Internet Die Besser-WisserSeite 2/2
Während bei Wikipedia Nutzer teilweise über Monate streiten, welche Formulierung denn für eine Enzyklopädie geeigneter wäre, können Neugierige bei Yahoo die Nutzer fragen, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Zum Beispiel, welches Lied am Ende von "Schlag den Raab" gespielt wurde oder wie man Kaugummi aus Textilien entfernt. Antworten kommen in der gleichen Unbekümmertheit daher.
Das US-Magazin Slate beschreibt den Albtraum aller Bibliothekare: " Yahoo Answers belohnt Leute, die falsche Antworten einstellen - und häufig werden Falschinformationen als Wahrheit gekennzeichnet." Trotzdem erfreut sich das Portal einer enormen Beliebtheit: Zwei Jahre nach dem Start betreiben 120 Millionen Nutzer Wissen als Gesellschaftsspiel. Das Erfolgskonzept hat inzwischen zahlreiche Nachahmer gefunden.
Mit seinem Projekt Knol versucht Google offenbar den Spagat zwischen den Wikipedia und Yahoo Answers zu meistern. Die Artikel bei Knol sollen "autoritative Texte" sein, in denen wissenschaftliche Konzepte und historische Entwicklungen dokumentiert werden, wie Manber versichert. Diesen Bereich hatte die Wikipedia in den vergangenen Jahren erfolgreich besetzt. Gleichzeitig will Google auch Wissensgebiete abdecken, die eher in den Bereich von Yahoo Answers fallen: Reparatur-Anleitungen oder Produktinformationen sollen hier einen Platz finden.
Damit das gelingt, hat
Google
die Autoren in das Zentrum seiner Pläne gestellt. Für jeden Knol-Artikel soll genau ein Autor verantwortlich sein. Im ersten Screenshot von Knol wird der Autor am Rande des Artikels prominent vorgestellt. Andere Nutzer können Artikel bewerten oder Verbesserungsvorschläge machen, ein Knol-Artikel gehört aber immer nur einer Person. Somit werden langwierige Streitigkeiten vermieden, die schon vielen die Arbeit in der
Wikipedia
verleidet haben.
Wem der Ruhm und der Raum zur Entfaltung als Motivation nicht ausreicht, der kann übrigens auch finanziell profitieren. In Knol will Wikipedia Werbe-Anzeigen platzieren, die Autoren werden an den Umsätzen beteiligt. Für Qualität soll der Wettbewerb sorgen. Zu einem Begriff können beliebig viele verschiedene Knol-Artikel angelegt werden. Welcher davon am besten ist, soll die Community entscheiden.
Ob Knol mit seinem Konzept bei den Nutzern punkten kann, steht in den Sternen. Mit ähnlichen Projekten hatte Google nicht immer eine glückliche Hand. So stellte der Konzern das Projekt " Google Answers" im vergangenen Jahr ein - zu wenige Nutzer hatten sich für das Angebot interessiert.
- Datum 21.12.2007 - 13:39 Uhr
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