Klima Es wird ernst
Die EU-Kommission plant scharfe Vorgaben für den Klimaschutz. Die deutsche Autoindustrie muss umdenken. Das ist gut so. Ein Kommentar
Die deutschen Autokonzerne gehen auf die Barrikaden: Die Hersteller in Deutschland würden im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz durch die am Donnerstag verkündeten EU-Pläne überproportional belastet, wetterte ein Volkswagen-Sprecher. Und Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), von Amts wegen nicht unbedingt ein Freund der Autoindustrie, sekundierte, der Vorschlag der EU-Kommission zur CO2-Reduktion führe zu einem „Wettbewerbskrieg“ zwischen der deutschen, französischen und italienischen Automobilindustrie. Harte Worte.
Dabei sind die Ziele den Autobauern seit einem Jahrzehnt bekannt. Zudem hatte der europäische Verband der Autohersteller (Acea) schon zugesagt, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der jeweiligen Gesamtflotten bis 2008 auf 140 Gramm zu senken.
Eingehalten haben das Versprechen allerdings nur einzelne Hersteller wie Peugeot oder Fiat – nicht aber die europäische Automobilindustrie insgesamt. Schuld daran waren auch die deutschen Automobilkonzerne, die immer noch weit mehr CO2 in die Luft pusten als versprochen. Dass jetzt die EU durchgreift, war zu erwarten. Eine bindende Richtlinie soll die Autobauer disziplinieren. Und das ist richtig.
Konkret sehen die Pläne Folgendes vor: Bis 2012 soll der CO2-Ausstoß im Durchschnitt auf 130 Gramm sinken. Das entspricht einem Verbrauch von 5,5 Liter Benzin oder 4,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Die in der EU verkauften Neuwagen pusteten im vergangenen Jahr im Schnitt 160 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft. Kommen die Autohersteller den Vorgaben nicht nach, müssen sie ab 2012 zahlen: erst 20 Euro pro Neuwagen und zu viel ausgestoßenem Gramm CO2, 2015 schließlich dann 95 Euro.
Richtig ist, dass die EU-Auflagen die Autos im ersten Schritt teurer machen werden. Dennoch sollten sich die Verbraucher davon nicht ängstigen lassen. Zwar rechnet die EU-Kommission damit, dass die Preise für Neuwagen in Europa im Durchschnitt um rund 1300 Euro steigen werden. Gleichzeitig aber sinken die Kosten für Sprit, wenn die Autos sparsamer werden. Langfristig dürfte sich das rechnen. Zumal die Kosten der Autos wieder sinken werden, wenn die großen Automobilkonzerne die neue Technik in großen Serien in ihre Fahrzeuge einbauen werden und nicht wie bislang nur bei einzelnen Modellen.
- Datum 20.12.2007 - 06:07 Uhr
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Mir hängen diese öko-totalitären Themen zum Hals raus. Auch die Autoren der Zeit sollten mal zur Kenntnis nehmen, dass die Belastungsgrenzen von Otto Normalverbraucher durch Reallohnverzicht, Mehrwertsteuer-Erhöhung Gesundheitsreform, exorbitant gestiegene Energiepreise etc. pp. schon lange überschritten sind. Jeder Arbeitnehmer wird in Zukunft ganz genau rechnen müssen, wie er seine monatlichen Einkünfte einsetzt. Und da geht dann ein Autor der Zeit hin und tut so, als sei eine Preiserhöhung von 1300 Eur für die in der BRD ohnehin schon exorbitant teuren Neuwagen nicht der Rede wert. Wer so leichtfertig mit dem Geld kleiner Leute argumentiert, hat diese Not offenbar noch nicht realisiert. Er darf sich dann allerdings auch nicht wundern, wenn diejenigen, die dringend auf ein Auto angewiesen sind, zukünftig auf Dinge, die man am leichtesten entbehren kann - zum Beispiel auf ein Abo der Zeit - verzichten werden, um die gnadenlos gestiegenen Preise irgendwie in den Griff zu bekommen.
Ich kann dem Kommentar nur beipflichten. Leider hat die deutsche Autoindustrie gar nichts begriffen und wird sich wohl weiter lächerlich machen. Einen wie Wissmann rekrutiert man ja nicht einfach so.
@WillyF: Umweltfreundliche Autos werden billiger. Sie haben die Sachlage nicht verstanden. Ansonsten gilt: Je ärmer jemand ist, desto weniger kann er sich den Konsequenzen unserer Umweltsünden entziehen. Warum argumentieren die "kleinen Leute" eigentlich immer für die Interessen der Reichen?
Es wird immer so getan, als wäre diese ganze Klimageschichte absolut unumstößlich und Konsens in der Wissenschaft. Man muß wohl schon kanadische Zeitungen verfolgen um zu lesen, daß eine durchaus illustre Gruppe diese moderne Allmachts-Phantasie, der Mensch könne tatsächlich das Klima der Welt zum besseren wenden (und was ist eigentlich besser für uns?) für groben Unfug hält. Was habe ich schon als einfacher Bürger für eine Ahnung von Dingen, die selbst Wissenschaftler offenbar nichtmal ansatzweise schlüssig erklären können? Aber das Maß der Einschnitte, die aufgrund dieser völlig unbewiesenen Vermutungen über das Klima nun getroffen werden, lassen doch jegliche Mäßigung vermissen.
Wieder ein schönes Beispiel für die Macht, die mit dem Klima-CO2-Dogma erreichbar ist. Wann merken eigentlich Merkel, Gabriel & Co., dass sie die Geister, die sie riefen, nicht mehr los werden. Sie waren es doch, die auf politischer Bühne den Vorreiter und Weltretter spielten. Nun protestieren sie gegen die eigentlich nur für sich gedachten, aber von anderen Institutionen erlangte Klima-Macht. Für uns Wähler wird es höchste Zeit, mit diesem Wahnsinn ein Ende zu machen und dafür zu sorgen, dass unser schönes Geld nicht für nutzlose Dinge verbraten wird. Gerne notwendige Milliarden für den Umweltschutz , für die Entwicklung von wirklich alternativen Energien und für die Maßnahmen gegen die Auswirkungen des natürlichen Klimawandels, aber nicht für die Reduzierung der auch wissenschaftlich mehr als fragwürdigen Ursache CO2.
Aus der Seele gesprochen. So langsam bin ich wirklich überzeugt, daß man mit etwas Beharrlichkeit fast jeden Unsinn implementieren könnte
Vielleicht dämmert es langsam, warum D unbedingt Vorreiter im "Kampf gegen den Klimawandel" spielen muss...Was EU und EURO noch nicht ganz geschafft haben, wird CO2 vollenden?Immer drauf, das Land kann noch was schultern. Mindestens noch mal 10 Mio Arbeitslose (das ist die richtige Statistik), noch mal 15 Mio Migranten, Hartz V und CO2 für die ganze Welt einsparen...Vae victis...
Na dann werden sich die "Ärmsten der Armen" ja freuen, wenn Sie dann z.B. mit reichlich Bioenergie die Welt der Zukunft angeblich durch weniger CO2 retten, die "Ärmsten der Armen" dies leider nicht mehr erleben werden, weil ihnen vorher leider das Essen ausging...Dieses "Ärmste der Armen"-Argument ist nicht nur billig, sondern von einer Scheinheiligkeit oder Gedankenlosigkeit, dass man sich die Haare raufen könnte...
Der Aufschrei der geballten deutschen Politik ist nur auf den ersten Blick verständlich. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass es kaum einen besseren Schutz der Otto- (kraftstoff)normalverbraucher vor steigenden Ölpreisen gibt, als sparsame Autos.
Auch exportieren wollen die deutschen Hersteller weiter, unter anderem auch in Wachstumsmärkte wie Indien, China und Lateinamerika. Regionen in denenen viele Regierungen die Nase voll davon haben, immer mehr Devisen für Öl auszugeben. In diesen Zukunftsmärkten kann nur der gewinnen, der die Sorge um steigende Ölpreise ernst nimmt.
Die Innovationskraft der deutschen Autobauer ist enorm, leider verzettelten sich die Ingenieure in der Entwicklung immer sinnloserer Acessoirs. Dabei wurden sie von der Hoffnung angetrieben, den Wettbewerben Marktanteile abzutrotzen. Wenn ein Teil dieser immensenen Entwicklungsanstrengungen nun dem verstärkten Kampf gegen die CO2-Emissionen zugute kommt, darf man insbesondere von deutschen Autobauern erstaunliche positive Ergebnisse erwarten.
Schade das man die deutsche Autoindustrie zu ihrem (mittelfristigen) Glück zwingen muss - gut dass die EU es nun enddlich vorhat.
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