Verlage Schachzug der Schwingensteins

Die Süddeutsche Zeitung ist verkauft. Die Fäden im Handel mit dem Verlegerverband SWMH zog vermutlich nur eine von vier Erbfamilien.

Eine der einflussreichsten Zeitungen in Deutschland, die Süddeutsche Zeitung, wechselt für etwa eine Milliarde Euro den Besitzer. Die Erben von vier der fünf Altgesellschafter hatten schon Anfang des Jahres 2007 entschieden, ihre Anteile abzugeben. Was folgte, war ein von juristischen Tiefschlägen begleiteter Verkaufsprozess, an dessen Ende nun die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) zum Zuge kam. Der Verbund von Klein- und Regionalverlegern aus Baden-Württemberg konnte sich gegen die anderen Mitbewerber durchsetzen. Unter den Konkurrenten war auch die Verlagsgruppe Holtzbrinck, zu der die ZEIT gehört .

Entscheidend für den Erfolg der SWMH war offenbar, dass sie mit einem der Erben, mit der Familie Schwingenstein, einen separaten Kaufvertrag aushandeln konnte. Aus Verhandlungskreisen hieß es dazu, eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Schwingensteins und den übrigen drei verkaufswilligen Erben sei ausgelaufen.

Anzeige

Diese Vereinbarung soll vorgesehen haben, dass sich die Schwingensteins beim Verkauf der Süddeutschen Zeitung nach dem Verhandlungsergebnis richten müssten, welches die Goldschaggs, die von Seidleins und die Dürrmeiers erzielten. Die Vereinbarung wurde aber am 30. November hinfällig. Vermutlich heimlich verhandelte die SWMH daraufhin mit Vertretern der Familie Schwingenstein - und kam überein. Darüber wurden die übrigen drei Familien am Donnerstag vor Weihnachten in Kenntnis gesetzt.

Die Goldschaggs, von Seidleins und Dürrmeiers sehen sich jetzt wohl genötigt, ebenfalls an die SWMH zu verkaufen, so geht es jedenfalls aus einer Pressemitteilung des Süddeutschen Verlags hervor. Die SWMH verfügt bald über 37,5 Prozent der Stimmen und kontrolliert im Verbund mit dem einzigen nicht verkaufswilligen Altgesellschafter, der Familie Friedmann, künftig die Mehrheit am Verlag. Andere Interessenten könnten also an der „Süddeutschen Zeitung“ nur noch eine Minderheit erwerben, und bleiben wollen die übrigen drei Familien nicht. Also werden auch sie vermutlich in den nächsten Wochen an die SWMH verkaufen.

 
Leser-Kommentare
    • ttob
    • 22.12.2007 um 12:16 Uhr

    ...wenn die SZ verkauft wird?Was ich mich auch frage, hängt die zunehmende Zensur (=euphemistisch Moderation) vielleicht damit zusammen? Bei SZ-online darf man, in letzter Zeit, nämlich nur noch zu den Arbeitszeiten kommentieren, nicht mehr abends und am Wochenende.Aber wahrscheinlich hängt das eher mit dem Totengräber der Meinungsfreiheit, dem Hamburger Richter Andreas Buske zusammen:http://www.heise.de

    • itac
    • 22.12.2007 um 16:39 Uhr

    als abonnent seit mehr als 20 jahren interessiert mich diese frage ebenfalls: was wird sich durch den verkauf ändern? die sueddeutsche, erstmals gedruckt aus den eingeschmolzenen lettern von "mein kampf" war und ist für mich das synonym für liberale qualitätspresse. ich werde sehr aufmerksam verfolgen, ob sie dies auch bleibt.die zeitliche beschränkung beim kommentieren ist zwar ärgerlich, moderation war aber meines erachtens mehr als überfällig: das niveau mancher kommentare war zum teil jämmerlich und da spreche ich nicht von "nicht geteilten" meinungen. eine qualitätszeitung kann es sich nur schwer leisten, trolle und kommentatoren ohne manieren zu tolerieren, ohne dass ein schatten auf sie selbst fällt. mit zensur hat das nichts zu tun.grüsse itac

    • ttob
    • 23.12.2007 um 0:19 Uhr

    "...moderation war aber meines erachtens mehr als überfällig: das niveau mancher kommentare war zum teil jämmerlich und da spreche ich nicht von "nicht geteilten" meinungen..."Meinungsäußerungen mit niedrigem Niveau gehören nunmal immer dazu, auch diese sind von der Meinungsfreiheit gedeckt. Auch Leute mit Sprachdurchfall müssen mal Dampf ablassen und eine Chance haben sich Niveau-mässig zu verbessern, mit Sperren erreicht man das aber nicht. Derart mit dem Hammer aufs Forum zu hauen ist schon übel, vor allem der Schmähartikel der noch mit dazugeliefert wurde. Für mich ist die SZ jetzt tot!Und bitte: ich wurde selber schon gelegentlich wegzensiert, ICH WEIß was Moderation wirklich bedeutet. Wenn schon jeder Kommentar angeschaut wird, dann kann man alle kritischen nämlich auch gleich mit löschen.Ein intelligent programmiertes Forum hält sich dagegen mehr oder weniger selbst sauber. Aber wahrscheinlich ist es einfach zu viel verlangt, sich beim Vorreiter und Vorkämpfer heise.de zu orientieren. Dort wird fast gar nicht zensiert und nur wenn jemand petzt. Ein Forum mit richtiger STRUKTUR, mit individuell konfigurierbarer Ignorelist, mit einem nützlichen Bewertungssystem! Dort kann man Idioten-Postings einfach ignorieren, da man sie idR schon an der Bewertung erkennt und man den Diskussionszweig einfach nicht liest *schwärm*. Da warte ich bei der ZEIT auch noch drauf, wenn sie das nicht gebacken bekommt, dann ist dieses Forum (ab einer bestimmten Größe) irgendwann auch automatisch tot."...kann es sich nur schwer leisten, trolle und kommentatoren ohne manieren zu tolerieren, ohne dass ein schatten auf sie selbst fällt..."Lol, aber die systematische Meinungsunterdrückung kann sich eine "liberale Qualitätspresse" leisten? Die Protestwelle war ziemlich heftig und für mich hat eine Zeitung, die es nicht schafft souverän mit Problemusern umzugehen, ihr Ansehen verspielt.Ich lese selbst kaum noch Printmedien und auch Onlinemedien nur, wenn ich kommentieren kann. Ich HASSE es nämlich der oftmals gleichgeschalteten Meinungsmache der Journalisten ausgesetzt zu sein, ohne mich wehren zu können. ICH HASSE ES! Es verdirbt mir den Tag, ich ärgere mich über manche Artikel oft stundenlang, wenn ich mich nicht irgendwie dazu äußern darf!

    • itac
    • 23.12.2007 um 11:53 Uhr

    wir sind uns in der sache durchaus einig, dass unbequeme, kritische ja sogar irrige meinungen möglich sein müssen. ein forum dafür zu bieten, steht einem online-medium sicher gut und die zeitliche beschränkung in der sz hat schon praktisch prohibitven charakter.allerdings müssen diese meinungen imo ohne persönliche angriffe und respektlose wortwahl (von beleidigungen und diffamierungen gar nicht zu reden) vorgetragen sein. wenn es intelligente programmiermöglichkeiten für kommentarseiten gibt, umso besser. die von ihnen zitierte heise online kommentarseite empfinde ich allerdings nicht gerade als gutes beispiel. wenn das der umgangston im internet sein soll, bin ich dafür zu empfindlich: auch die diskussion im internet sollte imo grundsätzlich so geführt werden, als sässe man sich gegenüber. wenn eine zeitung darauf achtet, und nur darum geht es mir, kann ich ihr das nicht übelnehmen. von weitergehenden eingriffen -und da gebe ich ihnen vorbehaltlos recht- sollte sie unbedingt abstand nehmen. grüsse itac

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT online
  • Kommentare 4
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Medien
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service