Nach acht Monaten in türkischer Untersuchungshaft ist der deutsche Jugendliche Marco W. auf freien Fuß gesetzt worden. Der Prozess in Antalya werde aber fortgesetzt, sagten Marcos Anwälte.

Am achten Verhandlungstag hatte die Verteidigung erneut die Freilassung Marcos beantragt, wie Anwalt Michael Nagel sagte. Man erwarte nicht, dass sich das Gericht bereits inhaltlich mit den Anklagevorwürfen auseinandersetzen werde.

Für wann ein nächster Verhandlungstag angesetzt werde, sei noch nicht klar. Zuvor hatten Marcos Anwälte ihre Ankündigung wahrgemacht und Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingelegt. Wegen der ungewöhnlich langen Untersuchungshaft hatten die Anwälte zuvor mehrfach angekündigt, sich mit einer Beschwerde an das Gericht wenden zu wollen. Dieser achte Prozesstag war Marcos letzte Chance, noch vor Weihnachten freizukommen und das Fest im Kreise seiner Familie zu verbringen.

Heute lag dem Gericht die schriftliche und übersetzte Aussage des britischen Mädchens vor. Die Staatsanwaltschaft wirft Marco vor, die 13-jährige Charlotte in den Osterferien sexuell missbraucht zu haben. Marco W. hat die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs immer zurückgewiesen und erklärt, es sei in gegenseitigem Einvernehmen zu Zärtlichkeiten mit dem Mädchen gekommen. Ihr Anwalt hat angekündigt, die Höchststrafe von zehn Jahren Haft zu fordern.

Marcos Mutter war zum ersten Mal nicht nach Antalya geflogen, um ihren Sohn vor Ort zu unterstützen. Sie wartete in ihrem Haus in Uelzen auf die Entscheidung des Gerichts.