Teilchenphysik Die Gemeinde vibriertSeite 5/5

ZEIT: Wird Ihnen neben der Arbeit in Genf überhaupt noch Freizeit bleiben?

Heuer: Relativ wenig, da mache ich mir keine Illusionen. Bisher hat meine Frau es zum Glück immer wieder geschafft, mich raus in die Natur zu bringen. Wir reisen gern, wenn es geht, wandern oder arbeiten im Garten. Ich hoffe, wir kommen dazu, in der Schweiz ein bisschen Langlauf zu machen.

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ZEIT: Das CERN liegt zwischen Genfer See und Alpen natürlich in einer herrlichen Gegend. Wären Sie auch zum CERN gegangen, wenn es in Sibirien stünde?

Heuer: Absolut, warum nicht? Es ist mir natürlich lieber, der LHC steht in Genf. Am Ende aber ist am Wichtigsten, dass wir neue Erkenntnisse bekommen, egal wo das Gerät vergraben ist.

ZEIT: Das kann so mancher sicher schwer nachvollziehen...

Heuer: Wenn man keine Emotionen hat, die einen zu dieser Forschung drängen, dann sollte man den Job auch lieber lassen. Wenn ich nicht emotional dabei bin, halte ich es auch gar nicht durch, so viele Arbeitsstunden in die Forschung zu investieren. Es muss ein bisschen Hobby sein, anders geht es nicht. Da bin ich vermutlich der klassische Typ Physiker.

ZEIT: Welche Frage würde der Physiker und Mensch Rolf-Dieter Heuer dem Weihnachtsmann stellen, wenn er könnte?

Heuer: Ich würde ihn sicher nicht fragen, ob das Higgs existiert. Weil ich will, dass wir das selbst rauskriegen. Ich würde ihn fragen, ob er mir zutraut, ein guter Chef des CERN zu werden. Und auf ein Ja hoffen.

Die Fragen stellte Björn Schwentker

 
Leser-Kommentare
  1. Unheimlich interessant - ich bin gespannt, was für Ergebnisse herauskommen werden. Wenn man bedenkt, wie viele Milliarden für Rüstung, Waffen und Militär weltweit verschwendet werden - wie weit könnte die Naturwissenschaft schon sein.. *träum*

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    Die Ausgaben für den Militärhaushalt bewegen sich leider in ganz anderen Dimensionen. Hab deren Höhe aus aktuellem Anlass zu Vergleichszwecken mit dem CERN-Kosten mal fix zusammengesucht:

    http://sysout.twoday.net/...

    Sehr traurig dieser Zustand, in der Tat.

    Die Ausgaben für den Militärhaushalt bewegen sich leider in ganz anderen Dimensionen. Hab deren Höhe aus aktuellem Anlass zu Vergleichszwecken mit dem CERN-Kosten mal fix zusammengesucht:

    http://sysout.twoday.net/...

    Sehr traurig dieser Zustand, in der Tat.

    • Anonym
    • 21.12.2007 um 20:01 Uhr
    2. ViVi:

    Wie kommen Sie auf die Idee, dass geld fuer Verteidigung verschwendet sei?

  2. Gegen wen sollte sich die Menschheit verteidigen?

  3. Wenn man so die Zahlen liest, wieviel Geld da investiert wird - wofür?Für wen ist es wirklich so wichtig, mit einem solchen ungeheuren Aufwand herauszufinden, ob dieses oder jenes Teilchen diese oder jene Eigenschaften hat? Die Selbstverliebtheit der sog. Wissenschaftler in ihre Theorien scheint ein starker Trieb zu sein. Warum müssen wir alle dies bezahlen?Und keiner kann sich dagegen wehren, kann sagen - mich interessiert das alles nicht, ich will dafür mein Geld nicht geben.Für mich gibt es viel wichtigere Dinge als diesen Teilchenbeschleuniger, für die ich möchte, daß mein Geld ausgegeben wird.Und manchmal, wenn ich so sehe, wie bei den Banken Entscheidungen über einen popeligen Kredit von 100.000 Euro an einen Mittelständler gefällt werden, dann frage ich mich, ob bei Leuten, die solche Summen bewilligen, noch alle Tassen im Schrank haben. Aber es ist ja auch bei den Banken so: je größer die Summe, desto leichter kommt man an das Geld - schönen Gruß vom Herrn Schneider.

  4. Ich wüsste nicht, was es noch bedeutenderes gibt, als zu forschen, zu erfahren, was die Welt im Kleinsten, Innersten zusammenhält, neue Erkenntnisse über den Aufbau des Universums zu gewinnen...Ich spreche natürlich von einer idealen Welt, in der die Leute weder Lust haben, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, noch religiös-dogmatischen Wahnvorstellungen anhängen, sondern nur an Kunst, Kultur und eben wissenschaftlicher Erkenntnis interessiert sind: eine Utopie.

    • Anonym
    • 21.12.2007 um 23:31 Uhr
    6. vivi:

    Gegen solche, die Dir und deinen Lieben an den Kragen wollen. Und von denen gibt es eine ganze Menge.Die Menschehit unsgesamt  braucht sich erst zu verteidigen, wenn das Raumschiff Enterprise landet, das ist noch nicht passsiert. Es ist merh ein Intra-Menschheit Problem. 

    • Anonym
    • 21.12.2007 um 23:34 Uhr

    Auch in einer nicht-idealen Welt ist Grundlagenforschung von grosser Wichtigkeit. Ohne die Grundlagenforschung kein technischer Fortschritt.Und ohne technischen Fortschritt geht's zurueck auf die Baeume.Schwebt Ihnen das vor? 

  5. Die Inbetriebnahme des LHC wird tatsächlich ein äusserst spannendes Ereignis für Physiker auf der ganzen Welt. Es wird sehr interessant werden, die Ergebnisse mit den theoretischen Konstrukten der letzten Jahre abzugleichen. Ob ein Treffer dabei ist oder nicht, wir haben in den kommenden paar Jahren einen wesentlichen Erkenntniszuwachs zu erwarten. :)Wer meint, den finanziellen Preis dieses Unternehmens kritisieren zu müssen, sollte sich doch mal den langfristigen Nutzen der Teilchenphysik für die Menschheit bewusst machen.

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