Musik 2007 Die Platten des JahresSeite 3/3

Interessanter Blues kam von Laub aus Berlin, dito aus Berlin interessanter Ethno, nämlich von A.J. Holmes, dem "King Of The New Electric Hi-Life", dessen Reich sich mittlerweile zwischen East London, Freetown und Neukölln erstreckt und auch in unserer Tonträger-Rubrik reichlich Platz einimmt durch die längste Besprechung des Jahres .

Alte Meister lieferten neue Werk ab: Im Pop Robert Plant , Yoko Ono , P.J. Harvey und Radiohead . Maximo Park machten noch Spaß, The Sea And Cake , 2raumwohnung und, nun ja, Tokio Hotel :
"Die Band lebt vom süßen Zauber der Jugend", fand unsere Rezensentin Susanne El-Nawab, allerdings "ziehen im Hintergrund Erwachsene die Fäden. Das macht die Musik professionell und zahm."

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Im Rock kamen Do Make Say Thing "mit gefühlten sieben Gitarristen", und bei Von Spar galt "1 Stück = 22 Minuten". Im Jazz das reinste Veteranentreffen dieses Jahr, aber warum auch nicht? Anthony Braxton , David Murray , Sonny Rollins , Pat Metheny , Joshua Redman und Ulrich Gumpert . Von Charles Mingus kam Posthumes, Herbie Hancock ehrte Joni Mitchell, und Aki Takase spielte Ornette Coleman.

Gibt es in alldem etwas, das dem Rückblickenden just in diesem Moment der Rückschau noch besonderer Erwähnung wert zu sein scheint? Ja, doch. Um die Battles, eine Gruppe "ohne The" , ging im Mai ein Streit, der nach anfänglicher Verve versandet ist. Man wird Neues von diesen New Yorkern hören müssen, um sich wieder zu erhitzen. Zum anderen eine hausinterne, technische Veränderung: Unsere Klangbeispiele kommen seit dem 25. April in einem Flash-Player, seitdem gibt es keinen Kummer mehr mit Abspielbarkeit wie beim Vorläufer Quicktime. Allerdings ist mit der Umstellung dem Ungeduldigen auch kein Hineinspringen mitten ins Stück mehr möglich; wir wollen unsere Techniker bitten, dies doch im kommenden Jahr zu ändern.

Und schließlich, was würde der Rückblicker nach vollbrachter Arbeit jetzt mal gern und ganz in Ruhe hören? Nun, dies .

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Leser-Kommentare
  1. ...war die "Freibeuter AG" alle beiden Alben (3,- und 7,- bei nixgut.de) sind echte Kracher. Richtig heftiger deutscher Punk mit einiger Abwechslung, jenseits von billigem "destroy-the-krauts"-geschrammel, dafür mit zeitnahen politischen Texten, Beispiel?:
    "Wenn sich keiner mehr hier fragt, warum hat das System versagt,nur die Währung hier regiert,und nicht das Volk wie es sich gehört.Wenn der Staat die Bonzen schmiert,damit die Wirtschaft hier floriert,und der arme Penner friert,wer nichts hat, ist nichts - verliert!"
    (Song: "Bewegt Euch")
    Fast schon poetisch :-) und so herrlich aggressiv gespielt!
    Die haben auch eine Seite im Netz, wo man probehören kann, wem die Probetitel gefallen - klare Empfehlung zum Kauf der Alben! Die Musikrichtung ist natürlich Geschmackssache.
     

  2. War nicht die ZEIT immer ein Organ der gebildeten Schichten,
    ein journalistisches Erzeugnis mit Kulturanspruch? Erst neulich wunderte ich
    mich in einem Kommentar über die ZEIT-Bildstrecke der Konzert-Highlights 2007:
    Außer Netrebko & Villazon nur Pop. Rabea Weihser antwortete (danke!)
    freundlich, dass bei Klassik-Konzerten meist keine Photos gemacht werden
    dürfen. Das sehe ich ein. Doch nun dies: http://www.zeit.de/online/2007/52/bg-lieblingslieder

    Die Musikredakteure der ZEIT schreiben über ihre
    persönlichen "Herzstücke", die allesamt im Popular-Beat pumpern. Ein
    wenig Jazz ist wohl dabei. Surft man noch ein wenig weiter auf den Musik-Seiten
    derZEIT, so findet man unter http://www.zeit.de/online/2007/52/jahresrueckblick-tontraegerdie Zusammenfassung der in der ZEIT besprochenen "Platten des
    Jahres". Einmal Thomas Quasthoff ist dabei, und zwar nur, weil er entdeckt
    hat, dass er auch jenseits der E-Musik singen kann. Ist die BRAVO-Redaktion
    geschlossen zur ZEIT übergelaufen?

    Ich habe ja nichts gegen die Existenz der Popmusik. Doch
    wenn pauschal von "Musik", von "musikalischen Herzstücken",
    von "Konzerten des Jahres" oder "Platten des Jahres" die
    Rede ist, erwartet der einigermaßen vielseitig gebildete Leser Oper, klassische
    Symphonik und Kammermusik als doch wesentliche Bestandteile dessen, was unsere
    Musikkultur ausmacht. Die Klassik aus dem Begriff "Musik" auszuklammern, bedeutet, der globalisierten Beliebigkeit, der McDonaldisierung
    der Kultur außer ihrer real-ökonomischen Vorherrschaft nun auch einen Bedeutungs-Primat
    zuzuweisen. Wozu?Lohnt es sich nicht, über Überraschungssänger wie Nina
    Stemme oder Jonathan Lemalu zu schreiben, über die nicht nur akustisch
    bemerkenswerten jungen Geigerinnen dieser Tage, über das verblüffende,
    ECHO-ausgezeichnete Opus Magnum deutscher Volkslied-Arrangements des
    Ausnahme-Vokalensembles Singer Pur, über das Klavierphänomen Lang Lang?Ich würde mich freuen, wenn ich auf diese Weise eine
    Diskussion über den Musikbegriff in der postmodernen Gesellschaft anregen
    könnte.

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  • Quelle ZEIT online, 27.12.2007
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