Vierschanzentournee Adler auf Krücken
Keine Stars, keine Erfolge, kein RTL. Stattdessen: ein Trainer kurz vor der Entlassung, miese Stimmung und Spott aus Österreich. Das deutsche Skispringen steckt in der Krise.
Da freuen sich die Österreicher! Ob man sich noch an die hämischen
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-Schlagzeilen erinnere, die in diesem Jahr den Fußball im Alpenland verunglimpften?, fragten am Donnerstag die populären oberösterreichischen
OÖNachrichten
. In teutonischer Großkotzigkeit habe die
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angeboten, mittelgute deutsche Fußballer auszubürgern und diese als Akt der Entwicklungshilfe im Land der nächsten Fußball-EM anzusiedeln: "Gebt den Ösis unser B-Team!"
Viele Österreicher fühlten sich damals diffamiert und in ihrem Vorurteil gegenüber dem Hochmut der Piefkes nur bestätigt. Nun aber, in diesem Winter, drehen die österreichischen Boulevardblätter den Spieß einfach um. OÖ schlägt vor: "Gebt den Deutschen unsere zweite Adlergarnitur!"
Fürwahr, schlecht wäre das nicht. Im Skispringen, noch vor wenigen Jahren eine deutsche Paradedisziplin, haben die deutschen Athleten den Kontakt zur Weltspitze längst verloren - während aus Österreich gleich mehrere der weltbesten Skispringer kommen. Vor der legendären Vierschanzentournee (Beginn: Sonntag, 16.30 Uhr/ live im ZDF) haben die deutschen Springer zusammen weniger Weltcup-Punkte gesammelt als Thomas Morgenstern, der 21-Jährige Shootingstar aus Österreich.
Die Deutschen haben dagegen weder Stars noch einen anerkannten Trainer. Peter Rohwein betreut die Springer seit 2004. Er ist ausgerechnet Österreicher. Unter seiner Führung sprang das Team derart erfolglos, dass immer mehr Kritiker seinen Rücktritt fordern. Einer von ihnen ist Dieter Thoma, der frühere Weltmeister und heutige Fernseh-Kommentator. Er lässt kaum einen TV-Auftritt ungenutzt, um dem Teamchef das Misstrauen auszusprechen. Für Rohwein ist die Vierschanzentournee nun die letzte Chance. Thomas Pfüller, der Direktor des Deutschen Skiverbandes, hat ihm bereits ein Ultimatum gestellt: Wenn das Team wieder schlecht abschneidet, fliegt Rohwein. Die Stimmung im deutschen Team ist entsprechend gespannt und giftig.
Dabei war doch früher alles so schön. Erinnern Sie sich noch? Sechs Jahre ist es her, da war Skispringen hierzulande beinahe sexy. 15 Millionen sahen bei RTL
zu, als Sven Hannawald 2001/02 als erster Sportler überhaupt alle Sprünge der Vierschanzentournee gewann.
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und halb Deutschland suchten anschließend für den ebenso netten wie schüchternen "Hanni" die passende "Nanni". Der zweite Star der skifliegenden Boygroup hieß damals Martin Schmitt. Der smarte Schwarzwälder siegte in den späten 90er Jahren im Akkord und war ein Jahrfünft lang die Werbe-Ikone einer lilafarbenen Schokoladenfirma.
Aus und vorbei. Hannawald fand zwar eine neue Liebe, kam aber mit der neuen Popularität, mit den gestiegenen Erwartungen nicht zurecht. Er litt unter dem Burn-Out-Syndrom und kehrte 2005 der Schanze den Rücken. Inzwischen spielt er "hauptberuflich" Fußball für eine Berliner Betriebsmannschaft, so sagt er in einem Interview. In psychologischer Behandlung sei er nicht mehr. Martin Schmitt ist immer noch aktiv. Sein letzter Sieg indes liegt sechs Jahre zurück. Er springt inzwischen so schlecht, dass TV-Experte Thoma sich "schockiert" abwenden muss, wenn er ihn sieht.
- Datum 07.01.2008 - 11:31 Uhr
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Na immerhin schiebt der Neumayer Michi den Rohwein Peter jetzt auf dem Rollator vor sich her, am besten bis nach Isny im Schwarzwald, um ihn vor der bösen zweiten Garde österreichischer Trainer zu schützen.
Die Benennung Rohweins dürfte von jeher eine Verzweiflungstat gewesen sein, denn nach dem gerechtfertigten Absägen des Wolfgang Steiert, war schon damals kein guter Trainer mehr zu haben. Ohne die Verpflichtung eines Weltklassetrainers, der auch dem Skiverband gegenüber Stärke zeigt, und ein klares System der Nachwuchsförderung verlangt und aufbaut, wird sich der deutsche Skisprung nicht so bald erholen.
Es sei denn, von irgendeiner Schwarzwaldtanne plumpst ein neues Supertalent direkt vor des Trainers Füße. Mit Glück heißt der Trainer aber Bauer oder Weinbuch und der Knabe darf Nordisch Kombinierer werden. Sonst erhellt sein kleines Licht des Ruhms nur kurz die Dämmerung des Skispringens. Denn wer nach Rohwein kann´s so schnell denn richten? Eben, niemand.
Schmitt immerhin sei gedankt, dass er noch keinen der dummen Reporter von der Schanze gestoßen hat, die mit immer gleichen Fragen nerven, aber Stimmung brächte es schon, gell. Aber vielleicht hat der Springer Schmitt mal Spass als (ausgebildeter)Trainer am Skisprung, intellektuell scheint er von allen der geeignetste Kandidat. Und dann wird das wieder was, so in ferner Zukunft.
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