Weltkulturerbe

Das grobe Klotzen

© Susanne Knaack

Der Bau der Dresdner Waldschlösschenbrücke hat begonnen, das Elbtal ist praktisch verloren. Bilderchronik eines Gemetzels Die Dresdenliebe, hat ein sächsischer Dichter gesagt, kommt aus dem Dresdenverlust. Das ist schön formuliert, doch nur die halbe Wahrheit. Denn des Dichters Phrase beschreibt den Verlust – die Zerstörung der Barockstadt im Kriegsfebruar 1945 – als schicksalhaft. Und sie malt die Liebe als etwas Naturgewaltiges, das die heutigen Betrachter der Stadt unweigerlich ergreift. Aber so harmlos sind die Deutschen nicht. Sie haben ihr Land im II. Weltkrieg mutwillig aufs Spiel gesetzt. Und ihre Nachkommen lassen sich nicht an der Verwüstung des einst glücklich geretteten Restdresdens hindern: Namens einer Mehrheit autoverliebter Bürger trümmert CDU-Landesfürst Georg Milbradt jetzt tatsächlich eine Verkehrstrasse durchs Elbtal. So friedlich wie auf diesem Bild vor Ausbruch des Brückenkrieges wird das Weltkulturerbe nie wieder aussehen.
Leser-Kommentare
    • WillyF
    • 25.12.2007 um 13:29 Uhr

    Wir Deutschen waren immer schon Meister im Übertreiben. Wie soll EINE Brücke das gesamte Elbtal zerstören? Das kann niemand plausibel begründen. Und der Unesco-Titel "Weltkulturerbe" ist so wichtig nicht, als dass wir darüber das rationale Denken einstellen sollten.Es wird Zeit, dass die Brücke endlich gebaut wird. Die Verkehrsentlastung der Dresdner Innenstadt ist darauf dringend angewiesen. Gravierende Nachteile sind dadurch nicht zu erwarten, mögen die selbsternannten "Umweltschützer", die sich leider nie um Menschen und deren Situation in der Umwelt kümmern, noch so zetern. Und wenn uns wirklich der Titel "Weltkulturerbe entzogen werden sollte, na dann bitteschön! Dresden hat den DDR-Faschismus überstanden, sie wird auch den Titelentzug überstehen.

    • FGAlte
    • 25.12.2007 um 13:49 Uhr

    Was die ganzen Betroffenheitstouristen vergessen ist, dass Dresden eine Stadt ist, deren Einwohner dort leben und arbeiten wollen. Das bedeutet für solche, die nicht gerade berühmte Dichter oder sonstige Künstler sind und sich fotogen von der Polizei durch die Stadt tragen lassen können, früh zur Maloche zu fahren und abends nachhause. Dazu braucht es einen zusätzlichen Flussübergang. Ob der nun gut oder schlecht ist, vermag ich nicht zu beurteilen und die Mehrheit der Dresdner Bürger, die für die Brücke stimmte, vemochte es auch nicht oder wollte es nicht. Aber das, auch wenn man es bedauern mag, ist ihr gutes Recht. Die ganzen Gutmenschen und kulturvollen Großkünstler etc. sollten wissen, dass auch eine richtige Meinung oder ein überlegender Standpunkt nicht per Zwangsmaßnahme durchgesetzt werden sollte. Aber eine solche demütige Haltung läßt ihre Arroganz eben nicht zu. Deshalb gab es auch keine konstruktive Diskussion zwischen den Gruppen, deshalb haben die Brückengegner auf der ganzen Linie versagt und die Brückenbefürworter gewonnen. Und deshalb wollen die Gegner jetzt am liebsten eine Diktatur errichten, so hört sich auch der im Ton unangemessene Zeit-Artikel an. Aber Vorsicht, alle Diktaturen dieser Welt behaupteten und behaupten, etwas richtiges, gutes und edles zu tun, so wie die Brückengegner auch.

  1. Das Elbtal gehoert nicht Frau Evelyn. Es gehoert nicht der UN. Es gehoert den Einwohnern in Dresden.
    Welches Recht habt Ihr Euch so einzumischen?

  2. LOL, im Osten gibt es noch Leute die meinen, neue Straßen würden den Straßenverkehr entlasten. Hach ja, Tal der Ahnungslosen...

  3. Die Dräsdna wolln kä Weldkuldurärbe. Das ist sicher. Also lasst sie machen! Wenn man in der Dresdener Innenstadt weilt, kriegt man zwar einen Begriff, welchen Stellenwert der Tourismus für die Stadt hat. Wollen aber lieber OaÄmDä (übersetzt: AMD) als Eierschägge (deutsch: Eierschecke). Wahrscheinlich soll jetzt  eine Trasse von der Autobahn Prag nach Berlin mitten durch die Stadt gerammelt werden. Das sieht auf der Karte zweifellos gut aus. Und scheint auch verkehrstechnisch unausweichlich zu sein. Der europäischen Magistrale Prag-Berlin soll vielleicht dieser Riesenschlenker nach Westen erspart werden? Wobei mit Sicherheit dann die rechtselbige Autobahn innerhalb der Stadt so ausgelastet wäre, dass man Rotes Kreuz und THW dort dauerhaft stationieren müsste.

    • ttob
    • 25.12.2007 um 18:10 Uhr

    ...wären bei einer Tunnellösung auch weggewesen, oder irre ich mich? Irgendwo muss ja die Zufahrtsstraße langgehen?

  4. Gewiß ist solch eine Brücke nicht schön und evtl. wird sie in der nun zu bauenden Form auch nicht unbedingt nötig sein. Beim Lesen dieses Artikels kommen einem allerdings starke Zweifel an der objektiven Berichterstattung dieser Zeitung. Denn ohne auch nur ansatzweise Fakten zu nennen, wird über die "bösen" Arbeiter der Baufirmen hergezogen, die ihrer Arbeit nachzugehen haben. Retter der Menschheit sind Dichter und Romantiker die es wahrscheinlich in ihrem Leben zu genug gebracht haben um sich ausschließlich mit solchen Sachen zu befassen. Dann über die Polizei herzuziehen und Argumente anzubringen, die anscheinend ja nur aus Mund-zu-Mund-Propaganda bestehen, ist wirklich unpassend, denn bewiesen dürfte dies ja alles nicht sein. Dies nur als kleiner Kritikpunkt. Mir geht es hier nur zweitrangig um die Brücke sondern ich hoffe auf eine objektivere und sinnvollere Berichterstattung, wie ich sie aus älteren ZEIT zeiten noch kenne.

    • taurus
    • 25.12.2007 um 19:28 Uhr

    @redsun2000:Schließe mich an: Den Ton dieser Reportage finde ich übertrieben weinerlich und hysterisch.@WillyF:Erklären Sie bitte mal genauer, warum und inwieweit diese Brücke so notwendig ist. Kann das nicht nachvollziehen. Fährt man beispielsweise vom Stadtteil Plauen durch die Innenstadt und dann über die Carolabrücke zur Neustädter Elbseite, so ist zwar oft dichter Verkehr, aber man kommt trotzdem recht flott vorwärts. Genauso wenn man etwa von der Neustadt aus über die Albertbrücke und dann Richtung Dohnaer Straße runterfährt, man kommt aureichend voran. Wenn Sie z.B. in Stuttgart die Neue Weinsteige runterfahren oder über den Pragsattel fahren, ist der Verkehr genauso dicht, das ist doch für ne Großstadt nichts Ungewöhnliches.Also mir sind die Argumente, wonach die Brücke dringend notwendig sei, nicht nachvollziehbar.taurus

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