes Leben.

 
Leser-Kommentare
  1. Ist der Artikel ernst gemeint?
    Wenn ja, finde ich ihn ziemlich defätistisch und strotzend vor Selbstmitleid. Außerdem ist der Artikel sehr abhängig von der Definition des "älter sein". Die Grenze dazu hat sich erheblich nach vorne verschoben.
    Ich könnte den Artikel allenfalls als Satire akzeptieren, aber vielleicht war das ja auch die Intention der Verfasserin.
     

    • Anonym
    • 12.12.2007 um 16:28 Uhr
    2. pc me!

    dass die autorin keine ahnung von computern hat. nicht weiter tragisch. war schon klar nach dem text über chats. kein drama.
    wenn sie eine ahnung hätte, dann wüsste sie oder könnte erfahren, dass alt und jung dramatisch/leicht zusammenwächst. als auseinanderzudriften und sich gegenseitig herbstliche klischees an den kopf oder auf die pergament-geschlechtsteile zu werfen. dass dies nicht in jederfraus vorstellung der welt passt, ist auch nicht weiter tragisch. es ist eher einfach.
    wenn frau eine gewisse vorstellung von etwas hat, das über sich selbst hinausgeht, dann findet frau sehr wohl fragen, die auch andre stellen. antworten sind häufig. sie werden einem grossteilig nicht gefallen. 
    verjüngen jedoch auf anhieb.
    hat man keine vorstellung von sich oder der welt, was häufiger vorkommt oder einen blank erwischt. hat keine tragik.
    selbst in diesem aussichtlosen fall bietet die pc-welt einiges an.
    davor steht, wie bei allem ein wenig, ein klein wenig mühe.
    die muss man sich schon geben. oder anders gesagt, bevor man sich oder den pc aus dem fenster (reihenfolge beachten!) wirft, ist die chance einer anwendung von beidem zu empfehlen.

    • Anonym
    • 12.12.2007 um 17:51 Uhr

    Robert Jungk lächelt mild auf seiner Wolke, Tucholskys Spuren im Schnee sind heute im Internet und Gottfried Benn hat mit seinem Glücklichsein scheinbar ewig recht. Wer geboren wird feiert sorglos, nur wer stirbt wird plötzlich modern.

  2. Die kleine Überschrift dürfte nicht zensiert werden, hoffe ich, aber hier weiß man ja nie. Denn was an harmlos zotigen Worten  selbst im Familien-TV zu besten Sendezeiten  alles längst hoffähig ist und was sogar vom Duden geduldet werden  muss, wird  hier nicht selten rigoros abgestraft. Rettet die wohlfeilen Laute des Bildungsbürgertums. Oder. Alsooo neee, Frau Berg, wie Sie die kleinen Beobachtungen aus dem  Alltagsleben und so aber auch immer  so frisch runterfrotzeln müssen...Alter! Computer ! High-tech! Große Worte. Tonnenschwere Begriffe. Und dann werfen Sie den Krams auch noch so was von rücksichtslos durcheinander, schwurbeln es durch und auf die Zünfte der verbeamteten Sozialforscher im Lande wird gepfiffen, die seit den bundesweiten Etat-Kürzungen ihrer Fachbereiche mehr und mehr von Firma zu Firma wandern, Klinken putzen müssen und gezwungen sind, sich hanebüchene Zusammenhänge zweier Variablen auszudenken, um dafür Sponsoren zu finden.  Also echt jetzt mal, von wegen Alte haben einen Hau und Junge sind so bescheuert nicht, nur weil sie meinetwegen DSL, schnelle Grafikkarten bevorzugen oder sie  eine Filmcamera im Handy zum Festhalten der letzten 12-Jahre-alter-Schüler-haut-9-jährigem-Mitschüler-die-Nase-und-die Ohren-zu-Brei Show und dies alles sozusagen unweigerlich mit Jungsein verbunden ist, weil sie  damit großgeworden sind. Tztztztz:). So was aber auch, bis dahin kam mir nicht in den Sinn,  ich würde wie ein 13jähriger wirken, wenn ich beim Kaffee zu Fuß mal schnell mit ner Freundin telefoniere. Oder neulich im Chat, da las ich unter dem Foto einer sehr Hübschen einen Kommentar eines liebeshungrigen Anschwärmes: Ise wuse di kene , Murat 26 Turk. Kann mir jemand das mal übersetzen! :):) Mein damaliger Stiefvater ist mit Alkohol aufgewachsen und mit Zigaretten und manchmal ging er zu Nutten oder erzählte Arzt-Witze, also umgehen konnte er mit dem Zeugs bis zu seinem Lebensende nicht- richtig :). Frau Berg, äh, eine Frage: Sie teilen die Welt doch wohl nicht in Produktwelten für Junge und für Ur-Alte auf. Oder wie ? Na trotzdem, ein Skol auf die herrlich subjektive Optik. Nette Grüße, Jürgen E.Gesang     

    • gravel
    • 17.12.2007 um 0:46 Uhr

    Ähnliche Erfahrungen löste mein erster Computeruntericht vor 25 Jahren aus. Jegliche Fantasien, die ich bis dahin mit dem Wort Computer verbunden hatte, waren nach einem halben Jahr Unterweisung in Basic verflogen. Schon damals erfasste mich Melancholie, wenn von anbrechenden Zeiten erzählt wurde, die Begeisterung konnte ich nicht teilen. "Wen interessiert das", war damals und ist heute meine Frage.Ich bin jung, ich mus das lernen schulterte ich schließlich das Kreuz der EDV, traurig, der kommenden  Zeiten wegen.

  3. Ein Artikel bemühter Klischees und dümmliches  Kokettieren mit der eigenen Planlosigkeit als seichte Unterhaltung.
    Witzig, geistreich am Puls der Zeit zu sein sieht anders aus...

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  • Quelle ZEIT online, 12.12.2007
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