Exoplaneten Aus Staub geboren

Forscher entdeckten den jüngsten bisher gefundenen Planeten außerhalb des Sonensystems. Er ist noch umgeben von einer Scheibe aus Staub und Gas, aus der er entstanden ist

Nach kaum etwas suchen Astronomen derzeit mit solcher Leidenschaft wie nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, sogenannten Exoplaneten. Nun haben Heidelberger Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Astronomie ein Exemplar beobachtet, das jünger ist als alle zuvor entdeckten, wie die Forscher im Wissenschaftsmagazin Nature (Bd. 451, S. 38) berichten. Das Besondere an der Neuentdeckung: Den Mutterstern des Planeten umgibt noch jene Gas- und Staubscheibe, aus der er  - nach kosmischen Maßstäben - vor kurzem geboren wurde.

Das Planetenkind mit dem sperrigen Namen "TW Hydrae b" ist ein Riesenbaby: Es hat etwa die zehnfache Masse des Jupiters, des größten Planeten in unserem Sonnensystem. Dabei umkreist es seinen Zentralstern in nur etwa dreieinhalb Tagen in einem Abstand von etwa sechs Millionen Kilometern. Zum Vergleich: Die Erde ist etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, Jupiter schon 780 Millionen Kilometer.

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Seit langem vermuten die Astronomen, dass Planeten aus Gas und Staub entstehen, das in einer riesigen, flachen Scheibe junge Sterne umgibt. Bisher war das aber nicht viel mehr als eine Theorie. Aus kosmischen Messungen wussten die Astronomen nur, dass die Staubplatten nach zehn bis 30 Millionen Jahren verschwunden sind. Bis dann müssen sich die kleinen Partikel also bereits durch ihre Schwerkraft zu großen Planeten zusammengeklumpt haben. Die Beobachtung von TW Hydrae b zeigt nun: Das junge Schwergewicht entstand in nicht mehr als acht bis zehn Millionen Jahren, denn vorher gab es seinen Mutterstern noch nicht. Dieser ist unserer Sonne ähnlich, jedoch 500 Mal jünger.

"Dies ist eine der interessantesten Entdeckungen in der Erforschung extrasolarer Planeten," sagt Thomas Henning, Direktor am Heidelberger Max-Planck-Institut. "Damit ist uns erstmals der direkte Beweis gelungen, dass in einer zirkumstellaren Scheibe tatsächlich Planeten entstehen." TW Hydrae sei ein idealer Prüfstein für mathematische Theorien zur Bildung von Planeten. Bald werde man mehr über die fernen Planetensysteme wissen - so die Hoffnung.

Nicht nur die Entstehung der Planetensysteme ist den Forschern bisher unklar. Sie wüssten auch gerne: Wie häufig sind die fernen Welten? Wie sind sie aufgebaut? Wie viele bewohnbare Geschwister der Erde gibt es in unserer Heimatgalaxie?

Während des vergangenen Jahrzehnts sind die Astronomen den Antworten auf diese Fragen deutlich näher gekommen. Mit der Entdeckung des ersten Planeten, der einen anderen Stern als die Sonne umkreist, hat im Jahre 1995 die systematische Erforschung extrasolarer Planetensysteme begonnen.

Bis heute haben die Wissenschaftler mehr als 250 extrasolare Planeten gefunden. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Da Planeten nahe bei einem hellen Stern wie Glühwürmchen neben einem Flutlichtstrahler erscheinen, lassen sie sich meist nicht direkt beobachten. Die Astronomen müssen sie deshalb indirekt nachweisen.

So hatten die Heidelberger Forscher gar nicht
TW Hydrae selbst im Visier, sondern sein Zentralgestirn: Während Planeten ihren Mutterstern umkreisen, zerrt ihre Schwerkraft die Sonne immer ein wenig in Richtung des Planeten. Von weit weg betrachtet sieht es daher so aus, als wackle der Stern in regelmäßigem Rhythmus hin und her, beziehungsweise auf den Beobachter zu und wieder von ihm weg.

Genau diese Bewegung vermaßen die Heidelberger mit einem großen Teleskop der Europäischen Südsternwarte auf Chile. Beim Wackeln verändert das Licht des Sterns, das die Erde erreicht, ganz leicht seine Farbe. Aus dem Unterschied des Farbtons berechneten die Heidelberger, wie schwer
TW Hydrae mindestens sein muss.

Bis heute ist diese Methode der Planetenjagd bei Weitem die erfolgreichste.
Die Heidelberger Wissenschaftler haben seit 2003 bei etwa 200 jungen Sternen nach diesen Veränderungen der sogenannten Radialgeschwindigkeiten gespäht. Vielen Forschern ist das jedoch zu ungenau. Die Methode verrate zu wenig über die fremden Planeten.

Darum entwickeln die Astronomen derzeit eine Vielzahl alternativer Tricks, um die geheimnisvollen Welten zu ergründen: Sie versuchen, die winzige Zerr-Bewegung der Sterne direkt aufzunehmen; sie messen, wie sich die Helligkeit eines Sterns verändert, wenn einer seiner Begleiter davor vorbeizieht; und sie wollen die fernen Kugeln demnächst sogar direkt ablichten.

Noch sind alle diese Methoden nicht ausgereift, der Erkenntnisgewinn ist vielen Wissenschaftlern zu mager. Doch astronomische Messgeräte, die neuer, besser und auch teurer sind als je zuvor, sind bereits in der Entwicklung. Kein Zweifel, dass ihnen eine Generation noch besserer und noch teurerer Suchapparate folgen wird. Denn die Astronomen werden wohl kaum eher ruhen, bis sie die drängendste ihrer Fragen beantwortet haben: Sind wir allein im Universum?

 
Leser-Kommentare
  1. Ich muss sagen, das Bild sieht ja eher wie Schockwellen einer Explosion aus. Abgesehen von den Farben ist die Sache eher fadenscheinig.
    Wie kann eigentlich Materie eines Urknall, die ja sternförmig ausinanderstrebt, sich finden und verklumpen? Bei einer Explosion im Vakuum, ohne die Möglichkeit einer Beeinflussung durch Gravitationskräfte, da das Weltall ja leer war, streben alle Materiepartikel auseinander und rasen ewig geradeaus. Wie sollen sie sich je finden? Hat man hier nicht grundlegende Gesetzmäßigkeiten außer acht gelassen?
    Wie kommt man auf die Idee, das Sterne und Planeten sich so formen? Im Weltall dreht sich alles. Woher kam diese Drehbewegung, wenn keine Ablenkung da war? Warum soll sich Materie durch Gravitation zu Haufen formen und erhitzen? Je näher sie sich miteinander umkreis, desto geringer wird doch die Geschwindigkeit der Partikel zueinander, bis sie sich eventuell aneinander anlegen, wie bei zwei Kugeln, die an zwei Schnuren hängend, sich umkreisen. Woher soll die Entzündungsenergie kommen, für das Schmelzen? Warum wollen die Saturnringe einfach kein Mond werden? Warum vereinigt sich der Asteroidengürtel nicht? Haben wir eigentlich eine Ahnung, wie weit die Räume im Universum sind? 
    Wie gesagt, es strebt laut Urknall alles sternförmig auseinander, wie bei jeder Explosion im Vakuum. Eine Explosion schafft für gewöhnlich auch ein Chaos, nicht eine Ordnung. Aber wir finden nun mal Ordnung und fertige Systeme, die oft völlig unterschiedlich reagieren und sich drehen. Wo kommen das und woher kommen sie? Wer hat sie so schön gemacht? Was ist dazwischen. Vielleicht sehen wir ja nur die Lichter, nicht aber die Träger der "Fackeln". Sitzen wir hinter einer Scheibe, oder einem durchlässigen Spiegel? Vielleicht können wir uns Gott ausreden, aber seine Zeugnisse lassen uns staunen, nicht nur wegen ihrer Schönheit.

  2. Mich interessiert hier die Frage, was bedeutet der Satz im Artikel:  "Damit ist uns erstmals der direkte Beweis gelungen, dass in einer zirkumstellaren Scheibe tatsächlich Planeten entstehen." Hat man diesen Vorgang beobachtet? Ich dachte, die Forschung hat erst seit wenigen Jahren die Möglichkeit, so weit ins All zu sehen und der besagte Planet wurde kürzlich erst entdeckt?
    Man sieht auf dem Bild eine "Sonne", einen Planeten und Staub, als Ringe, wie bei Wellenbewegung, wenn man einen Stein ins Wasser wirft. Mehr nicht. Es ist kein Film, auch ist es künstlerisch und es ist nicht logisch. Warum soll zum Beispiel so ein riesiger Stern an seiner Sonne "kleben"? Müsste er nicht viel weiter draüßen kreisen? Oder verbrennen? Wir wissen ja, das unsere großen Planeten Gasriesen sind, weich wie Schweizer Käse. Er müsste zumindest einen Schweif haben, wenn er so nahe an seiner Sonne ist. Warum sollte so eine Festmasse stabil sein? Gehört das also überhaupt zusammen? Oder sehen wir durch ein Loch in einer Hurrikan? Ich habe da schon so meine Fragen, als "Laie".
    Übrigens gilt in der Naturwissenschaft eine bewiesene Sache so lange als Fakt, wie es keinen Gegenbeweis gibt und die Experimente den Schluss eines Beweises zulassen. Aber für das Verschmelzen von Sternenstaub zu großen Massen gibt es weder einen Beweis, noch findet man nur diese eine Form optisch im All. Es gibt alle möglichen Varianten zur Ansicht, keine ist ein Film. Darum sollte man so etwas nicht als Fakt verkaufen.

  3. Eigentlich kann man vor so wenig naturwissenschaftlichem Allgemeinwissen und Sachverstand der beiden vorherigen Kommentare nur den Kopf schütteln...Natürlich muss man nicht Physik studiert haben, aber das einfache Niveau eines Was-ist-Was Buches langt ja schon um eben zu verstehen, dass das Bild nunmal künstlerisch ist und nicht live am Himmel aufgenommen wurde (das geht nur bei einigen Sternen bis jetzt), oder dass auch auseinanderstrebende Materie klumpen kann. Gravitation wirkt sehr weit und ist die stärkste Kraft im Universum. Man kann schon beruhigt sein, das die Physik stimmt und alles was man sieht seine Richtigkeit hat. [Ob es jetzt hinter dem Sichtbaren noch eine göttliche Macht gibt sei dahingestellt und in das Reich der Meta-Physik verwiesen].Zudem gibt es bereits mehrere Experimente und Beobachtungen, die eindeutig beweisen, dass Sterne aus Materie und Planeten aus der restlichen Materie um junge Planeten entstehen (siehe diese Entdeckung). Die Fachleute streiten nur noch um winzige Details.Bevor man sich die Zeit nimmt nachzudenken und zu kommentieren sollte man auch die Begriffe Stern (Sonne!) und Planet auseinander halten können. Zudem wirkt auch hier die Anziehungskraft, weshalb ein Planet so eng wie es nur geht am Hauptstern vorbeikreisen kann oder sogar verschluckt werden kann. Des gleichen verhindert diese auch, dass der Planet schon in der Entfernung verdampft, was auch damit zusammenhängt, dass der Hauptstern nunmal 'nur' so leuchtet wie unsere Sonne (und der Merkur verdampft ja auch nicht).Also: Mal ein Astro-Buch kaufen und dann kann man versuchen zu kommentieren, aber bitte nicht irgendwelche Schöpfungsgeschichten, Irrglauben, Meta-Physiken, religiöse Ansichten und Falschinfos zusammenmixen wenn es um die Frage aller Fragen geht: Woher kommen wir, wohin gehen wir...P.S. wer will schon einen Film sehen, der 3 Mio. Jahre dauert?

  4. Herr Jörg D.,
    Sie könnten das Bild auch so betrachten, als wäre es das Auge einer Kröte oder irgendeines "Ur-Wesens", in dessen Pupille sich das Licht der entdeckten Sonne sowie des sie umkreisenden neuen Planeten spiegelte. Ein Augenblick in der langen Entstehungszeit des Universums - eingefangen von einer zur richtigen Zeit richtig eingestellten Teleskop-Kamera. Wie urig "schön!"
    Aber bitte, tun Sie das nicht. Sie besitzen bekanntlich zwei Augen; aufgrunddessen ist Ihre Physiologie in der Lage, räumliches Sehen zu erleben. Das können Sie im Film oder mit einer Photographie nicht so ohne weiteres. Obwohl wir darin Dreidimensionalität gewohnheitsmässig erkennen, bleiben diese - im Vergleich zum wirklichen Raum - auf Bildern und als Film eine optische Täuschung, eben gewohnheitsmässig als drei-dimensional einzustufen.
    Ich will diesen Vergleich nicht herbeiziehen, um mich oder Sie der Lächerlichkeit auszusetzen; ich bin ebenso Laie in der Astronomie. Aber Ihre Annahme, das ganze Universum strebe seit Urknalls Zeiten ewiglich sternenförmig-linear und ohne Ablenkung in alle Richtungen mit konstanter Geschwindigkeit auseinander, kann seit Einstein spätestens nicht mehr stimmen.
    Durch die Beweisführung bei der Relativitätstheorie - die ich tröstlicherweise nicht verstehe - konnte auch bewiesen werden, dass der Raum "gekrümmt" ist. Diese Voraussetzung braucht es unbedingt, wenn Drehungen entstehen sollen. Durch Drehungen wird auch ein weiteres Phänomen erklärbar, das Sie infrage stellen: Gravitation, bzw. "Bremsung" von bewegten Materie-Massen.
    Das Aller-Interessanteste bleibt meiner Meinung nach allerdings der Zusammenhang mit der - beweisbaren - Entstehung von "Zeit": Abbremsung, Drehung und Gravitation ermöglichen zusammen, dass "Systeme" sich umkreisender Materie entstehen konnten, die wir als "Galaxien" bezeichnen.
    Daher leitet sich auch die Mehrzahlform des Begriffs *Universum* ab. Galaxien = Universen. Zeitbegriffe sind möglich, da Rotation besteht. Selbstverständlich muss im Vergleich mit der Ur-Zeit sämtliche "Zeit" relativen Charakter haben.
    Ihre Betrachtung einer stetigen Auseinanderdriftung als Stern ist linearen Charakters. Diese Denkungsart entspricht einer allerhöchstens zwei-dimensionalen Sichtweise. Möglicherweise ist eine dritte Dimension enthalten; aber die Zeit als vierte Dimension oder als Bestandteil des Raum-Zeit-Kontinuums zu verstehen reicht lineare Betrachtung nicht aus. 
    Durch die erwähnte "Krümmung" des £Raumes driftet auch das gesamte Universum in eine nicht näher bestimmbare Richtung. Raum ohne Zeit wäre eine sinnlose Verschwendung von Energie. Zeit ohne Raum würde Anwendungen aus der Welt der Ideen verunmöglichen.
    Das Universum ist letztlich nicht "erklärbar". Was Sie erleben, entspricht äusserlich demselben, als wie Sie dabei ein Universum erkennen. Der Möglichkeit nach ist jeder Moment neu und wieder anders als der vorangegangene. Deshalb bleibt die Reise spannend bis zum Schluss...
    Ihre Silberschnur, mit freundlicher Entschuldigung für etwaige Unwissenschaftlichkeit. Betrachten Sie mein 'Logo': Die scheinbare Linearität der Saturn-Ringe ist eine Täuschung, und doch stimmt sie - für zeitliche Begriffe eben. Aber im Verbund mit Thetys, der "Mondin, besteht Beides: Linearität und Moment. Eine exakte Widergabe der Situation als Beobachtender der Weltgeschichte. Doch wir Menschen haben keine andere Sicht "hinaus" in's Universum als eine solche...
     

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