Beim Singen wenigstens krempeln sie die Ärmel hoch, wenn es um deutsch-französische Aktionen geht - so die Außenminister der beiden Länder im vergangenen November beim Berliner Rapper Muhabbat. Aber sonst tut sich nicht viel, so als hätten die für Europa so zentralen Partner ihr Interesse aneinander erschöpft. Dabei mangelt es nicht an französischer Kreativität - seit seinem Amtsantritt im Juli lässt Nicolas Sarkozy keine Gelegenheit aus, seinen Landsleuten und der Welt darzulegen, was er als Präsident in Frankreich und in Europa auf den Weg bringen will.

Wer aber erwartet hätte, die deutsche Politik würde sich mit eigenen Überlegungen in den französischen Denkprozess einbringen und diese für sich und Europa nutzbar machen, wartet umsonst. Weder der sonst außenpolitisch oft so gescheiten Kanzlerin, noch ihrem erfahrenen Außenminister scheint das Verhältnis zum wichtigsten Nachbarn mehr als Pflichtübungen wert. Fast scheinen sie zu hoffen, Sarkozy werde schon über den eigenen Eifer stolpern.

Das wäre aus drei Gründen töricht. Zum einen, weil dieser Präsident, wie ein Pariser Beobachter formuliert, "wie ein Deutscher" ist: er meint es eben, anders als deutsche Vorurteile über französische Politiker es wollen, mit seinen Ankündigungen ernst. Und er wird Frankreich wahrscheinlich noch die nächsten neuneinhalb Jahre regieren.

Zum Zweiten: Deutschland hat in der EU keinen Ersatz für den Partner Frankreich. Zwar können Paris und Berlin in der erweiterten Union nicht mehr, wie einst, den Kurs vorgeben. Aber ihr Einvernehmen ist noch immer Kernstück fast jeder europäischen Initiative und deshalb Bedingung erfolgreicher deutscher wie französischer Europa- und Außenpolitik.

Schließlich: mancher Sarkozy-Vorschlag entspricht weitgehend alten deutschen Wünschen, sodass in Berlin eigentlich Applaus ausbrechen sollte. Das gilt vor allem in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Der Präsident will endlich die gaullistische Abseitshaltung gegenüber der Nato aufgeben und zugleich die europäische Integration in militärischen Dingen pragmatisch stärken.