Konflikte Erdöl als WaffeSeite 3/3

Dieses Interesse teilen die Produktionsländer am Golf weitgehend. Auch Kuwait, das in den siebziger Jahren die Preise mit auf die Spitze trieb, gehört heute zu den Ländern, die gegen Preistreiberei anreden. Wohlgemerkt, in Maßen. Denn alle Opec-Länder profitieren gewaltig von dem Ölpreisanstieg der vergangenen Jahre, sie füllen ihre Tresore, verteilen Wohltaten an die bisweilen der Entmündigung überdrüssige Bevölkerung, können schmerzhafte Reformen auf Übermorgen verschieben. Es macht wieder Spaß, ein Öl-Scheich zu sein.

Doch das Öl als Waffe zu benutzen, lehnen die arabischen Produzenten heute ab. Die Welten der Ölanschauung trennen sich am Golf und am Kaspischen Meer. Auf der einen Seite stehen die Ölhändler, auf der anderen Seite die Ölkrieger. Die Ölhändler, zum Beispiel Saudi-Arabien, zielen darauf ab, mit dem Öl langfristig wirtschaftlichen Profit zu erzielen und so auf ökonomische Weise die Bedeutung ihres Landes zu vergrößern. Die Ölkrieger hingegen setzen bei vielen Gelegenheiten das Öl als Waffe ein, um kurzfristige politische Vorteile zu erreichen, um andere Länder zu erpressen, um sie fernzusteuern. Der wirtschaftliche Gewinn spielt dabei stets eine Rolle, wird aber oft von strategischen politischen Erwägungen überlagert.

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Letztere Rolle hat heute Iran übernommen. Mahmud Ahmadineschad trachtet danach, seine Ölreserven als Waffe gegen die USA einzusetzen, um andere Länder gegen das Land zu mobilisieren und die USA zu schwächen. Außerhalb des Mittleren Ostens verfolgen auch Venezuela und Russland eine solche Politik. Präsident Hugo Chavez droht Washington regelmäßig, die erheblichen Ölexporte in die USA einzustellen. In Moskau nutzt Präsident Putin die Öl- und Gaslieferungen an benachbarte Länder, um deren Wohlverhalten in politischen Fragen zu erzwingen und die russische Einflusssphäre in Europa und Asien auszudehnen. So hat er beispielsweise US- Energiefirmen von der Ausbeutung des großen Stokmann-Gasfelds im Nordpolarmeer ausgeschlossen – keine wirtschaftliche, sondern eine politische Entscheidung.

Umso bemerkenswerter ist es, dass seit dem Sturz von Saddam Hussein 2003 kein großer arabischer Rohstoffproduzent mehr versucht hat, das Öl als Waffe zu benutzen. Zumal die Fragen, welche die arabische Welt seit den siebziger Jahren bewegen – Palästina, westliche Truppen auf arabischem Boden, amerikanische Machtpolitik im Mittleren Osten – nach wie vor nicht gelöst sind.

Doch die Araber scheinen gelernt zu haben, dass sich diese Probleme nur schwer und in langwierigen Verhandlungen lösen lassen, auf keinen Fall aber mit Öl.

 
Leser-Kommentare
  1. ... denn Handelsbeschränkungen als politisches Druckmittel sind den demokratischen Musterländern des Westens zum Glück völlig unbekannt.

  2. "Jahre der Entbehrung in Saudi-Arabien" in den achzigern... damals hat sich der Scheff-Scheich in Marbella das Washingtoner Weisse Haus nachbauen lassen, 2:1, also dopppelt so gross. Soviel dazu.
    Und die palästinensischen Glaubensbrüder bauten sich Bomben, vor Hunger.
    Solange wir technologisch einen 2,5-Tonnen-Potenzmittel-Geländewagen brauchen, um eine Person zur Arbeit zu befördern, so mit Henkerlächeln im Gesicht, ist da auch wenig dran zu ändern.
    Ausser vieleicht die Versprittung von Lebensmitteln wie etwa Weizen.
    "Ham Sie vieleichtz noch was im Kühlschrank ?"
     
     

  3. So lange sich der Westen keinen anderen Treibstoff einfallen lässt, werden wir diesen Erpressern auch weiterhin ausgeliefert bleiben.  Erst wenn wir ihnen eines Tages ihr Öl nicht mehr abkaufen, sitzen sie wieder im Sand, denn sonst haben sie ja nichts anzubieten.

    • Anonym
    • 13.12.2007 um 20:37 Uhr

    könnte man sofort vorgehen.Z.B. Die anglophonen Länder sollten Folgendes tun:Alle Beziehungen abbrechen, alle Kommunikationsverbindung kappen und iranische Konten einfrieren.Nach 1 Woche wäre der Iran und seine Faschoklerikalregierung erledigt.Aus der Vergangenheit:Als die USA die UNO Beiträge nicht geleistet hatten. Da war die gute alte UNO so gut wie am Ende...

  4. Ich komme nicht mehr ganz mit:
    Mal ist der Hussein gut, mal böse.Mal sind die Taliban gut, dann wieder böse.Lybien ist zuerst schrecklich böse, dann ist Lybien wieder gut.Russland böse, Russland gut, Russland wieder böse?Agypen, Korea, Vietnam, China....
    Ladyies und Gentlemen, und hier ist er der neue Superbuhman der Welt: Mahmund Ahmadineschaaaaaad
    Ich bin fest davon überzeugt das irgendwo doch das Wahrheitsministerium seine Hände im Spiel hat.
    Warum in aller Welt sollte Achmidschniriwad  nicht das Recht haben auch eine Atombombe entwicklen? Weil er keine Angriffskriege wie die USA durchführt?Weil er es nicht ganz so heimlich macht wie Israel?Weil er nicht die Schmiergelder wie Indien oder Pakistan zahlt?
    @crussader: Die USA hat 1,7 Mrd Dollar Schulden bei der  UNO.Quasi eine Woche Krieg im Irak. Das sollte der USA doch die UNO wert sein, oder.

  5. Wir werden wohl immer ein Feindbild brauchen, ohne das kommen wir nicht aus, oder?Egal wie es heißt, vorgestern "das Reich des Bösen" (die Sowjetunion), gestern die "Schurkenstaaten" oder "die Achse des Bösen" (Korea, Irak etc.), heute die "Ölerpresser" (Iran, Venezuela etc.), morgen sicher die "bösen Energiefresser" (China?).Wir werden nie zugeben, daß WIR SELBST die Schuldigen an unserer Misere sind. Der "durchschnittliche" Einwohner der Industrieländer VERBRAUCHT viel zu viel, an (meist auch noch ungesundem) Essen, an (oft auch noch unpraktischer) Kleidung, an Treibstoff für seinen SUV (mit auch 2007 weiter steigenden Absatzzahlen), ... (weiter bitte selber ergänzen: bitte den eigenen Tagesablauf mal durchgehen, was wir so an unnötigem Schwachsinn täglich treiben).Dazu kommen die Politiker, die wir verdienen, welche nicht in der Lage sind, eine im Zeithorizont auch nur ein wenig über die Größenordnung EINER Wahlperiode hinausgehende Energie- und Rohstoffpolitik zu betreiben.Einfache "Lösungen" ("...gegen den Iran sofort vorgehen") sind da willkommen, sie ersparen das Nachdenken: operative Hektik verdeckt geistige Windstille.Wie lehren unsere Religionen: "liebe Deine Feinde" (denn die Feinde von heute sind dieVerbündeten von gestern und die Freunde von morgen).Oder im täglichen Leben: "sei nie garstig zu einem Untergebenen - er könnte schon morgen dein Chef sein".Lernen wir, uns selbst zu lieben und zu achten, dann werden wir auch ALLE anderen Menschen achten und lieben lernen. Amen.

  6. Durch ständigen Druck auf den Westen!"Iran, Venezuela und Russland setzen ihren Reichtum an Öl und Gas gerne als politisches Druckmittel ein - im Gegensatz zu den arabischen Staaten." Als wenn die Bundesrepublik Deutschland, andere Staaten der EU - besonders GB und Frankreich - sowie die USA  ihre Wirtschaftsmacht nicht bei der Durchsetzungs politischer Ziele oder zur Nötigung von Staaten einsetzen würde. Nur wenn es um 'unser' Öl und Gas geht, dann kreischen wir hysterisch  auf!Arme Staaten dürfen für ihre Rohstoffe keine angemessenen Marktpreise verlangen - die Russen müssen weiter Gas liefern, auch wenn sie von ihren Abnehmern betrogen werden - Marco W. darf in der Türkei nicht ins Gefängnis etc.Die arabischen Staaten sind in einem wesentlich höheren Maße im Westen als Investoren engagiert. Deshalb gehen sie mit ihren Öl-Abnehmern anders um bzw. sie sind auf beiden Seiten tätig. Also Verkäufer und Käufer. Besonders auffällig finde ich, daß dem ZEIT-Autor Michael Thuman nichts dazu einfällt, daß das Königreich Saudi-Arabien eine der schlimmsten Diktaturen der Welt ist. Der Erhalt dieser Diktatur ist nur durch den von den Saudis ständig erzeugten Druck ermöglicht. Dazu fällt auch Frau Merkel nichts ein, die sich von den Saudis immer reich beschenken läßt und keine Skrupel hat, diese Geschenke dann in ihrem Amtszimmer zu präsentieren. Das Königreich Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie, die sich auf den Islam als Staatsreligion beruft. Genau wie die Talibane. Und: der Ölpreis wird durch den Markt bestimmt. Je knapper, desto höher der Preis. Das ist doch auch unser Prinzip. Oder?

  7. Die tatsächlichen Energiepreise werden leider maskiert durch Steuern, Abgaben usw. . Hier etwas weniger Steuer, da etwas mehr ...Daher kann sich die Wirtschaft nicht auf die echten Preise einstellen (wie andere, weniger schlecht regierte Länder), sondern muss eine PseudoÖkonomie betreiben, die sich daran orientiert, was in D die Energien kosten. So ist auch kein vorausschauendes Einstellen auf Entwicklungen im Rohstoffmark möglich ; immer muss erst mit der Politik verhandelt werden, die dann erstmal wichtig mitspielen kann, aber keine optimalen Entscheidungen treffen kann, weil sie mathematisch als weitere unbekannte Variable zusätzlich mit auftaucht (und noch dazu besonders unberechenbar).Wenn z.B. der Strom nur die 1 ct/kWh Erzeugungspreis kosten würde, wäre das ElektroAuto wahrscheinlich schon weiter in der Entwicklung. Ausserdem koennte man mit so billigem Strom auch nicht-elektrische Wege des Antriebes gehen, die sich dann rechnen würden, und quasi einen Liter Treibstoff selbst herstellen aus 2 bis 4 kg Kohle, je nach Verfahren, unter Verwendung der billigen E-Energie aus den Kohlekraftwerken . (Nebenbei würde ein Baustoffproblem gelöst, denn die KraftwerksFilterAsche ist seit vielen Jahren in der Untersuchung als Betonersatz, und wird vom Markt ferngehalten mittels des politischen Einflusses der Zementindustrie; z.T. sind die Eigenschaften besser als die von Zement; ausserdem fallen bei der RauchgasEntschwefelung grosse Mengen Gips an, und dieser weitere Baustoff wird ebenfalls vom Markt ferngehalten; in diesem Fall sollen es wohl eher Schmiergeldzahlungen sein .)Dann könnten die Saudis etc. erstmal ihr Öl behalten, und weiterhin wären über die deutschen Kohlevorräte hinaus in Zukunft politisch interessantere Allianzen schmiedbar als bisher, denn die kohlereichen Länder sind nicht identisch mit den an Öl reichen.

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