Hilfsorganisation Ein Herz für Berater

Der Unicef-Skandal weitet sich aus: Anscheinend wurden viel mehr Spendengelder veruntreut als bisher bekannt. Geschäftsführer Garlichs spricht von Verschwörung. Doch wie lange wird er sich noch an der Spitze halten können?

Der Kölner Fernsehsender RTL hatte sich für das Thema Spendenbereitschaft in dieser Woche etwas besonders Schlaues ausgedacht. Sie schickten ein Team mit gefälschter Spendendose auf einen Weihnachtsmarkt und testeten die Gutgläubigkeit der Besucher. Die Kasse klingelte ganz ordentlich und die Verblüffung der großzügigen Spender bei der anschließenden Konfrontation war immens. RTL ließ sich nicht lumpen und gab seinen Zuschauern einen großartigen Tipp mit auf den Weg: Zuerst prüfen, dann spenden.

Bei großen Organisationen ist diese Skepsis eigentlich nicht angebracht. Trotzdem hat es eine der größten jetzt erwischt. Unicef steckt in einer tiefen Krise, aus der die Organisation nicht den rechten Ausweg findet. Während Unternehmen derzeit brav Unicef-Grußkarten mit Weihnachtsmotiven verschicken und die Armen dieser Welt traurig von den Werbeplakaten blicken, das Geschäft mit dem Gewissen also brummt, herrscht Chaos in der Kölner Zentrale.

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Die Frankfurter Rundschau hat drei Wochen nach den ersten Vorwürfen heute nachgelegt und eine interne Honorarliste veröffentlicht. Demnach soll Unicef unter Geschäftsführer Dietrich Garlichs zwischen 2005 und 2007 mehrere Hunderttausend Euro Spendengeld für externe Berater und Dienstleister ausgegeben haben. Auf dem Papier zu finden sind unter anderem eine Event-Agentur, ein Personalberater und ein Unternehmen, das Intranetsysteme verkauft.

Besonders delikat erscheint zunächst auch die Entlohnung eines externen Fundraisers, der bei Spendenbeträgen von bis zu 250.000 Euro mit zwölf Prozent Provision vergütet worden sein soll. Unicef, der Kinderfond der Vereinten Nationen, konterte per Pressemitteilung: "Bei den erwähnten ‚Beraterverträgen' handelt es sich um verschiedene normale Projekte und Dienstleistungen, wie sie zum Alltag vieler Organisationen gehören."

Bereits vor drei Wochen wurden durch einen anonymen Brief Vorwürfe laut, Unicef-Geschäftsführer Garlichs gehe verschwenderisch mit Spendengeld um, in dem er externe Mitarbeiter zu üppig mit Honoraren ausstatte. Die Kölner Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf. Die Branche zeigte sich erschüttert, ein Skandal gerade in der Vorweihnachtszeit, der Prime Time der Spenderei, schlimmer konnte es nicht kommen.

Allerdings macht Unicef bei der Lösung der prekären Situation derzeit alles andere als eine glückliche Figur. "Gerade jetzt bräuchte Unicef ein Krisenmanagement, das ihren Ruf schützt", sagt Burkard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das jedes Jahr über die Vergabe der Spendensiegel und somit über Seriosität entscheidet. "Davon kann im Moment allerdings nicht die Rede sein."

Die Vorwürfe lagen dem Vorstand von Unicef bereits im Juni dieses Jahres vor. Wäre man damals schon damit proaktiv an die Öffentlichkeit gegangen, hätte man das Schlamassel abwenden können, glaubt Wilke. Doch statt nach der ersten Welle der Empörung öffentlich mit Aufklärungswille und Transparenz zu glänzen, habe man sich nun ein zweites Mal von der Presse überrumpeln lassen und provoziert, dass sich die gesamte Spendenbranche vor einem Einbruch ihrer Einnahmen ängstigt.

Allerdings nimmt sich Wilke auch das Enthüllungsorgan zur Brust. Unicef als "Beraterparadies" zu bezeichnen, sei fast schon unanständig. Die Frankfurter Rundschau erwecke den Eindruck, dass allein schon die Beschäftigung externer Fundraiser anrüchig sei, sagt Wilkes. "Ich kenne aber keine große Organisation, die ohne solche Dienstleistungen auskommt." Der Schaden, den die Branche nun genommen hat, "hat zu einem Teil auch die Frankfurter Rundschau zu verantworten".

Die sachliche Aufklärung ist längst einer emotionalen Debatte gewichen. Garlichs selbst wittert Verschwörung, der ganze Skandal sei der infame Racheakt eines Mitarbeiters, der nach der Entlassung des Unicef-Chefs trachte und als Maulwurf die Presse mit angeblich pikanten Unterlagen versorge. Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen jedoch weise er mit aller Vehemenz zurück, sagte Garlichs. Per Rundschreiben informierte er trotzdem seine Mitarbeiter, dass die Zeitung immer weiter recherchieren werde.

Es sei in der Tat ein Problem, dass in den Zeitungsbeiträgen Zahlen genannt würden, aber ihre Einordnung fehle, sagt Michael Urselmann, Professor für Sozialmanagement an der Fachhochschule Köln. "Viele Spender sind verunsichert und glauben, dass ihre 25 Euro im Rachen irgendeines unseriösen Beraters landen", erklärt der Experte. Dabei würde außer Acht gelassen, dass Fundraiser nicht ehrenamtlich arbeiten, sondern hochqualifizierte Leute seien, häufig Betriebswirte mit Aufbaustudium mit einem Tagessatz von rund 1500 Euro. "Ein guter Berater sollte mindestens das acht- bis zehnfache seines Honorars an Spenden erwirtschaften. Ansonsten wird er wohl keine weiteren Aufträge mehr bekommen."

Die Bezahlung auf Provisionsbasis indes ist umstritten. "Auf diese Weise lastet ein großer Druck auf dem Berater", sagt Rüdiger Sornek vom deutschen Fundraiser Verband. "Und dieser Druck wird an die Spender weitergegeben." Um das zu vermeiden, würde sich ein Festbetrag mit zusätzlicher Erfolgsprämie empfehlen, der vom Vorstand abgesegnet wird.

Sorneks Verband, dem auch viele Unicef-Mitarbeiter angehören, will zukünftig seine ethischen Prinzipien ausbauen. Im nächsten Jahr soll ein Siegel die Redlichkeit jedes Mitglieds bezeugen und eine Ethikkommission über die Vergabe wachen. Sollte dann jemand gegen die fünf universalen Prinzipien verstoßen, droht ihm der Ausschluss. Die Vokabeln verheißen große Bürde: Ehrlichkeit, Respekt, Integrität, Empathie und Transparenz.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. UNICEF

    Das ist eigentlich nichts Neues. Bei allen Hilfsorganisationen inkl. Rotes Kreuz gehen mindestens 60 % der Spenden fuer Gehaelter, Verwaltung, Reisen und Logistik drauf.

  2. Es ist eine Riesen-Schweinerei, dass soviele Hilfsgelder durch Brimborium (Verwaltung, Luxus, Dienstreisen)  verwirtschaftet werden.
    UNICEF ist sehr wichtig. Und weltweit sehr hoch geachtet. Daher muss Deutschland danach trachten, dass auch die hiesige Teil_organisation sauber bleibt. Und wenn es Alt-Lasten gibt, muss dieser Augias-Stall kraftvoll - ohne Ansehen der Person  - sauber gemacht werden!!
    Unser Volk ist derart gut und weichherzig, weiss aber nicht, dass viele Gelder veruntreut und verdummt werden.
    Deshalb:
    1) Ran mit einem knallharten Buchprüfer!
    2) Schaden feststellen!!
    3)  Ggf. Geschäftsführer entlassen und Anzeige erstatten.
    4)  Bessere Kontrollmechanismen einführen
    5) Feststellen, ob der Vorstand etwas wußte, etwas gewußt haben könnte oder ein Teil der Vorstandsmitglieder mit dem GF gekungelt haben.
    6)  Ggf  große Säuberung im Vorstand.

    • Anonym
    • 20.12.2007 um 21:36 Uhr

    mit seinen Nebendienststellen ist ein monolithischer Wasserkopf, der die UNO Bezeichnung nicht mehr verdient. Eigentlich nicht mehr handlungsfähig. 

  3. Vorab möchte ich einmal sagen, dass die Sache mit den Beraterverträgen wohl schon recht üblich ist und auch notwendig, um eben die bestmögliche Beratung zu bekommen.
     
    Im zuerst angesprochenen Fall allerdings ist es für mich, der selber für UNICEF ehrenamtlich in der Hochschulgruppe Köln im Vorstand ist, schwer nachvollziehbar, dass ein ehemaliger Mitarbeiter diese Tätigkeit in seiner Rentenzeit nicht einfach unentgeltlich erbringt. Wir Ehrenamtlichen sind es, die den Hauptteil der Arbeit von UNICEF-Deutschland verrichten. Wir leisten jede Woche mehrere Stunden ohne dafür einen monetären Anreiz zu haben. Uns ist das Wohl der Kinder wichtig, denen wir mit unsere Informationsarbeit, Benefizveranstaltungen, Vortragsreihen, Sponsorenläufen etc. Aufmerksamkeit verschaffen.
     
    Auch wir sind so von dieser Debatte betroffen und es ist für uns nicht einfach das zu erklären. Und wir sind es auch, die da klare Aufklärung durch die Geschäftsstelle erwarten.
     
    Aber ich muss der Aussage von "eh381006" doch klar widersprechen. UNICEF ist immer noch eine der Hilfsorganisationen mit den geringsten Verwaltungskosten in Relation zu den Spendengeldern (unter 10%). Desweiteren ist UNICEF im Gegensatz zu anderen Organisationen frei von Ideologien und setzt vornehmlich auf einheimische Helfer in den Entwicklungsländern. Bindet diese ein und ist somit wesentlich nachhaltiger in ihren Projekten.
     
    Die Vorgänge müssen aufgeklärt werden. Aber das bedeutet nicht, dass UNICEF-Deutschland deshalb einer Spende nicht mehr würdig ist. Dafür sorgen die vielen Tausend ehrenamtlichen Helfer. Denn die werden nicht lange zu lassen, dass ihre Arbeit von Jahren in ein zwei Zeitungsberichten und dem eventuell in Jahren entstandenen Filz in der Verwaltung kaputt gemacht wird.

  4. Vorab möchte ich einmal sagen, dass die Sache mit den Beraterverträgen wohl schon recht üblich ist und auch notwendig, um eben die bestmögliche Beratung zu bekommen.
     
    Im zuerst angesprochenen Fall allerdings ist es für mich, der selber für UNICEF ehrenamtlich in der Hochschulgruppe Köln im Vorstand ist, schwer nachvollziehbar, dass ein ehemaliger Mitarbeiter diese Tätigkeit in seiner Rentenzeit nicht einfach unentgeltlich erbringt. Wir Ehrenamtlichen sind es, die den Hauptteil der Arbeit von UNICEF-Deutschland verrichten. Wir leisten jede Woche mehrere Stunden ohne dafür einen monetären Anreiz zu haben. Uns ist das Wohl der Kinder wichtig, denen wir mit unsere Informationsarbeit, Benefizveranstaltungen, Vortragsreihen, Sponsorenläufen etc. Aufmerksamkeit verschaffen.
     
    Auch wir sind so von dieser Debatte betroffen und es ist für uns nicht einfach das zu erklären. Und wir sind es auch, die da klare Aufklärung durch die Geschäftsstelle erwarten.
     
    Aber ich muss der Aussage von "eh381006" doch klar widersprechen. UNICEF ist immer noch eine der Hilfsorganisationen mit den geringsten Verwaltungskosten in Relation zu den Spendengeldern (unter 10%). Desweiteren ist UNICEF im Gegensatz zu anderen Organisationen frei von Ideologien und setzt vornehmlich auf einheimische Helfer in den Entwicklungsländern. Bindet diese ein und ist somit wesentlich nachhaltiger in ihren Projekten.
     
    Die Vorgänge müssen aufgeklärt werden. Aber das bedeutet nicht, dass UNICEF-Deutschland deshalb einer Spende nicht mehr würdig ist. Dafür sorgen die vielen Tausend ehrenamtlichen Helfer. Denn die werden nicht lange zu lassen, dass ihre Arbeit von Jahren in ein zwei Zeitungsberichten und dem eventuell in Jahren entstandenen Filz in der Verwaltung kaputt gemacht wird.

  5. Es  bestehen bei SpendenEmpfangsVereinen ein Unmenge von Möglichleiten, Geld abzuzweigen.Auch wenn in erstmal nur 10 % für Verwaltung draufgehen (reichlich viel !!) und der Rest ausgegeben wird: Genau an dieser Stelle kann schon jeder, der an einem GeldHahn sitzt, seine Lieblinge bedienen ... . Vielleicht _war_ UNICEF bei der Gründung idealistisch, aber der Verein existiert doch schon so lange, dass bspw. vermutlich viele der jüngeren Angestellten irgendwie [verwandt/ bekannt/ sonstwie verbunden] sind mit den älteren, die vermutlich (wie sonstwo auch) eher ihre eigenen Nachkommen etc. in die Prestige-Posten hieven würden.Dafür ist UNICEF als Verein, der sein Geld quasi geschenkt bekommt, sogar viel besser geeignet als ein normales WirtschaftsUnternehmen, weil Inkompetenz erstmal nicht auffällt. Geldausgeben (als der Hauptjob) ist erstmal nur 'ne Fleissarbeit, die eigentlich jeder kann, der bis zur 4. Klasse in der Schule beim Rechnen aufgepasst hat.Eine Pleite ist auch nicht zu befürchten: In einem schwächeren SpendenJahr bleibt eben weniger für die Kinder übrig .Und 1500 EUR Tagessatz für Spendenwerber ?? Wo sind wir denn ??? Und wer darf den tollen Job eigentlich machen ? Garantiert nicht der freiwillige Helfer, sondern wohl eher die "erfolgreiche" Tochter vom Chef (oder so ähnlich) . Ich will ja UNICEF kein Unrecht antun, aber es ist einfach _vollkommen_unwahrscheinlich_ , dass derartig gute Gelegenheiten zum Schmarotzen (und sei es nur des Prestiges) ungenutzt bleiben . Und wenn irgendwo jemand 1500 am Tag kassiert aus Spenden, dann kriegt _der_ Verein von mir keinen Cent .

  6. Nichts gegen die Ehrenhaftigkeit der freiwilligen Helfer, die sich für diese und andere Organisationen einsetzen und damit Kindern in der dritten Welt helfen wollen.
    Aber reden wir doch einmal Klartext. : Die 10 % beziehen sich ( vielleicht ) noch auf den Verwaltungsaufwand in der deutschen Sektion, aber diese Spendengelder werden ja dann für Projekte der UNICEF in den verschiedenen Entwicklungsländern eingesetzt. Dabei gehen sie über in die allgemeine UNICEF Kasse und sind dem deutschen System entzogen und den Blicken der deutschen Buchprüfer entrückt.
    Ich empfehle nur jedem sich einmal spasseshalber für eine Arbeit bei der UNICEF im Ausland zu bewerben ! Diese Organisation, - genau wie die anderen UN Organisationen - zahlt horrende Gehälter und Zulagen an die Glücklichen, die es schaffen dort angenommen zu werden. Die gesamten Verwaltungskosten bis hin zum Empfänger der Leistung, nämlich dem hungernden Kind sind deshalb ungleich höher. Es ist eher zu vermuten dass schlussendlich 10% dort ankommen.
    Bei allen Entwicklungshelfern sind die Mitarbeiter der UNICEF mit ihren klimatisierten super- schicken Fahrzeugen und die darin im Auftrag reisenden Jungakademiker wohl bekannt, die vor Ort, wie man weiss, nicht selbst Hand anlegen, sondern NGO's arbeiten "lassen".
    Das ganze UN System bedarf wirklich einer tiefgreifenden Reinigung und Reformation und je eher damit begonnen wird, desto besser.
       

  7. Auf ihrer Homepage wirbt Unicef mit dem Engagement der Prominenten, die ihrerseits steuerbegünstigt mit ihrem Engagement für sich werben.
    Das freimütige Bekenntnis von Frau Simonis, nachzulesen bei Cicero: "Die meisten Alltagsbeschäftigungen, die dem Tag seinen Rhythmus geben, wie Einkaufen, Kochen, den Haushalt versorgen, werden Spitzenpolitikern abgenommen, man verlernt sie."
    Wer von solchen Leuten eine effiziente Verwaltung von Spendengeldern oder Staatshaushalten zu erwartet glaubt auch, daß der Osterhase das Christkind gebiert.
    Die großen Wohltätigkeitsorganisationen sind schon lange zu Charity-Organisationen pervertiert, die nur noch der Bestätigung des Selbstwertgefühls sogenannter Prominenter dienen.
    Wer wirklich spenden will findet in unserem Land ohne Probleme Menschen, die der Hilfe bedürfen. Traurig, aber wahr. 

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