Die Weltklimakonferenz ist gescheitert – beinahe. Das wichtigste Ergebnis der zweiwöchigen Verhandlungen lässt sich fast mit einem einzigen Satz zusammen fassen: Der Prozess, wie die Klimadiplomaten ihren Verhandlungsmarathon nennen, ist gerettet. Die Substanz, nämlich halbwegs präzise Verabredungen darüber, welchen Inhaltes der Prozess sein soll, ist diesem vermeintlichen Erfolg allerdings weit gehend geopfert worden. Soll das der Durchbruch von Bali gewesen sein?

Die Erwartungen an das Treffen auf Bali waren hoch. Manch einer weckte die Hoffnung, es würden hier, Ende 2007 schon Entscheidungen getroffen, um die Erderwärmung zu bremsen. Das war nie geplant. Geplant war, eine Tagesordnung, neudeutsch roadmap zu entwerfen, um in zwei Jahren, bei der übernächsten Klimakonferenz in Kopenhagen, diese überfälligen Beschlüsse zu treffen. Nur, eine Straßenkarte ist im Grunde eine ungeordnete Ansammlung von Punkten, Strichen und Farben; damit sie Orientierung bietet muss ihr Betrachter wissen, wo er steht – und wohin er will.

Die bisherigen Bemühungen der Menschheit, die Erderwärmung zu bekämpfen, verdienen die Note sechs: ungenügend, die Erderwärmung verlangsamt sich schließlich nicht, sie beschleunigt sich. Die Konsequenz daraus kann nur lauten, Geschwindigkeit und Entschlossenheit der Klimapolitik zu steigern. Das hätte die Verabredung von Bali sein müssen.

Statt dessen haben sich die Vertreter von rund 190 Staaten darauf verständigt, binnen zwei Jahren eine „Vision für langfristiges gemeinsames Handeln zu entwickeln“. Einen ähnlichen Beschluss brachte schon die erste Weltklimakonferenz zustande, 1995 in Berlin. Dieser Beschluss war die Grundlage für das Kyoto-Protokoll, das sich längst als vollkommen unzureichend erwiesen hat. In der Entscheidung von Bali heißt es zwar, es seien „tiefe Einschnitte“ bei den globalen Emissionen nötig. Wer allerdings nicht verrät, an welche Größenordnung dabei gedacht, wer statt dessen in einer Fußnote auf eine nur Spezialisten zugänglichen Studie verweist, der meint es nicht wirklich ernst. Der hat bestenfalls Angst vor der eigenen Courage.

Die Konferenz auf Bali hat mehrere Erkenntnisse über den Zustand der internationalen Klimapolitik zu Tage gefördert.

Erstens: Jahrelang wurde verdrängt, wie groß die durch global warming herauf beschworene Gefahr ist. In Bali hat die Verdrängungsleistung eine neue Qualität erreicht: Allgemein anerkannt ist jetzt zwar, dass die Menschen die Erde aufheizen. Längst noch nicht konsensfähig ist dagegen, was daraus folgt, dass nämlich nur eine neue industrielle Revolution die Menschheit noch vor dem Klimakollaps bewahren kann. Diese Wahrheit empfinden die meisten Regierungsabgesandten als unangenehm.