Netzmusik 2007 Alles wieder offen
Und was macht die Musik im Internet dieses Jahr? Der Kopierschutz ist auf dem Rückzug. John Lennon gibt's zum Herunterladen. Und manche Band experimentiert in Produktion und Vertrieb.
Pffft. Da ist die Luft raus: MySpace lebt, besser als je, aber die große Aufregung um das Portal ist vorbei. Musiker können dort ihre Freunde versorgen, Musikstücke zum Anhören anbieten. Einen integrierten Shop sucht man nach wie vor vergebens. Ein Riese ist MySpace, das nun dem Medienmogul Rupert Murdoch gehört, allein: Es lahmt.
Und sonst? 2007 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem der Kopierschutz starb. Der Apple-Chef Steve Jobs war es, der das Digitale Rechte- oder auch Restriktionsmanagement (DRM) im Februar
für tot erklärte
. Kurz danach konnte er verkünden:
EMI, als erster der großen vier Konzerne, verkauft in Apples iTunes-Laden Musik im Internet künftig ohne Kopierschutz
. Erstmals gab es John Lennon im Internet legal - bar jeder technischen Bremse. Das Musikgeschäft laufe gut, sagt Apple, ohne Zahlen zu nennen. Amazon, Wal Mart und Nokia bemühen sich indessen, zum Marktführer aufzuschließen.
Im Dezember ist Creative Commons fünf Jahre alt geworden. Das alternative Lizenzmodell versucht, den Künstlern im Rahmen des Urheberrechts neue Möglichkeiten zu zeigen. So lassen sich über CC genaue Bedingungen festlegen, wie ein Stück behandelt werden soll: privat frei kopierbar, kommerziell verwertbar, Remixe erlaubt… In Deutschland hat Creative Commons noch ein Problem: Mit der Gema ist es nicht vereinbar.
Schreckensmeldung des Jahres: der 25. Geburtstag der CD.
So jung und schon so tot
. Sie wird gekauft noch von den Alten, Computerfernen. Die Musik der Andrea Berg zum Beispiel. Seit 313 Wochen ist ihr "Best of"-Album in den deutschen Charts. Heile-Welt-Musik für die Netzverweigerer; da passen Medium, Musik und Menschen zusammen. Dass die Scheiben unglaublich teuer geworden sind, sei am Rande notiert.
Wohin geht also nun die Musik im Internet? Auch in diesem Jahr sind wieder einige Musiker übers Netz bekannt geworden. Die
Amateur Transplants
zum Beispiel: Sie spielen bitterböse Coverversionen bekannter Hits und eigene Lieder. Erstmals hervor traten sie 2005 mit
London Underground
anlässlich eines U-Bahn-Streiks in der britischen Hauptstadt. Die Streikenden bekamen gereimten Unmut zu hören, aber knüppelhart. Nun, in diesem Jahr, stellten Fans
etliche Versionen der Songs bei Youtube ein
, als die "Tube"-Mitarbeiter wieder einmal die Arbeit niederlegten.
Auch namhafte Bands setzten auf das Internet als Vertriebskanal. Radioheads Experiment, ihr Album im Internet anzubieten und die Nutzer einen frei zu wählenden Betrag zahlen zu lassen, scheiterte – und wurde Anfang Dezember beendet. Die Hörer waren zu geizig. Was man natürlich auch als Urteil über die Qualität des Albums In Rainbows werten kann. Dennoch brachte die Aktion viel mediale Aufmerksamkeit, und die Band verdiente sehr gut daran .
Die Einstürzenden Neubauten versuchen es anders: Ihr Modell einer internetbasierten, unterstützerfinanzierten Plattenproduktion funktioniert. So entstand
Alles wieder offen
. Ein schönes Motto übrigens wäre das für 2008.
Plattenrezensionen, Künstlerportraits, Bildergalerien und unser Festivalblog gibt's auf
zeit.de/musik »
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben?
Klicken Sie hier
, und unser RSS-Newsletter bringt Ihnen die Musik direkt auf den Schirm.
- Datum 28.12.2007 - 02:31 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









"experiment gescheiter" ? "... aber die band verdiente gut daran" ? fuer wen ist denn dann das experiment der band gescheitert ? mehr geld haetten die mit platten firma auch nicht verdienen koennen. - no profit grows where is no pleasure -
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren