Internet Die Besser-Wisser

Wissensportale sind beliebt. Mit seinem neuen Projekt "Knol" will Google die Wissenssammler von Wikipedia und Yahoo Answers angreifen und den Markt aufmischen

Der kalifornische Internet-Gigant hat es nicht nötig, viele Worte zu machen. Ein simpler Blog-Eintrag genügt - und das gesamte Internet spricht nur noch über das neue Projekt. Knol steht kurz für "knowledge" - zu deutsch: Wissen.

Statt nur das Internet nach Inhalten zu durchsuchen, will Google die interessantesten Inhalte in Zukunft selbst beherbergen. "Unser Hauptziel ist es, den Menschen zu helfen, ihr Wissen zu teilen", erklärt Projekt-Manager Udi Manber. Was mit der Video-Plattform YouTube so gut klappt, soll nun auch im Textbereich funktionieren - Inhalte von Nutzern kostenlos erstellen lassen, um anschließend von Werbeerlösen zu profitieren.

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Mit Knol soll es einfacher sein als bisher, Artikel zu erstellen und anderen zur Verfügung zu stellen. In der Presse wird dies durchweg als Herausforderung für die freie Internet-Enzyklopädie Wikipedia gesehen. Kein Wunder, denn die Wikipedia ist mit dem gleichen Anspruch angetreten. "Wiki-wiki" heißt auf hawaiisch "schnell". In der Wikipedia können selbst Laien schnell und einfach an Enzyklopädieartikeln mitarbeiten. Mit gewaltigem Erfolg: Mittlerweile sind über neun Millionen Artikel in mehr als 200 Sprachen zusammengekommen, in Qualitätstests wird dem unkommerziellen Projekt immer wieder bescheinigt, mit althergebrachten Enzyklopädien mithalten zu können.

Traditionell ist das Verhältnis zwischen der Wikimedia Foundation und dem kalifornischen Internet-Konzern sehr gut. Wikipedia -Artikel landen auf den Ergebnis-Listen von Google seit Jahren auf den ersten Plätzen. Dies ist zu beider Nutzen: Google kann seinen Kunden Ergebnisse anzeigen, die frei von Spam und Viren sind - Wikipedia bekommt im Gegenzug Aufmerksamkeit.

Laut einer Stichprobe vom Sommer kommt fast ein Viertel der Besucher der Wikipedia direkt von Google . Dass der Wikipedia -Gründer Jimmy Wales inzwischen eine eigene Suchmaschine angekündigt hat, die Google Konkurrenz machen soll, konnte das Verhältnis nicht allzu sehr trüben.

Warum sollte Google den Status Quo aufgeben, indem es selbst in den Wissensmarkt einsteigt? Ein Grund dafür dürfte ein Angebot der Konkurrenz sein, das zur Zeit Furore macht. Bei Yahoo Answers , das beim deutschen Yahoo Clever heißt, wird ebenfalls Wissen gesammelt. Und das noch schneller als in der Wikipedia . Statt Fakten und Wahrheiten in Artikelform zu bringen, spielen die Nutzer hier ein immer währendes Frage-Antwort-Spiel.

Während bei Wikipedia Nutzer teilweise über Monate streiten, welche Formulierung denn für eine Enzyklopädie geeigneter wäre, können Neugierige bei Yahoo die Nutzer fragen, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Zum Beispiel, welches Lied am Ende von "Schlag den Raab" gespielt wurde oder wie man Kaugummi aus Textilien entfernt. Antworten kommen in der gleichen Unbekümmertheit daher.

Das US-Magazin Slate beschreibt den Albtraum aller Bibliothekare: " Yahoo Answers belohnt Leute, die falsche Antworten einstellen - und häufig werden Falschinformationen als Wahrheit gekennzeichnet." Trotzdem erfreut sich das Portal einer enormen Beliebtheit: Zwei Jahre nach dem Start betreiben 120 Millionen Nutzer Wissen als Gesellschaftsspiel. Das Erfolgskonzept hat inzwischen zahlreiche Nachahmer gefunden.

Mit seinem Projekt Knol versucht Google offenbar den Spagat zwischen den Wikipedia und Yahoo Answers zu meistern. Die Artikel bei Knol sollen "autoritative Texte" sein, in denen wissenschaftliche Konzepte und historische Entwicklungen dokumentiert werden, wie Manber versichert. Diesen Bereich hatte die Wikipedia in den vergangenen Jahren erfolgreich besetzt. Gleichzeitig will Google auch Wissensgebiete abdecken, die eher in den Bereich von Yahoo Answers fallen: Reparatur-Anleitungen oder Produktinformationen sollen hier einen Platz finden.

Damit das gelingt, hat Google die Autoren in das Zentrum seiner Pläne gestellt. Für jeden Knol-Artikel soll genau ein Autor verantwortlich sein. Im ersten Screenshot von Knol wird der Autor am Rande des Artikels prominent vorgestellt. Andere Nutzer können Artikel bewerten oder Verbesserungsvorschläge machen, ein Knol-Artikel gehört aber immer nur einer Person. Somit werden langwierige Streitigkeiten vermieden, die schon vielen die Arbeit in der Wikipedia verleidet haben.

Wem der Ruhm und der Raum zur Entfaltung als Motivation nicht ausreicht, der kann übrigens auch finanziell profitieren. In Knol will Wikipedia Werbe-Anzeigen platzieren, die Autoren werden an den Umsätzen beteiligt. Für Qualität soll der Wettbewerb sorgen. Zu einem Begriff können beliebig viele verschiedene Knol-Artikel angelegt werden. Welcher davon am besten ist, soll die Community entscheiden.

Ob Knol mit seinem Konzept bei den Nutzern punkten kann, steht in den Sternen. Mit ähnlichen Projekten hatte Google nicht immer eine glückliche Hand. So stellte der Konzern das Projekt " Google Answers" im vergangenen Jahr ein - zu wenige Nutzer hatten sich für das Angebot interessiert.

 
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